Der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris will in Inseln für Flüchtlinge investieren | Bildquelle: AFP

Unterbringung von Flüchtlingen Milliardär kämpft für Insel-Idee

Stand: 28.10.2015 16:01 Uhr

Der ägyptische Milliardär Sawiris hat sich in der Flüchtlingskrise ein besonderes Projekt ausgedacht: Er will Mittelmeer-Inseln kaufen und dort Flüchtlinge ansiedeln. Es gibt zwar kaum Resonanz für seine Idee, aber Sawiris will nicht aufgeben. Von Björn Blaschke.

Von Björn Blaschke, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Einst war er Schüler der deutschen Schule in Kairo - heute ist er ein bekannter Geschäftsmann: Der Ägypter Naguib Sawiris. Er kann wohl zurecht von sich behaupten, dass "ich noch nie etwas angekündigt habe, was ich am Ende nicht auch erreicht habe", wie Sawiris selbstbewusst feststellt. Der Erfolg gibt ihm Recht: Naguib Sawiris ist unter anderem Chef eines weitverzweigten Telekommunikationsimperiums, mehrfacher Milliardär und als solcher einer der reichsten Männer der Welt.

Flüchtlinge in Slowenien | Bildquelle: AFP
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Polizei eskortiert Flüchtlinge zu einem Aufnahmezentrum in Slowenien

Alles, was er anfasst, wird zu Gold. Daher war die Idee, die er vor einigen Wochen äußerte, ernst zu nehmen: Sawiris erklärte, er wolle in Griechenland oder in Italien eine unbewohnte Insel kaufen, auf der er Flüchtlinge unterbringen will. Für Sawiris der optimale Ort: "Ich bringe die Leute auf die Insel, sie nehmen niemandem den Job weg, weil dort ja auch nichts ist."

Weil es dort auch noch keine Krankenhäuser und Schulen gäbe, würden Flüchtlinge niemanden um ihren angestammten Platz bringen. Für das Nötigste will Sawiri dann sorgen: "Wir bauen ein neues Spital, wir bauen eine neue Schule, wir beschaffen Arbeit für diese Leute, in dem sie sich ihr neues Land selbst aufbauen."

Investitionen in Arbeitsplätze geplant

Sawiris selbst betonte mehrfach, dass er umgerechnet rund 89 Millionen Euro als Anschub-Finanzierung aufbringen werde. Spender, so der Geschäftsmann, würden seine Idee unterstützen. Sie sollen nach seiner Vorstellung Teilhaber einer gemeinnützigen Firma werden, die das Flüchtlingsrefugium betreibt. Laut Sawiri soll auch in Hotels investiert werden, um auch auf diesem Wege Arbeitsplätze zu schaffen. "Und wenn das Ganze fertig ist, dann ist diese Insel ist ein neues Ziel für Tourismus."

Ein Reiseziel also. Sozusagen eine Insel des Glücks: Nicht nur Flüchtlinge - auch die arg gebeutelte Wirtschaft Griechenlands könnte von dem Projekt profitieren, meint der Milliardär. "Denn wer würde uns denn helfen beim Aufbau? Griechische Bauunternehmer! Wer würde uns die Sachen liefern, die wir brauchen - wie Stühle, Möbel oder Medizin? Griechenland!"

23 Inseln im Visier des Geschäftsmanns

Sawiris wäre nicht Sawiris, wenn er sich nicht gleich, nachdem ihm vor ein paar Wochen die Idee gekommen war, an ihre Verwirklichung gemacht hätte. In Italien hat er zwar einsame Inseln gefunden, aber die gehören dem italienischen Staat. Sie sind unverkäuflich. In Griechenland hingegen gibt es private Eigentümer von unbewohnten Inseln, die ihren vom Meer umschlossenen Grund und Boden auch verkaufen dürfen.

