Sinkendes Boot an der türkischen Küste | Bildquelle: AFP

Boot im Mittelmeer gekentert Mehr als 30 Flüchtlinge vor türkischer Küste ertrunken

Stand: 30.01.2016 13:26 Uhr

Ihr Ziel war die griechische Insel Lesbos, vor der türkischen Ägäisküste ist ihr Boot gekentert: Mehr als 30 Flüchtlinge sind bei einem erneuten schweren Bootsunglück ums Leben gekommen. 75 Männer, Frauen und Kinder konnte die türkische Küstenwache retten.

Vor der türkischen Ägäisküste sind nach Angaben der Küstenwache mindestens 33 Flüchtlinge ertrunken. Die Menschen starben, als ihr Boot bei der gefährlichen Überfahrt zur griechischen Insel Lesbos kenterte. Unter den Toten seien auch fünf Kinder. 75 Menschen seien gerettet worden. Bei den Überlebenden handele es sich um Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Myanmar.

Die private Nachrichtenagentur Dogan meldete, die Polizei habe einen türkischen Mann unter dem Verdacht festgenommen, die desaströs verlaufene Überfahrt organisiert zu haben.

Der Seeweg von der Türkei zu den nur wenig entfernten griechischen Inseln ist seit dem vorigen Jahr die Hauptroute von Flüchtlingen auf dem Weg nach Europa. Mehr als 850.000 Menschen kamen 2015 auf diesem Weg, mehr als 52.000 waren es nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) seit Anfang Januar. Seit Jahresbeginn kamen dabei mehr als 200 Menschen ums Leben.

Türkische Sicherheitskräfte bergen an der Ägäisküste tote Flüchtlinge | Bildquelle: AFP
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Viele der Opfer konnten türkische Sicherheitskräfte nur noch tot bergen.

Verhandlungen mit der EU

In der Türkei befinden sich Schätzungen zufolge allein 2,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Die Regierung hatte im November der Europäischen Union zugesagt, gegen Schmuggler-Netzwerke vorzugehen, die Boote für die gefährliche Überfahrt organisieren. Die EU hat als Gegenleistung drei Milliarden Euro versprochen, mit denen die Lage der Flüchtlinge in der Türkei verbessert werden soll.

Nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" soll die Regierung in Anakara ihre Forderung mittlerweile auf fünf Milliarden Euro erhöht haben. Die Zeitung beruft sich dabei auf einen EU-Diplomaten. Dem Bericht zufolge werden die Verhandlungen auch dadurch belastet, dass Ankara bei der Auszahlung der Milliardenhilfen stärker mitbestimmen will. "Die Regierung der Türkei tut sich sehr schwer damit zu akzeptieren, dass die Milliardenhilfen für Flüchtlinge nur schrittweise und nach strenger Prüfung durch die EU ausgezahlt werden sollen", hieß es demnach aus Diplomatenkreisen. Nach dem Willen der EU soll das Geld in konkrete Projekte fließen, um sicherzustellen, dass es zur Versorgung von Flüchtlingen eingesetzt wird.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Januar 2016 um 16:15 Uhr.

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