Wrackteile des russischen Flugzeugs, das über dem Sinai abgestürzt ist | Bildquelle: dpa

Flugzeugabsturz in Ägypten Maschine brach in der Luft auseinander

Stand: 01.11.2015 23:21 Uhr

Bei der Suche nach der Ursache für den Flugzeugabsturz über der Sinai-Halbinsel sind die Ermittler einen Schritt vorangekommen. Nach ihren Erkenntnissen brach der A321 bereits in der Luft auseinander. Das erklärt auch das Bild an der Absturzstelle.

Das in Ägypten abgestürzte russische Passagierflugzeug mit 224 Menschen an Bord ist nach Angaben russischer Ermittler schon in der Luft auseinandergebrochen. Die Trümmer des Airbus seien anschließend über ein weites Gebiet zerstreut worden, sagte Viktor Sorotschenko vom russischen Zwischenstaatlichen Luftfahrtkomitee (MAK) laut der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Es sei aber noch "zu früh, um Schlüsse zu ziehen".

Wegen des riesigen Trümmerfeldes gestaltet sich auch die Bergung der Leichen schwierig. Der Körper eines Kindes sei in acht Kilometern Entfernung zur Absturzstelle gefunden worden, sagte ein an den Bergungsarbeiten beteiligter Militäroffizier der Nachrichtenagentur AFP. Daher werde die Suche nach sterblichen Überresten nun auf einen Umkreis von 15 Kilometern ausgedehnt. Am Sonntagabend startete von Kairo aus ein Flugzeug mit den sterblichen Überresten von 162 Todesopfern nach Russland.

Die Maschine mit der Flugnummer 7K9268 war gestern auf dem Weg vom Badeort Sharm El-Sheikh ins russische Sankt Petersburg abgestürzt. An Bord des Airbus A321 befanden sich 224 Menschen, darunter 217 Passagiere und sieben Crewmitglieder. Überlebende gab es keine.

Leichen der Opfer werden von der Unglücksstelle in ein Militärflugzeug gebracht. | Bildquelle: AFP
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Leichen der Opfer werden von der Unglücksstelle in ein Militärflugzeug gebracht.

Unfall oder Terroranschlag?

Erste sterbliche Überreste der Opfer sollen spätestens am Montag nach Sankt Petersburg gebracht werden. Eine erste Maschine könne in der Nacht aus Kairo losfliegen, sagte Wladimir Stepanow vom Katastrophenschutzministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Zur Identifizierung hätten die russischen Behörden von Verwandten DNA-Proben genommen. Heute gilt in Russland Staatstrauer.

Derweil gehen die Spekulationen über Absturzursachen weiter - war die Katastrophe ein Unfall oder das Ergebnis eines gezielten Terroranschlags? Schon kurz nach dem Absturz galt ein technischer Defekt als wahrscheinlichster Grund für das Unglück. Kurz nach dem Start habe die Besatzung einen entsprechenden Funkspruch abgesetzt, hieß es vonseiten des ägyptischen Komitees für Zwischenfälle im Luftverkehr. Der Pilot habe angekündigt, auf dem nächstgelegenen Flughafen landen zu wollen. Danach sei der Kontakt zu den Fluglotsen abgebrochen.

Zehn Stunden nach dem Absturz sorgte aber der ägyptische Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" mit der Behauptung für Aufsehen, er sei für den Absturz verantwortlich. Einen Beweis dafür legte der IS bisher aber nicht vor.

Die russische Flagge und die von St. Petersburg wehen einen Tag nach dem Flugzeugabsturz in Ägypten auf Halbmast. | Bildquelle: AP
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Die russische Flagge und die von St. Petersburg wehen einen Tag nach dem Flugzeugabsturz in Ägypten auf Halbmast.

Russische Ermittler reisen nach Ägypten

Wie sich die neueste Erkenntnis, dass das Flugzeug bereits in der Luft zerbrach, auf das Ermittlungsergebnis auswirkt, ist bislang unklar. Das renommierte Flugdatenportal "flightradar24" hatte kurz nach dem Absturz getwittert, dass die Maschine den Aufzeichnungen zufolge mit rund 6000 Fuß pro Minute gesunken sei, bevor das Radarsignal verloren ging. Das entspricht umgerechnet einer Sinkrate von 30,5 Metern pro Sekunde.

