Flüchtlinge vor dem Lager Moria auf Lesbos | Bildquelle: REUTERS

Lesbos eine Woche nach EU-Türkei-Pakt Eine Insel im Wartezustand

Stand: 26.03.2016 12:14 Uhr

Seit einer Woche ist das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei in Kraft. Auf der griechischen Insel Lesbos warten jetzt die einen auf die versprochenen EU-Beamten, die anderen hoffen auf zurückkehrende Touristen.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen. zzt. Lesbos

"Endlich kommen sie", sagt Stavros Mirogianis, der Leiter des Flüchtlingscamps Kara Tepe auf Lesbos. Fünf Tage hat er und haben viele auf der Insel auf die Nachricht gewartet, dass die ersten Asylexperten und Übersetzer aus anderen EU-Staaten in Griechenland eintreffen. Seit gestern sollen sie da sein, zumindest einige Holländer, heißt es. Genaueres ist vom Krisenstab in Athen offiziell noch nicht zu erfahren.

"Es ist einfach notwendig", sagt Mirogianis, "dass jemand hierher kommt und Lösungen findet für meine Besucher" - so nennt der Manager des Camps die Flüchtlinge. Und die haben es deutlich besser getroffen als die Neuankömmlinge, die seit dem vergangenen Sonntag mit Polizeibussen ins andere, ins jetzt traurig berühmt gewordene Lager Moria gebracht werden.

Flüchtlinge hinter Maschendraht: Polizisten bewachen das Lager Moria auf Lesbos | Bildquelle: AFP
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Flüchtlinge hinter Maschendraht: Polizisten bewachen das Lager Moria auf Lesbos

Nur kurze Zeit sollen die Flüchtlinge in diesem und ähnlichen Lagern auf anderen Inseln sein, bis im Asylschnellverfahren über sie entschieden ist. Das bedeutet: Mangels EU-Experten gibt es also im Moment auch noch keine neuen Rückführungen in die Türkei, aber: Das Bürgerschutzministerium meldet 673 Flüchtlinge, die seit Jahresbeginn aufgrund anderer Abkommen mit der Türkei bereits zurückgebracht wurden.

UNHCR lehnt Lager und Rückführung ab

Das UN-Flüchtlingshilfswerk nennt die sogenannten Rückführungen inhuman - auch die Kasernierung in speziellen Lagern sei inakzeptabel. Das UNHCR hat die Arbeit auf allen Inseln deshalb stark umorganisiert. Lucy Carrigan vom Flüchtlingskomitee sagt: Richtig so. Es sei gut, dass fast alle unabhängigen Hilfsorganisationen den Türkei-Deal ablehnen: "Die Vorstellung, dass die Leute von Griechenland in die Türkei zurückgeschickt werden, ist absolut unethisch - und es wird mit Sicherheit bedeuten, dass noch mehr verzweifelte Menschen noch verzweifeltere Wege nach Europa versuchen werden."

Werden die Touristen wiederkommen?

In der griechischen Bevölkerung sind nicht alle dieser Meinung: Umherirrende Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr auch in großen Gruppen zu Fuß auf manchen Inseln unterwegs waren, seien nicht gut fürs Geschäft, sagt Dimitri, einer der Tavernenwirt im Norden von Lesbos. Vor seinem Lokal haben Beamte mit Mundschutz letzten Sommer Flüchtlinge registriert. "Kein schöner Anblick für meine Gäste", sagt Dimitri.

Damit sei aber durch den Türkei-Deal Schluss: "Jetzt läuft das viel besser. Keine Flüchtlinge sind mehr hier im Ort. Sie werden direkt am Meer aufgefischt und mit dem Bus in die Camps gefahren. Und dann geht's mit den Fähren nach Piräus oder anderswohin. Wir hoffen, dass das alle hören und verstehen und dann wieder mehr Urlauber auf unsere Insel kommen."

Flüchtlinge werden vor Lesbos von einem Schlauchboot geholt. | Bildquelle: dpa
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Flüchtlinge werden vor Lesbos von einem Schlauchboot geholt.

Küstenwache und Helfer weiter in Bereitschaft

Ganz in der Nähe, bei der Hafenpolizei, ist man sicher, dass es für die Patrouillenbesatzung so schnell nicht besser wird. Zwei Frontexboote unter griechischer Flagge sind vertäut - gegenüber liegen die Hilfsboote von Ärzte ohne Grenzen und Greenpeace. Es gebe griechisch-türkische Abstimmungsschwierigkeiten, wird gemunkelt. Was das bedeutet, kann an Land niemand wirklich sagen.

Der EU-Türkeipakt - Auswirkungen in der ersten Woche
M. Lehmann, ARD Istanbul, zzt. Lesbos
26.03.2016 07:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. März 2016 um 06:18 Uhr.

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