Ausschreitungen zwischen Flüchtlingen und der Polizei auf der griechischen Insel Kos. | Bildquelle: AP

Zusammenstöße auf Kos "Wir wollen nur von der Insel runter"

Stand: 11.08.2015 21:31 Uhr

Sie haben Tausende Kilometer hinter sich und stranden im Chaos: Die Behörden auf der griechischen Insel Kos sind mit den Flüchtlingen vollends überfordert. Sie werden sich selbst überlassen, die Registrierung läuft schleppend. Nun kam es zu ersten Zusammenstößen.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Die Nerven liegen blank, auch bei den Flüchtlingen: Tumulte am Dienstag im Stadion von Kos. Mehr als 7000 Flüchtlinge sollen bereits auf der Insel sein. Meistens kommen sie über die Türkei aus Syrien. Der Bürgermeister von Kos, Giorgos Kyritsis, hat schon einen Brandbrief nach Athen geschrieben: "Ich warne, die Gefahr eines Blutvergießens ist real", schreibt er in dem Papier, das in der griechischen Presse veröffentlicht wurde.

Zusammenstöße auf Kos | Bildquelle: REUTERS
galerie

"Ich warne, die Gefahr eines Blutvergießens ist real" - der Bürgermeister von Kos warnt in einem Brief an die Regierung eindringlich vor einer weiteren Eskalation.

Mittels Schleuser kommen die Flüchtlinge aus der Türkei auf die nur wenige Kilometer entfernte griechische Ägäisinsel. Mohammad Sharif Award ist einer von ihnen: "Ich kann nicht sehen, dass wir hier in Europa sind. Wir sind in einem Dritte-Welt-Land."

Es gebe keine Toiletten und kein frisches Wasser. "Die Menschen warten seit mehr als zehn Tagen hier. Wenn das Europa ist, dann gehen wir lieber zurück nach Syrien, nach Mali oder in den Jemen." Auf der Insel sehen er und die anderen Flüchtlinge keine Persepektive. Sie wollen aufs Festland, von dort weiter nach Mittel- oder Nordeuropa.

Zusammenstöße mit der Polizei

Griechischen Medienberichten zufolge herrscht auf Kos großes Chaos: Flüchtlinge haben am Morgen die Küstenpromenade des Hauptortes der Insel blockiert. Lautstark forderten sie Papiere, um die Insel verlassen zu können. Im kleinen Sportstadion der Insel kam es zu Schlägereien zwischen Migrantengruppen. Die Polizei musste eingreifen und wurde ihrerseits attackiert.

"Kein Bad, kein Hotel, kein Platz zum Schlafen"

Er fühle sich richtig Elend, bekennt der Syrer Salam al-Badr: "Wir wollen doch nur von der Insel runter, weil es uns hier schlecht geht. Kein Bad, kein Hotel, kein Platz zum Schlafen." Alles sei teurer als üblich. "Wir wollen nur weg von der Insel".

Behörden auf Kos zunehmend überfordert
tagesschau 20:00 Uhr, 11.08.2015, Jörg Hertle, ARD Rom, zzt. Athen

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Keiner hilft uns"

Knapp zwei Millionen Flüchtlinge hat die Türkei aufgenommen. Viele finden dort kein Auskommen. Schleuser helfen ihnen gegen Unsummen, nach Griechenland zu kommen. "Es tut mir so leid, dass so viele Leute hierher gekommen sind", klagt Hrant Khajo. Die griechische Regierung könne das nicht beherrschen. "Vielleicht wissen sie, dass viele von uns kommen, deshalb unternehmen sie nichts. Die UN muss nach uns schauen. Keiner hilft uns."

Mehr als 50.000 Flüchtlinge im Juli

Kos ist nur das jüngste Beispiel einer gewaltigen Flüchtlingswelle in der Ägäis. Auf vielen anderen griechischen Inseln sieht es ähnlich aus. Allein im Juli sind 50.000 Flüchtlinge nach Griechenland gekommen, das längst total überfordert ist.

Jörg Hertle, ARD Rom, zzt. Athen, zur Eskalation auf Kos
tagesschau24 16:30 Uhr, 11.08.2015

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Extrem angespannte Situation auf Kos
R. Baumgarten, ARD Istanbul
11.08.2015 20:53 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: