Afrikanische Flüchtlinge | Bildquelle: dpa

Libysches Flüchtlingslager Krätze, Hunger, Enge

Stand: 04.05.2018 20:58 Uhr

Die Lage im libyschen Flüchtlingscamp in Zuwara ist katastrophal, warnen "Ärzte ohne Grenzen". Sie appellieren an die internationale Gemeinschaft, den Flüchtlingen zu helfen.

Von Nina Amin, ARD-Studio Kairo

Katastrophale Zustände in einem völlig überfüllten Internierungslager, so beschreibt Karline Kleijer, die Leiterin des medizinischen Programms in Libyen von der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" die Lage in Zuwara. Dort befindet sich eins der Auffanglager für die meist afrikanischen Flüchtlinge und Migranten. Rund 800 Menschen seien in dem Lager seit Monaten festgehalten worden, sagt die Projektleiterin.

"Manche Leute waren dort seit mehr als fünf Monaten", so Kleijer. "Auch Kinder und schwangere Frauen. Manche sind einen Monat lang nicht raus aus diesen schrecklichen Zellen gekommen, manche sogar noch länger nicht. Es gab Krätze. Die Menschen hatten zu wenig zu Essen und zu Trinken."

Es kommen immer mehr Menschen

Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" sind Mitte April in das Internierungslager nach Zuwara gereist, nachdem Flüchtlinge ihnen von den Zuständen vor Ort berichtet hatten. Die Küstenstadt liegt etwa 120 Kilometer westlich der libyschen Hauptstadt Tripolis.

Zwar habe man Einzelnen helfen können, trotzdem verschlechtere sich die Situation vor Ort Tag für Tag, so Kleijer. "Das Problem war: Seit wir dort hingegangen sind, kamen immer mehr Menschen", berichtet sie. "Während wir erfolgreich organisiert haben, dass die IOM (Internationale Organisation für Migration) und andere Flüchtlingsorganisationen Leute dort herausgeholt haben, kamen immer wieder neue Leute. Sie waren vorher bei Schmugglern untergebracht und sonst wo." Mehr als 500 weitere Menschen seien seitdem ins Lager gebracht worden.

Flüchtlinge, die vor der libyschen Küste gerettet wurden, warten in einer Marinebasis nahe Tripolis | Bildquelle: AFP
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Flüchtlinge, die vor der libyschen Küste gerettet wurden, warten in einer Marinebasis nahe Tripolis.

Aus dem Blick der internationalen Gemeinschaft

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" appellierte an die libyschen Behörden, die EU und die internationale Gemeinschaft, den Flüchtlingen und Migranten in Zuwara zu helfen. Viele hätten schon bevor sie in das Lager kamen, massive Gewalt erfahren, seien ausgebeutet worden und hätten Hunger und Durst erlitten, warnte die Projektleiterin. "Die Internierungslager in Tripolis sind schon unzureichend für die Versorgung der Menschen."

Zuwara sei für viele Hilfsorganisationen und für EU-Abgesandte nicht zu erreichen ist, weil die Sicherheitslage es nicht zulasse. So habe niemand das Lager im Blick. "Deswegen ist die Lage dort viel schlimmer als in Tripolis."

Viele Afrikaner stranden in Libyen auf ihrem Weg nach Europa. Die Zustände in den Lagern waren in der Vergangenheit immer wieder von Hilfsorganisationen und Flüchtlingshelfern kritisiert worden. Deutsche Diplomaten sprachen von KZ-ähnlichen Zuständen. Ende vergangenen Jahres versprach der libysche Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch, künftig umfassend mit internationalen Institutionen zusammenzuarbeiten, um das Leiden der Menschen in den Lagern zu beenden.

Ärzte ohne Grenzen beklagen Zustände in libyschen Flüchtlingslagern
Nina Amin, ARD Kairo
04.05.2018 20:47 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 05. Mai 2018 um 05:21 Uhr auf MDR aktuell.

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