Polizei in Mazedonien geht gegen Flüchtlinge vor. | Bildquelle: dpa

Blendgranaten und Tränengas gegen Flüchtlinge Dramatische Szenen an mazedonischer Grenze

Stand: 22.08.2015 02:50 Uhr

Die Lage an der mazedonisch-griechischen Grenze eskaliert. Durch Blendgranaten der Polizei wurden bislang mindestens zehn Flüchtlinge verletzt. Mazedonien lässt nur noch vereinzelt Flüchtlinge ins Land. Die UN äußerten sich besorgt über das Vorgehen der Regierung.

Mazedonien hat seine Grenze zu Griechenland praktisch dicht gemacht und lässt nur noch vereinzelt Flüchtlinge ins Land. Eine "begrenzte Zahl" Einwanderer aus "verletzlichen Kategorien" würden hereingelassen und versorgt - soweit dies die Kapazitäten des Landes zuließen, teilte das Innenministerium mit. Kurz nach der Erklärung durften einige hundert Menschen, meist Familien und Schwangere, die Grenze passieren. In den vergangenen 24 Stunden seien 181 Einwanderern Reisepapiere ausgehändigt worden, teilte das Innenministerium weiter mit.

Mazedonien schließt Grenzübergang nach Griechenland
tagesschau 20:00 Uhr, 21.08.2015, Till Rüger, ARD Wien

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Mehr als 3000 überwiegend syrische Flüchtlinge stecken teils seit Tagen im Niemandsland fest. Bislang hatte die Regierung in Skopje täglich im Schnitt 1300 Flüchtlinge ins Land gelassen und mit Papieren für die Zugfahrt nach Serbien ausgestattet, von wo es weiter Richtung EU gehen soll.

Zehn verletzt, vier im Krankenhaus

Am Donnerstag hatte die Regierung dann den Ausnahmezustand verhängt und Bereitschaftspolizisten an die Südgrenze geschickt. Sie feuerten Blendgranaten ab, als Hunderte Flüchtlinge, darunter Frauen und Kinder, über die gerade mit Stacheldraht befestigte Grenze klettern wollten. Die Konfrontation dauerte nur wenige Minuten und wurde beruhigt, indem Frauen und Kinder nach vorne geschickt wurden.

flüchtlinge an mazedonisch-griechischer Grenze | Bildquelle: REUTERS
galerie

Diese Frau ist an der Grenze neben ihrem verzweifelten Kind zusammengebrochen. Ein UN-Mitarbeiter hilft ihr.

Ein Sprecher des mazedonischen Innenministeriums bestritt, dass es überhaupt zu dem Vorfall gekommen sei. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen teilte mit, ihr Team habe zehn Flüchtlinge behandelt, "die durch Blendgranaten der mazedonischen Einheiten verletzt wurden". Vier Flüchtlinge hätten ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Mindestens 1000 Menschen drückten sich gegen die Absperrungen der Polizei, sagten Augenzeugen der Nachrichtenagentur Reuters. Es waren Schreie zu hören, zehn Menschen wurden im Gedränge ohnmächtig.

Das Vorgehen der mazedonischen Polizei mit Blendgranaten und Tränengas gegen Flüchtlinge löste bei den UN Besorgnis aus. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, rief die Regierung Mazedoniens auf, an der Grenze zu Griechenland für einen ordentlichen und sicheren Umgang mit Flüchtlingen zu sorgen. Die UN seien bereit, den Staat bei der Schaffung ausreichender Kapazitäten zur Betreuung der aus Griechenland kommenden Flüchtlinge zu unterstützen. Zugleich appellierte Guterres an Griechenland, die Registrierung der dort ankommenden Flüchtlinge zu beschleunigen und die Einrichtungen für deren zeitweilige Unterbringung zu verbessern.

Bulgarien erwägt auch, Flüchtlinge zu stoppen

Nach der Schließung der mazedonischen Südgrenze erwägt nun Bulgarien, den Schutz seiner südwestlichen Grenze durch die Entsendung von Soldaten zu verstärken, um aus Griechenland kommende Flüchtlinge zu stoppen. "Die Streitkräfte würden gemeinsam mit der Grenzpolizei die Grenzkontrollen verstärken", teilte das Verteidigungsministerium in Sofia mit. Noch sei kein "ernsthafter Anstieg" der Flüchtlingszahlen verzeichnet worden, erklärte Innenministerin Rumjana Baschwarowa. Gleichwohl sei gemeinsam mit Ministerpräsident Boiko Borissow über zusätzliche Vorkehrungen beraten worden.

In Sofia wird befürchtet, die Flüchtlinge würden nach der Abriegelung der mazedonischen Grenze nun versuchen, weiter östlich über die bulgarische Grenze zu gelangen. Die meisten Flüchtlinge kamen bislang über die Türkei nach Bulgarien. Dort wird derzeit ein 30 Kilometer langer Grenzzaun ausgebaut, tausend zusätzliche Polizisten sichern die Grenze ab.

1/15

Gestrandet im Niemandsland zwischen Griechenland und Mazedonien

flüchtlinge an mazedonisch-griechischer Grenze

Mit Stacheldraht will die Polizei verhindern, dass Flüchtlinge von Griechenland über die Grenze nach Mazedonien kommen. | Bildquelle: AFP

Darstellung: