Flüchtlinge im griechisch-mazedonischen Grenzgebiet | Bildquelle: REUTERS

Übergang zwischen Griechenland und Mazedonien Flüchtlinge überqueren Grenze

Stand: 22.08.2015 23:16 Uhr

Hunderte Flüchtlinge, die tagelang im griechisch-mazedonischen Grenzgebiet ausharren mussten, sind nach Mazedonien durchgelassen worden. Zuvor hatten sich dramatische Szenen abgespielt, als Sicherheitskräfte versuchten, sie vom Übergang abzuhalten.

Etwas 1500 Flüchtlinge, die tagelang im Niemandsland zwischen Griechenland und Mazedonien ausgeharrt hatten, sind über die Grenze nach Mazedonien gelangt. Die Männer, Frauen und Kinder liefen am Abend ungehindert über die Grenze bei der Stadt Gevgelija, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Mazedonische Polizisten vor Ort schritten demnach nicht mehr ein.

Von Gevgelija führen in schneller Folge Züge in Richtung Serbien ab, auch würden Busse eingesetzt, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. "Die Regierung organisiert zusätzliche Züge. Ich weiß nicht, wer die Busse einsetzt", sagte eine Mitarbeiterin des UN-Flüchtlingshilfswerks.

Ein Sprecher des Innenministeriums in Skopje, Ivo Kotevski, sagte AFP, die Polizei wolle keine Gewalt anwenden, werde aber weiter kontrollieren. "Wir werden weiter verstärkt die Grenze kontrollieren und eine begrenzte Anzahl (von Einwanderern) durchlassen, unseren Kapazitäten entsprechend", sagte Kotevski. In den kommenden Tagen würden keine weiteren Flüchtlinge über die Grenze gelassen, solange die Flüchtlinge nicht vom Bahnhof Gevgelija weiter in Richtung Serbien abgefahren seien. Andernfalls drohe eine "humanitäre Krise", die "direkt von Griechenland verursacht wurde", sagte Kotevski.

Grenzbefestigungen durchbrochen

Zuvor hatte sich die Lage im griechisch-mazedonischen Grenzgebiet erheblich angespannt. Die Flüchtlinge überwanden Stacheldrahtverhaue und stürmten an mazedonischen Polizisten vorbei, die sich ihnen entgegen stellten. Es gab Verletzte.

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Flüchtlinge durchbrechen Grenzabsperrung (22.08.2015)

Flüchtlinge überwinden den Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Mazedonien.

Hunderten Flüchtlingen gelingt es, den Stacheldrahtzaun zu überwinden - obwohl Mazedonien zuvor seine Grenzabsperrungen noch verstärkt hatte. | Bildquelle: dpa

Das Chaos begann, als die Polizei wenigen Familien mit kleinen Kindern erlaubte, die Grenze zu passieren. Doch die Menge drängte nach und widersetzte sich den Beamten. Viele Frauen und kleine Kinder stürzten in dem Gedränge. Die Polizei versuchte mit Blendgranaten, die Menschen vom Grenzübertritt abzuhalten.

Mehrere Familien wurden auseinander gerissen, denn Kinder und Ältere, die nicht so gut zu Fuß waren, waren noch auf der griechischen Seite der Grenze, als die Polizei die Kontrolle wiederherstellte. Es kam zu dramatischen Szenen, Kinder riefen nach ihren Eltern.

Ein Polizeioffizier sagte der Nachrichtenagentur AP, die Ordnungskräfte befolgten Anordnungen der Regierung, keine Flüchtlinge ins Land zu lassen. Mazedonien hatte am Donnerstag den Ausnahmezustand an der Grenze zu Griechenland verhängt und am Freitag unter Einsatz von Gewalt Migranten an der Einreise gehindert.

Schon am Freitag hatten Sondereinheiten Flüchtlinge mit Blendgranaten und Gewalt daran gehindert, die Grenze zu überschreiten. Es gab mindestens zehn Verletzte.

Flüchtlinge sitzen seit Tagen fest

Im Niemandsland zwischen Griechenland und Mazedonien sitzen seit Tagen Tausende Flüchtlinge fest. Sie verbrachten die Nacht auf Samstag bei Regen unter freiem Himmel. Einige konnten sich in kleine Zelte im Niemandsland zwischen dem griechischen Dorf Idomeni und der mazedonischen Stadt Gevgelija zurückziehen. Erschöpfte Flüchtlinge liefen zwischen Müllhaufen umher.

Nach Berichten von Augenzeugen kommen fast stündlich weitere Flüchtlinge mit Bussen und Zügen aus Südgriechenland an dem Grenzübergang an.

Zweiter Stacheldrahtzaun gezogen

Derweil verstärkten die mazedonischen Sicherheitskräfte Medienberichten zufolge die Absperrungen entlang der griechischen Grenze. So wurde eine zweite Stacheldraht-Begrenzung zwischen mazedonischem Territorium und dem Gebiet gezogen, auf dem Tausende Flüchtlinge ausharren, berichtete der mazedonische Sender A1. Zudem hätten medizinische Helfer das provisorische Flüchtlingslager erreicht.

Das EU-Land Bulgarien verschärfte angesichts der Krise im benachbarten Mazedonien die Bewachung seiner Grenzen. Es seien zusätzliche Helikopter und Grenzpolizisten im Einsatz, sagte Regierungschef Boiko Borissow.

Angespannte Lage an der mazedonischen Grenze
U. Lueb, DLF
22.08.2015 19:17 Uhr

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