Die Fundstelle der Mastodon-Knochen bei San Diego. | Bildquelle: AP

Ungewöhnliche Knochenfunde in Kalifornien Amerika - bewohnt seit 130.000 Jahren?

Stand: 27.04.2017 08:43 Uhr

Fossilienfunde im kalifornischen San Diego deuten nach Ansicht von Paläontologen darauf hin, dass schon vor 130.000 Jahren Menschen in Amerika lebten - nicht erst seit 15.000 Jahren. Allerdings gibt es auch Zweifel an der These.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

US-Wissenschaftler haben einen Fossilienfund ausgewertet und datiert, der schon in den 90er-Jahren bei San Diego geborgen wurde. Die Knochen dreier Mammut-ähnlicher Tiere wurden nach Erkenntnis der Forscher mit Steinwerkzeugen zerschlagen. Daraus ziehen die Autoren des Artikels im Magazin "Nature" den Schluss, dass Menschen am Werk waren.

Weil das Alter der Tierknochen auf rund 130.000 Jahre datiert wurde, gehen die Paläontologen davon aus, dass schon zu dieser Zeit Menschen in Amerika siedelten. Das wäre gut 115.000 Jahr früher als bislang angenommen.

Der Paleontologe Richard Cerutti and der Kurator des San Diego Natural History Museum, Dr. Tom Deméré, mit bei San Diego gefundenen Mastodon Knochen. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Der Paleontologe Richard Cerutti and der Kurator des San Diego Natural History Museum, Dr. Tom Deméré, mit bei San Diego gefundenen Mastodon Knochen.

Allerdings fanden die Forscher keine Überreste von Menschen, nur Tierknochen und Steine mit Gebrauchsspuren. Der leitende Autor der Studie, Steven Holen vom Zentrum für amerikanische Altsteinzeit in South Dakota, sagte, es sei deutlich zu sehen, dass die Knochen von menschlichen Wesen mit Fingerfertigkeit durchbrochen worden seien. Steine seien als Hammer und als Amboss benutzt worden. Sollte sich die These der Forscher erhärten, zum Beispiel durch weitere Funde, müssten wohl große Teile der amerikanischen Siedlungsgeschichte neu geschrieben werden.

Frühe Siedler - oder doch nur die Autobahn?

Kritiker der Studie bemängeln, dass die Autoren diese frühe Existenz von Menschen auf dem amerikanischen Kontinent nur indirekt belegen. Donald Grayson, Archäologe an der University of Washington, warf der Autorengruppe vor, dass sie banalere Erklärungen für die besondere Art der Bruchstellen an den Knochen nicht plausibel ausgeschlossen hätten. Zum Beispiel könnten die Knochen durch Druckwellen einer nahe gelegenen Autobahn beschädigt worden sein.

Außerdem ist nicht klar, um was für einen Menschentyp es sich gehandelt haben könnte - etwa Neanderthaler oder Homo Heidelbergensis. Auch wie die frühen Siedler nach Amerika gekommen sein könnten, wirft Fragen auf. Bislang hatten Wissenschaftler die Erfindung der Seefahrt in der Menschheitsgeschichte deutlich später angesetzt.

Sollte sich die These der frühen Besiedlung Amerikas erhärten, hätte das also erhebliche Auswirkungen auf das Bild des frühen Menschen. Weitere Funde könnten dabei helfen. Studienautor Steven Holen sagte, man habe bisher auch deshalb nichts gefunden, weil niemand danach gesucht habe.

Spektakulärer Fund: Seit 130.000 Jahren scheinbar Menschen in Amerika
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
27.04.2017 08:10 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 27. April 2017 um 11:36 Uhr

Darstellung: