Viktor Orban | Bildquelle: REUTERS

Grenze zu Kroatien Ungarn zäunt sich weiter ein

Stand: 18.09.2015 13:47 Uhr

Die Grenze zu Serbien ist durch Soldaten und Stacheldraht gesichert - nun schottet sich Ungarn auch an der Grenze zu Kroatien ab. Die Arbeiten für eine 41 Kilometer lange Sperre haben bereits begonnen. Kroatien wiederum will die Flüchtlinge ohne Registrierung weiterziehen lassen.

Ungarn hat auch an seiner Grenze zu Kroatien mit der Errichtung eines Stacheldrahtzauns begonnen. 600 Soldaten hätten in der Nacht mit dem Bau der Absperrung begonnen, 500 weitere würden im Laufe des Tages hinzukommen, sagte Ministerpräsident Viktor Orban in einem Rundfunkinterview. Zudem seien 200 Polizisten an die kroatische Grenze geschickt worden. Der betroffene Grenzabschnitt ist 41 Kilometer lang. Insgesamt haben Ungarn und Kroatien eine rund 330 Kilometer lange gemeinsame Grenze.

Große Zahl der Flüchtlinge überfordert EU-Staaten
tagesschau 15:00 Uhr, 18.09.2015, Alexander Brutscher, ARD Wien

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"Es wird keinen Sandhügel oder Maulwurfshügel zum Verstecken geben, wir werden unsere Grenzen verteidigen", sagte Orban, der in Europa eine besonders unnachgiebige Haltung gegenüber Flüchtlingen einnimmt. Er beklagte mangelnde Unterstützung durch die anderen EU-Staaten in der Flüchtlingskrise. "Es scheint, dass wir uns auf niemanden verlassen können."

Die Regierung in Budapest ließ bereits die Grenze zu Serbien abriegeln, um die Einreise von Flüchtlingen zu verhindern, die aus Griechenland kommend nach Mittel- und Nordeuropa gelangen wollen. Auch die Grenze zu Rumänien will Budapest teilweise mit einem Zaun abriegeln.

Fluchtwege nach Europa
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Da der Weg über Ungarn seit dem 15. September gesperrt ist, müssen die Flüchtlinge auf der sogenannten Balkanroute über Kroatien ausweichen. Die meisten wollen von dort aus über Slowenien nach Österreich, Deutschland oder in skandinavische Länder.

Weg über Kroatien abgeschnitten

Tausende Flüchtlinge waren nach der Schließung der Grenze zu Ungarn auf das benachbarte Kroatien ausgewichen, um von dort über Slowenien oder Ungarn weiter Richtung Norden zu reisen. Kroatien zeigte sich zunächst offen für die Flüchtlinge, doch auch dieses Land ist zu einer Sackgasse für Flüchtlinge auf der sogenannten Balkanroute geworden: Aufgrund des großen Andrangs veranlasste die Regierung in der Nacht, sieben seiner acht Grenzübergänge zu Serbien zu schließen. Lediglich ein Übergang auf der Schnellstraße von Belgrad nach Zagreb ist vorerst nicht betroffen.

"Wir haben seit Mittwoch 13.000 Einwanderer auf unserem Territorium registriert. Die Zahl zeigt, dass unsere Aufnahmekapazitäten erschöpft sind", sagte Innenminister Ranko Ostojic. Ministerpräsident Zoran Milanovic sagte, die Menschen würden nicht mehr wie nach EU-Recht vorgesehen registriert. Sie würden zu den Grenzen gebracht, vorrangig zur ungarischen. "Ab heute verfolgen wir eine neue Methode, wir gehen jetzt zu Plan B über", sagte er. Wie die Menschen allerdings die Grenze zu Ungarn passieren sollen, ließ er offen.

Slowenien stoppt Zugverkehr

Auch Slowenien ergriff Maßnahmen, um die Einreise von Flüchtlingen über die Grenze zu Kroatien zu unterbinden. Die Polizei stoppte im Grenzbahnhof Dobova einen Zug, in dem auch 150 Asylsuchende ohne gültige Einreisepapiere saßen. Die Flüchtlinge sollen nun zurück in die kroatische Hauptstadt Zagreb gebracht werden. Kurz darauf wurde der gesamte Bahnverkehr zwischen beiden Ländern unterbrochen. Die Polizei verschärfte zudem ihre Grenzkontrollen mit verstärkter Überwachung durch Hubschrauber und Patrouillen.

Sloweniens Innenministerin Vesna Gjerkes Znidar hatte am Mittwoch betont, dass eine unkontrollierte Weiterleitung von Flüchtlingen gegen EU-Recht verstoße.

Flüchtlinge in einem an der slowenischen Grenze gestoppten Zug | Bildquelle: AFP
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Flüchtlinge in einem an der slowenischen Grenze gestoppten Zug

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