23 Inseln hat Sawiris bereits gefunden, die er für bezahlbar hält und die verkäuflich seien. "Aber wir können die Flüchtlinge nicht da hinschicken, ohne Einwilligung der griechischen Regierung. Und obwohl ich an den Ministerpräsidenten geschrieben und bei den Botschaftern hier in Kairo nachgefragt habe, haben wir keine Antwort bekommen. Gar keine!“

Sawiris will Vereinbarungen mit Behörden

Die griechische Botschaft in Kairo erklärt auf Nachfrage: Kein Kommentar. Eine erstaunliche Reaktion angesichts der Flüchtlingszahlen in Griechenland und in Europa überhaupt. Ein paar Zehntausend Syrer, die von einem Geschäftsmann auf einer griechischen Insel in Lohn und Brot genommen werden könnten, und die die europäischen Steuerzahler nichts kosten würden, das wäre doch was.

Sawiris jedenfalls will nur eines: "Die griechische Regierung soll mir nur sagen: Okay, Du kannst 20.000 Leute für drei Jahre auf diese Insel bringen". Dann müssten nur noch die Zoll- und die Einwanderungsbehörde informiert werden, "damit sie alle Flüchtlinge empfangen. Und die erhalten dann eine Aufenthaltserlaubnis von drei Jahren. Und wenn ihr Land wieder zur Ruhe gekommen ist, müssen sie wieder zurück." So eine Art Abmachung stellt er sich vor.

Keine Reaktion von Seiten der Politik

Sawiris hält aber nicht an der Idee von einer Insel fest. Genauso könne er auch ein Bauprojekt in Italien übernehmen - eines der Projekte, die halbfertig sind, weil sich ihre Eigner beispielsweise verspekuliert haben. "Im Moment gibt es in Italien zig leerstehende Objekte. Da kann die Regierung auch kommen und sagen: Komm hierher, investiere, und ich mache das fertig. Du hast drei Jahre Zeit, in denen Du die Leute hier beschäftigen kannst".

Ein Boot mit Flüchtlingen an Bord vor der italienischen Insel Lampedusa | Bildquelle: dpa
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Ein Boot mit Flüchtlingen an Bord vor der italienischen Insel Lampedusa

Die italienische Botschaft in Kairo erklärt, dass sie einen Brief von Sawiris erhalten habe. Mehr nicht. Aus diplomatischen Kreisen ist indes zu hören, dass Italien seine Energie darauf konzentriere, die Flüchtlingskrise auf EU-Ebene in Brüssel zu regeln. Sawiris kann diese Verweigerungshaltung nicht verstehen,"weil die Flüchtlinge kommen vor allem nach Griechenland oder Italien. Sie sind also dort! Und jetzt kommt jemand und sagt: Ich nehme Euch das Problem ab."

Bürokratische Hürden

Die Flüchtlinge, da hat Sawiris Recht, sind ohnehin da. Also sollten sie so untergebracht werden, dass es ihnen und denen, die sie aufnehmen, gut damit geht. Sawiris will, dass kreative Ideen in der Flüchtlingskrise ernst genommen werden. Aber auch bei der EU ist er bisher abgeblitzt. "Niemand hat gesagt, wie gut diese Idee ist. Das ist immer so mit Bürokraten. Sie sagen: Schöne Idee, ja, das finde ich gut. Aber keiner macht dann etwas".

Was umso erstaunlicher ist angesichts der Tatsache, dass die Flüchtlingszahlen weiter steigen werden, sobald die Situation beispielsweise in Syrien eskaliert. Das hat sich gerade erst wieder gezeigt, als Russland begann, auf Seiten von Präsident Bashar al-Assad in Syrien zu bombardieren. Für Sawiris hat dies alles verschlimmert: "Im Moment wissen die Menschen, die in Syrien geblieben sind, nicht, wo sie hingehen können. Das heißt, das Problem wird größer."

Trauminsel für Flüchtlinge?
Björn Blschke, ARD Kairo
28.10.2015 10:26 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 28. Oktober 2015 um 05:19 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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