Ehemann nach Misshandlungen erschossen Hollande begnadigt wegen Mordes verurteilte Frau

Stand: 31.01.2016 23:04 Uhr

400.000 Menschen in Frankreich hatten eine Petition für eine verurteilte Mörderin eingereicht. Nun begnadigte Präsident Hollande sie, bald kommt sie frei. Der Grund: Ihr Mann, den sie erschoss, hatte sie und ihre Kinder jahrelang misshandelt.

Frankreichs Präsident François Hollande hat eine zu zehn Jahren Haft verurteilte Frau begnadigt, die wegen des Mordes an ihrem gewalttätigen Mann im Gefängnis sitzt. Hollande verringerte die Haftstrafe der 68-Jährigen. Sie könne sofort einen Antrag auf Freilassung unter Auflagen stellen, teilte die Präsidialverwaltung mit. Im April könne sie freikommen.

François Hollande | Bildquelle: dpa
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Hollande sah in der außergewöhnlichen Lage der Verurteilten den Grund für die Begnadigung.

Der Fall hatte in Frankreich für großes Aufsehen gesorgt. 400.000 Menschen unterschrieben eine Petition für die Freilassung der Verurteilten. Der Präsident schaltete sich daraufhin selbst ein und empfing erst vor wenigen Tagen im Elysée-Palast die Anwälte und die Töchter der Frau, die um eine Begnadigung durch Hollande gebeten hatten.

Der Elysée-Palast erklärte, Hollande habe angesichts der "außergewöhnlichen menschlichen Situation" eine möglichst schnelle Rückkehr der Frau zu ihrer Familie ermöglichen wollen. Doch sollte die Justiz dabei respektiert werden. Die Verurteilung sei daher nicht völlig aufgehoben. Artikel 17 der französischen Verfassung räumt dem Präsidenten das Recht der Begnadigung ein.

Jahrelang misshandelt

Jacqueline Sauvage war 47 Jahre mit ihrem Mann verheiratet, einem gewalttätigen Alkoholiker, der nach ihren Angaben sie selbst sowie ihre drei Töchter schlug und vergewaltigte. Auch den Sohn soll er missbraucht haben. Einen Tag, nachdem sich der Sohn das Leben genommen hatte, schoss Sauvage im September 2012 ihrem Mann mit einem Gewehr drei Mal in den Rücken.

Im Oktober 2014 wurde sie des Mordes schuldig befunden und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Auch in einem Berufungsverfahren im Dezember wurde ihr Argument der Notwehr nicht anerkannt.

Die Anwälte der Frau brachten nun ihre Freude über die Entscheidung des Präsidenten zum Ausdruck. Die Töchter von Sauvage seien "glücklich, denn der Präsident hat sie gehört und nicht enttäuscht", hoben sie hervor.

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