Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze  | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge auf dem Balkan An der Grenze gestrandet

Stand: 21.11.2015 03:54 Uhr

Nur noch Syrer, Iraker und Afghanen dürfen durch. Mehrere Balkan-Staaten lassen nur noch Flüchtlinge aus diesen drei Ländern einreisen. Hilfsorganisationen üben Kritik. Tausende Flüchtlinge sitzen an den Grenzübergängen fest. Ralf Borchard hat mit einigen gesprochen.

Von Ralf Borchard, ARD-Hörfunkstudio Wien

"Ich habe ein Problem mit der Grenzpolizei, nur weil ich aus Marokko bin", sagt dieser Flüchtling bei Tabanovce an der mazedonisch-serbischen Grenze. "Ich habe das gleiche Problem, ich bin aus Bangladesch", sagt dieser 27-Jährige: "Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll, ich will nicht zurück." Ein anderer sagt: "Ich bin aus dem Iran, sie haben auch mich gestoppt, ich sitze seit zwei Tagen in Mazedonien fest." Weiter sagt er: „Wie es weitergeht? Ich weiß es nicht."

Flüchtlinge sitzen fest

Es sind immer mehr Menschen, die an den Grenzen entlang der Balkanroute festsitzen. Nur noch Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan können die Grenzen passieren, Menschen aus anderen Ländern werden zurückgewiesen - heißt es in Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien. Begründung: Nur Flüchtlinge aus Kriegs- und Konfliktgebieten hätten in Deutschland und anderen EU-Ländern Chancen auf Asyl, alle anderen seien "Wirtschaftsmigranten" - und damit ohne Aufnahmechance, heißt es aus den Hauptstädten der Balkanländer.

Hilfsorganisationen üben heftige Kritik. Laut UN-Flüchtlingshilfswerk verschärfen sich so die Spannungen an den Grenzen. "Wir fürchten, dass Menschen genau zum Wintereinbruch ohne Unterkunft, Nahrung und Hilfe auf dem Balkan stranden", sagte ein Sprecher von Ärzte ohne Grenzen in Serbien. Er fügte hinzu, es sei inakzeptabel, dass Asylsuchende nach Nationalität sortiert würden. Das Recht auf universellen Zugang zu Asylverfahren müsse gewährleistet bleiben.

Hilfe für Kriegsflüchtlinge

Unklar ist, wer für die neue Kontrollpraxis an den Grenzen verantwortlich ist. Mazedonien, Serbien und Kroatien sagen, das EU-Land Slowenien, das am Ende der Balkanroute liegt, habe als erstes so entschieden. Sie, die anderen Länder, hätten nur nachgezogen. Der kroatische Innenminister Ranko Ostojic deutete an, die EU-Kommission in Brüssel habe auf dieses Verhalten gedrängt: "Das ist so in Junckers Plan vorgesehen, dass sich der humanitäre Aspekt, also jegliche Hilfe auf diejenigen bezieht, die vom Krieg betroffen sind", so Ostojic in Zagreb.

Eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel wies dies auf ARD-Anfrage entschieden zurück. Einen solchen "Juncker-Plan" gebe es nicht. Es sei nirgendwo festgeschrieben, die Ankommenden künftig nach Nationalität zu sortieren und bestimmte Gruppen pauschal abzuweisen, so die Sprecherin der EU-Kommission.

Vergebliches Warten

Die serbische Regierung gibt die Zahl der im Land gestrandeten Flüchtlinge mit 1.500 an. Das mazedonische Innenministerium spricht von derzeit rund 2.000 Menschen, die auf der griechischen Seite der Grenze vergeblich darauf warten, weiterzukommen.

Aus Protest haben mehrere hundert Migranten die Eisenbahnstrecke an der griechisch-mazedonischen Grenze blockiert

Kritik an den neuen Grenzkontrollen am Balkan
R. Borchard, ARD Wien
21.11.2015 03:40 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 20. November 2015 um 23:23 Uhr im Deutschlandfunk.

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