Rettungskräfte untersuchen Trümmerteile nach einem Flugzeugabsturz in Rostow | Bildquelle: REUTERS

Passagiermaschine verfehlt Landebahn 62 Tote bei Flugzeugabsturz in Russland

Stand: 19.03.2016 08:11 Uhr

Beim Absturz einer Passagiermaschine sind in Russland alle 62 Insassen ums Leben gekommen. Laut ersten Informationen verfehlte die Boeing wegen eines Sturmes die Landebahn des Flughafens im südrussischen Rostow. Offenbar hatte der Pilot einen ersten Landeversuch abgebrochen.

Von Hermann Krause, ARD-Studio Moskau

Es waren vorwiegend Urlauber, die aus den Arabischen Emiraten zurückkehrten, mit an Bord waren auch Kinder. Niemand hat den Absturz in Rostow am Don überlebt, auch nicht die sieben Besatzungsmitglieder der Billigfluglinie FlyDubai. Nach Angaben der Fluglinie waren unter den 55 getöteten Passagieren 44 Russen, acht Ukrainer, zwei Inder und eine Person aus Usbekistan.

"Ich ging gerade zum Flughafengebäude, als ich einen Blitz sah. Der dunkle Himmel wurde ganz plötzlich hell und dann dieser dumpfe schreckliche Knall", berichtet ein Augenzeuge.

Absturz einer Passagiermaschine in Russland
tagesschau 12:00 Uhr, 19.03.2016, Udo Lielischkies, ARD Moskau

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Neben der Landebahn aufgeschlagen

Um 01:50 Uhr Ortszeit ereignete sich das Unglück, die Boeing 737 schlug 100 bis 150 Meter von der Landebahn entfernt auf. Das Katastrophenschutz-Ministerium der Region Rostow erklärte, die Tragfläche der Boeing 737-800 von Flydubai habe beim Landeanflug den Boden berührt. Verantwortlich für den Absturz sollen offenbar Regen und vor allem ein Sturm mit einer Windstärke von bis zu 110 Kilometern pro Stunde gewesen sein. "Alles ist in der Nähe des Flughafens passiert. Das Wetter war so schlecht, dass die Besatzung damit nicht fertig wurde. Der Pilot versuchte, ein zweites Mal zu landen, unter den Bedingungen aber gelang es nicht", sagte ein russischer Flugexperte in einer ersten Analyse.

Mittlerweile ist bekannt, dass das Unglücksflugzeug fast zwei Stunden über der Region kreiste. Eine Aeroflot-Maschine versuchte in dieser Zeit ebenfalls dreimal, dort zu landen, flog dann aber zum 250 Kilometer entfernten Flughafen von Krasnodar, genauso wie eine Maschine aus Prag. Ein Flugzeug aus Istanbul kehrte sogar zu seinem Ursprungsflughafen zurück.

Nicht genügend Treibstoff zum Ausweichen?

Nun wird darüber spekuliert, ob der Boeing möglicherweise nicht mehr genügend Kerosin zur Verfügung stand und der Pilot deshalb zum zweiten Mal versuchte zu landen. Vor Ort richtete der Gouverneur der Region einen Krisenstab ein. Präsident Wladimir Putin drückte den Angehörigen sei Beileid aus und versprach umgehend Hilfe und vollständige Aufklärung. Der Flughafen ist bis auf weiteres gesperrt, Psychologen vor Ort kümmern sich um die Hinterbliebenen, eine Hotline wurde eingerichtet. Der morgige Sonntag wurde bereits für die Region zum Tag der Trauer erklärt. 

Nachdem russische Touristen nicht mehr in die Türkei und nach Ägypten reisen dürfen, fliegen viele in die Arabischen Emirate. Der Flug Rostow nach Dubai dauert rund vier Stunden. Die Boeing 737-800 war erst fünf Jahre alt, ein technischer Fehler wird zurzeit so gut wie ausgeschlossen. Ob der Tower aufgrund des Sturms den Flughafen hätte schließen müssen, wird untersucht. Nach Aussagen von Experten liegt die Entscheidung zur Landung aber bei den jeweiligen Piloten.   

Flugzeugunglück im Süden Russlands
H. Krause, ARD Moskau
19.03.2016 07:41 Uhr

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