Flüchtlinge am Grenzzaun | Bildquelle: REUTERS

Flüchtlingscamp an der griechisch-mazedonischen Grenze Der harte Alltag in Idomeni

Stand: 24.02.2016 09:59 Uhr

Der Grenzübergang Idomeni ist derzeit das Nadelöhr auf der Balkanroute. In dem Camp an der griechisch-mazedonischen Grenze warten Tausende auf ihre Weiterreise - in überfüllten Zelten. Für Afghanen ist die Grenze dicht.

Von Wolfgang Landmesser, ARD-Studio Istanbul, zzt. Idomeni

Seit sieben Stunden sind die beiden Familien aus Syrien mit fünf kleinen Kindern und einem alten Mann zu Fuß unterwegs. Mit Bussen waren sie vom Hafen in Piräus zur mazedonischen Grenze im Norden gefahren. Aber weil das Camp am Grenzübergang schon überfüllt war, mussten sie auf einer Raststätte an der Schnellstraße warten, wo auch Zelte des UN-Flüchtlingshilfswerks stehen.

Hier wurde es ihnen zu lang, erzählt Judy aus Aleppo. "Wir waren dort zwei Tage. Die Zelte waren überfüllt mit vielen Familien. Den Kindern war kalt. Das ging nicht so weiter. Also entschieden wir uns aufzubrechen."

Die Zelte waren überfüllt mit vielen Familien. | Bildquelle: Wolfgang Landmesser/SWR
galerie

Das Camp in Idomeni ist derzeit so voll, dass etliche Flüchtlinge im Freien übernachten müssen.

Zwei Menschen müssen sich ein Bett teilen

So wie Judy und ihre Familie haben rund 1500 Menschen die mazedonische Grenze per Fußmarsch entlang der Straße erreicht. Doch auch in diesem Camp ist die Lage angespannt. Die großen Zelte mit UNHCR-Logo sind voll gestellt mit orangenen Doppelstockbetten. Alles sei sehr eng, sagt eine junge Syrerin, die mit ihrem Mann und einer Gruppe von 30 Leuten unterwegs ist.

"Zwei Leute müssen sich ein Bett teilen, wir können nicht schlafen", erzählt sie. "Wir müssen bis zum Tag warten, um schlafen zu können." In der Nacht ist es so kalt, dass sie einen Schnupfen bekommen hat. Über 3000 Menschen sind derzeit im Camp von Idomeni, so viele, dass etliche Flüchtlinge in den vergangenen Nächten im Freien übernachten mussten.

Griechische Polizisten führen Flüchtlinge, die eine Eisenbahntrasse nach Mazedonien besetzt hielten, in Bussen ab. | Bildquelle: dpa
galerie

In Bussen wurden gestern afghanische Flüchtlinge abtransportiert.

"Anerkennungsquote für Afghanen liegt bei 70 Prozent"

An der griechisch-mazedonischen Grenze hat sich derweil die Lage vorübergehend entspannt. Hunderte afghanische Flüchtlinge, die hier seit Tagen festsaßen, wurden in Bussen zurück nach Athen gebracht. Dass die Afghanen allein wegen ihrer Nationalität an der Weiterreise gehindert werden, kann Stella Nanou überhaupt nicht nachvollziehen. Schließlich habe ein Großteil der Flüchtlinge aus Afghanistan allen Grund aus ihrem Heimatland zu fliehen, so die Sprecherin des UNHCR in Griechenland.

"Die durchschnittliche Anerkennungsquote für afghanische Flüchtlinge in Europa beträgt 70 Prozent. Das ist sehr viel", sagt Nanou. "Das bedeutet, dass viele Afghanen ein Flüchtlingsprofil haben. Das muss anerkannt werden", fordert sie.

Angespannte Lage in Idomeni
W. Landmesser, ARD Istanbul, zzt. Idomeni
24.02.2016 14:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Griechisches Asylsystem vor dem Kollaps

Wie es mit den Afghanen in Athen weitergehen wird, ist unklar. Theoretisch könnten sie Asyl in Griechenland beantragen. Dafür müsste die griechische Regierung die Kapazitäten des Asylsystems allerdings deutlich ausbauen, fordert das UN-Flüchtlingshilfswerk. Wenn wie zuletzt weiterhin täglich Tausende Flüchtlinge auf den griechischen Inseln ankommen, wird Griechenland allerdings in kürzester Zeit überfordert sein. Denn immerhin knapp 30 Prozent der Flüchtlinge stammen aus Afghanistan.

Im Camp von Idomeni warten jetzt vor allem noch Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, die Mazedonien prinzipiell noch passieren lässt. Der Grenzübergang war gestern Nachmittag wieder offen. Aber es geht nur langsam voran, weil die mazedonischen Grenzbeamten die Identität der Flüchtlinge - anders als früher - genau prüfen.

1/15

Menschen auf der Flucht - Flüchtlingskrise in Griechenland (23.02.2016)

Flüchtlinge in Griechenland

Ein Mann mit seinem Kind an der Grenze Griechenlands zu Mazedonien. Mazedonien sichert die Grenze mit einem Stacheldrahtzaun. | Bildquelle: AFP

Dieser Beitrag lief am 24. Februar 2016 um 06:11 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

Darstellung: