Helfer tragen die Toten der jüngsten Flüchtlingskatastrophe von einem Boot | Bildquelle: AFP

Unglück vor libyscher Küste Noch mehr tote Flüchtlinge befürchtet

Stand: 20.04.2015 11:18 Uhr

Bei der jüngsten Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer könnten mehr Menschen ums Leben gekommen sein als befürchtet. Ein Überlebender berichtet, dass bis zu 950 Menschen an Bord gewesen seien. Bei einem Sondertreffen wollen die Außen- und Innenminister der EU heute über die Flüchtlingspolitik beraten.

Bei der bisher schlimmsten Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer könnten sich einem Überlebenden zufolge etwa 950 Menschen auf dem gekenterten Schiff befunden haben. Rund 300 der Insassen seien von Schmugglern in den Laderaum des Fischerboots gesperrt worden, sagte der Mann aus Bangladesch der italienischen Staatsanwaltschaft.

Staatsanwalt Giovanni Salvi sagte, es gebe noch keine Bestätigung für die Angaben des Mannes, demzufolge auch rund 200 Frauen und Dutzende Kinder unter den Passagieren waren. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte zuvor unter Berufung auf die Aussage von Überlebenden gesagt, dass 700 Menschen an Bord gewesen seien.

Möglicherweise mehr Tote als bisher vermutet
tagesschau 20:00 Uhr, 20.04.2015, Peter Dalheimer, ARD Rom

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EU-Minister beraten über Flüchtlingspolitik

Die Außen- und Innenminister der EU-Staaten wollen heute bei einem Sondertreffen in Luxemburg über die europäische Flüchtlingspolitik beraten. Nach der jüngsten Bootstragödie im Mittelmeer mit Hunderten Vermissten hatte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Sie forderte mehr Schutz für Flüchtlinge, die über das Mittelmeer kommen. "Wir haben zu oft schon gesagt, nie wieder", sagte Mogherini.

EU-Ratspräsident Donald Tusk erwägt unterdessen die Einberufung eines EU-Sondergipfels zur Flüchtlingspolitik. Derzeit stehe er dazu mit verschiedenen Seiten in Gesprächen, erklärte Tusk.

Schulz fordert konkrete Hilfsmaßnahmen

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz forderte eine neue Flüchtlingspolitik in Europa. "Wir können nicht an dem Symptom weiter herumdoktern, sondern müssen erkennen, dass wir ein Einwanderungsgebiet sind und eine legale, geordnete Einwanderungspolitik benötigen", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Schulz äußerte scharfe Kritik vor allem an den Mitgliedsstaaten: "Nichts bewegt sich. Und das liegt nicht an der EU, sondern am Unwillen der Hauptstädte der EU-Mitgliedsstaaten. Nicht aller, aber einiger", sagte er. Schulz forderte zudem konkrete Maßnahmen. So solle mit der Regierung der Nationalen Einheit in Libyen eine Regelung getroffen werden, um "die Menschen davon abzuhalten, sich in ein unkalkulierbares Risiko zu stürzen".

Man benötige einen effektiven Küstenschutz, um die organisierten Schleppernetzwerke zu bekämpfen. Man müsse zudem an die Ursachen der Flüchtlingskatastrophen heran und dies bedeute auch, dass den gescheiterten Staaten in Afrika Mittel zur Verfügung gestellt würden, damit die Menschen nicht das Land verlassen müssten.

Simone Peter, Parteivorsitzende der Grünen, im Gespräch mit Christiane Meier
ARD-Morgenmagazin, 20.04.2015

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UN-Chef Ban: Krise gemeinsam schultern

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Weltgemeinschaft auf, die Flüchtlingskrise gemeinsam zu schultern. Er rief "die internationale Gemeinschaft zu Solidarität und Lastenverteilung angesichts dieser Krise" auf. Das Mittelmeer habe sich zur "weltweit tödlichsten Route" von Flüchtlingen entwickelt, kritisierte Ban. Die Regierungen müssten nun nicht nur die Rettungseinsätze auf hoher See verbessern, sondern auch "das Asylrecht für die wachsende Zahl von Menschen sicherstellen, die in aller Welt vor Krieg fliehen, die Zuflucht und einen sicheren Ort brauchen".

Das Schiff war auf dem Weg nach Malta vor der Küste Libyens gesunken. Laut Küstenwache kenterte das Boot womöglich deshalb, weil Flüchtlinge auf eine Seite geeilt waren, als sie am Samstagabend ein unter portugiesischer Flagge fahrendes Containerschiff herannahen sahen. Die "King Jacob" war losgeschickt worden, um den Migranten zu helfen. Das Wasser des Mittelmeers ist mit 16 bis 17 Grad zwar relativ warm, viele der Migranten konnten jedoch vermutlich nicht schwimmen.

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