Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian | Bildquelle: AFP

Angebliche Beweise zu Duma "Chlor und weitere Substanzen dabei"

Stand: 14.04.2018 14:12 Uhr

Hat die syrische Armee Chemiewaffen in Duma eingesetzt? Laut Außenminister Le Drian hat Frankreich dafür eindeutige Beweise. Doch es bleiben Fragen offen.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Es ist eine der entscheidenden Fragen rund um die Angriffe der westlichen Allianz gegen Syrien in der vergangenen Nacht: Haben die USA, Großbritannien und Frankreich Beweise dafür, dass am 7. April in Duma Chemiewaffen eingesetzt wurden? Oder haben sie diese nicht?

In Frankreich herrscht darüber leichte Verwirrung: Am Morgen präsentierte der Präsidentenpalast bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz ein Papier. Demnach stützten sich die Vorwürfe Frankreichs einzig auf Bilder, Videos und Augenzeugenberichte des Angriffes in Duma selbst. Vieles davon kursierte schon kurz nach dem Vorfall unter anderem in sozialen Medien. Diese seien ausgewertet und interpretiert worden, hieß es im Präsidentenpalast.

Medienberichte, wonach US-Spezialisten bereits etwa Blutproben von Opfern aus Duma untersucht hätten, bestätigte der Präsidentenpalast hingegen nicht.

Ein entscheidendes Indiz?

Am späten Vormittag gab plötzlich der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian dem Fernsehsender BFMTV ein Interview - mit ganz anderen Informationen. Noch seien nicht alle Analysen abgeschlossen, räumte er ein. "Aber alles was ich bis jetzt sagen kann ist, dass unsere Analysen es erlauben, alle Gase, die verwendet wurden, zu identifizieren. Es ist Chlor dabei und ganz ohne Zweifel gibt es weitere Substanzen."

Es wäre ein entscheidendes Indiz im Kampf um die Deutungshoheit zwischen Syrien und Russland sowie der westlichen Allianz. In den vergangenen Tagen hatten Russland und Syrien wahlweise geleugnet, dass überhaupt Chemiewaffen eingesetzt worden seien oder Rebellengruppen und sogar Großbritannien beschuldigt, einen solchen Einsatz inszeniert zu haben.

Paris ist überzeugt

Ob und wann Frankreich seine Analysen vorlegen wird ist nicht klar. Auch darf bezweifelt werden, dass diese von Russland und Syrien anerkannt würden. Für Frankreich, die USA und Großbritannien wären solche Beweise aber ein entscheidender Vorteil, um die Angriffe in Syrien zu rechtfertigen.

Für die Allianz ist klar, dass nur Syriens Machthaber Baschar al-Assad hinter dem mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz stecken kann. Die Gesamtsituation rund um Duma lasse darauf schließen, die Rebellen hätten allein wegen der lückenlosen Kontrolle des Luftraums durch russische und syrische Kräfte gar keine Möglichkeit gehabt, einen Angriff zu inszenieren, hieß es dazu in Paris.

Ein "Rafale"-Jet wird auf der französischen Basis Saint-Dizier für einen Luftangriff auf Syrien vorbereitet. (Quelle: französische Armee) | Bildquelle: ECPAD/HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutte
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Am Angriff auf Ziele in Syrien waren auch "Rafale"-Jets von der Basis Saint-Dizier beteiligt. (Quelle: französische Armee)

Viele nächtliche Telefonate

Deutlich wurde am Morgen, dass jenseits der manchmal verwirrenden Aussagen von US-Präsident Donald Trump zu möglichen Angriffen in Syrien, diese im Hintergrund offenbar minutiös vorbereitet worden waren. So sagte etwa Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly: "Ich möchte unseren Alliierten in den USA und Großbritannien danken und ganz besonders meinen Kollegen Jim Mattis und Gavin Williamson, mit denen ich mich fast jede Nacht in dieser Woche ausgetauscht habe, damit diese Operation erfolgreich ausgeführt werden konnte."

Präsident Macron kündigte an, dass er das französische Parlament über den Einsatz informieren werde und es dort eine Debatte geben soll. Erste kritische Stimmen wurden aber bereits laut.

"Ich verurteile diesen Angriff absolut. Er ist unverantwortlich und er steht außerhalb jeden internationalen Rechts", sagte etwa Eric Coquerel, Abgeordneter der linken Bewegung France Insoumise, dem Fernsehsender BFMTV.

Frankreich sieht Beweise für Giftgaseinsatz
Marcel Wagner, ARD Paris
14.04.2018 13:12 Uhr

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