Aus Russland flogen inzwischen eigene Ermittler nach Ägypten, darunter auch Verkehrsminister Maxim Sokolow. Nach Berichten russischer Staatsmedien ist das Team inzwischen auf dem Weg zur Absturzstelle. Aufschluss über die Absturzursache erhoffen sich die russischen und ägyptischen Behörden vor allem von den inzwischen gefundenen Flugschreibern. Der Flugschreiber und der Stimmenrekorder seien nach erstem Augenschein nur gering beschädigt, sagte Sokolow nach seiner Ankunft in Kairo.

Russische und ägyptische Behörden suchen nach Absturzursache
tagesthemen 23:15 Uhr, 31.10.2015, Birgit Virnich, ARD Moskau

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Crew wurde kurz vor dem Start noch untersucht

Die russische Justiz hat nach eigenen Angaben keine Hinweise auf Unregelmäßigen bei der Besatzung oder dem verwendeten Treibstoff des Airbus A321. "Die Piloten und Stewards sind vor dem Start in Sharm El-Sheikh medizinisch geprüft und für flugtauglich erklärt worden", sagte Behördensprecherin Maja Iwanowa der Agentur Interfax. Auch eine Untersuchung des Treibstoffs habe keine Hinweise ergeben: Ermittler hätten in einem Lager in der Wolga-Stadt Samara Proben des Kerosins genommen, den auch die Unglücksmaschine im Tank hatte. "Die Qualität entsprach den Anforderungen", betonte Iwanowa.

Die russische Fluggesellschaft Kolavia, zu der das abgestürzte Flugzeug gehört, schloss zudem menschliches Versagen als Grund für den Unfall aus. Mit 12.000 Flugstunden sei der Pilot sehr erfahren gewesen. Die Maschine habe über alle nötigen Zertifikate verfügt, sagte ein Sprecher. In Sharm El-Sheikh war die Maschine nach offiziellen Angaben noch erfolgreich technisch gewartet worden.

Nach der Flugzeugkatastrophe kündigten mehrere Fluggesellschaften an, die Sinai-Halbinsel zunächst nicht mehr zu überfliegen. Dazu gehört neben Emirates, Air France-KLM auch die Lufthansa. Lufthansa hat eigenen Angaben zufolge weniger als zehn Flüge pro Tag, die die Region überqueren.

Die Flugschreiber

Jedes Flugzeug führt zwei Flugschreiber mit sich: Der Flugdatenschreiber speichert technische Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit und Kurs, aber auch Neigungswinkel der Maschine, Ruder- und Klappenstellungen sowie Triebwerksparameter. Der Stimmenrekorder zeichnet die Gespräche der Piloten und alle anderen Geräusche im Cockpit fortlaufend in einer Endlosschleife von 30 bis 120 Minuten (je nach Bauart) auf.

Die Geräte sind meist in der Mitte oder im Heck der Maschine eingebaut, die erfahrungsgemäß bei einem Unfall am wenigsten zerstört werden. Heutige Modelle sind jeweils etwa so groß wie ein Schuhkarton, in auffälligem Leuchtorange gefärbt. Der Name "Blackbox" ist also etwas irreführend. Manchmal sind beide Flugschreiber in einem Behälter untergebracht, manchmal getrennt. Damit die Datenträger einen Absturz, hohe Temperaturen und hohen Wasserdruck überstehen, sind sie durch eine Stahlummantelung geschützt.

Damit die Flugschreiber nach einem Unglück leichter zu orten sind, sind sie mit Unterwasser-Ortungsbaken ausgestattet. Diese schalten sich bei der Berührung mit Wasser ein und senden ein Ultraschall-Signal aus. Dieser "Ping" wird einmal pro Sekunde gesendet und ist unter Wasser in einem Umkreis bis etwa zwei Kilometer zu orten. Die Batterien halten etwa 30 Tage, neuere bis zu 90 Tagen. An Land senden die Flugschreiber keine Signale.

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