Finnisches Atomkraftwerk Olkiluoto | Bildquelle: AFP

Baugenehmigung in Finnland Endlager am Meer

Stand: 18.12.2015 08:57 Uhr

442 Atomkraftwerke gibt es weltweit, doch kein einziges Endlager für hochradioaktiven Müll. Finnland will das Problem jetzt angehen. An der Westküste des Landes soll der Atommüll eingelagert werden. Kritiker glauben, dass das Lager nicht allen Gefahren standhält.

Von Björn Dake, ARD-Studio Stockholm

Onkalo ist finnisch und bedeutet: Höhle oder Versteck. Versteckt werden soll hochradioaktiver Atommüll - in 450 Meter Tiefe im Fels. Das Endlager Onkalo liegt auf der Insel Olkiluoto an der Westküste Finnlands.

Nach den Worten des finnischen Wirtschaftsministers Olli Rehn ist es das erste der Welt. Finnland, lobt der Minister anlässlich der Erteilung der Baugenehmigung, sei bei der Behandlung von Atommüll "weltweit ein Vorreiter". Das verpflichte sein Land dazu, "diese Dinge auch in Zukunft verantwortungsvoll und sicher zu behandeln".

Bis vor 20 Jahren wurde der finnische Atommüll noch nach Russland geschickt. Heute ist das verboten.

Atomkraft - in Finnland eine Zukunftstechnik

Während Deutschland aus der Atomkraft aussteigt, steigen die Finnen weiter ein. Zwei Meiler gibt es im Land. Einen in Loviisa an der Südküste und einen in Olkiluoto im Westen. Er wird gerade erweitert. Der französische Konzern Areva baut einen neuen Druckwasserreaktor.

In der Nachbarschaft soll das neue Endlager entstehen. Die ersten Brennstäbe sollen frühestens in fünf Jahren eingelagert werden. Der Standort am Meer ist praktisch. Der Atommüll aus Loviisa könnte per Schiff geliefert werden.

Aufquellende Versiegelung

Die verbrauchten Brennelemente sollen in kupferummantelte Container gesteckt werden. Die kommen in Tunnel in die Erde. Das Ganze soll dann mit Bentonit versiegelt werden - einer Vulkanasche, die zusammen mit Wasser aufquillt.

Hunderttausend Jahre soll der strahlende Müll so aufbewahrt werden. Dann sei er ungefährlich, sagt der Chef der Betreiberfirma Posiva, Janne Mokka. Zwar sei geplant, dass der Müll dauerhaft in dem Lager bleibe. Wenn aber eines Tages ein Weg entwickelt werde, den Atommüll irgendwie zu nutzen, dann könne man ihn wieder herausholen.

An die Eiszeit gedacht?

Damit geht Mokka auch auf die Bedenken gegen das Endlager ein. Fachleute warnen: Bei einer neuen Eiszeit könne sich der Permafrost bis in 800 Meter Tiefe ausbreiten. Was ist, wenn der Meeresspiegel der Ostsee deutlich steigt? Was passiert, wenn die Kupferhüllen doch schneller rosten als berechnet?

Makkas Antwort darauf: Man beginne mit der Endlagerung, bohre aber weitere Tunnel. Dann werde sich zeigen, wie sicher das Lager sei. "Es gibt für jeden Tunnel, Kriterien, wie viel Wasser dort zum Beispiel sein darf. Dann steht auch fest, wie viel Atommüll dort reinpasst."

Kaum Proteste in der Region

Die Kosten für das Endlager schätzt der Betreiber auf dreieinhalb Milliarden Euro. Das Projekt lief erstaunlich ruhig an. Proteste von Anwohnern gab es kaum. Die bestehende Atomanlage ist der größte Arbeitgeber der Region.

Als der Gemeinderat vor Jahren über das Endlager abstimmte, war das Ergebnis 20 zu sieben für das Lager. Die meisten Wissenschaftler sind in ihren Gutachten optimistisch, so wie der finnische Wirtschaftsminister Rehn. Er hofft, dass das Endlager zu einem Exportschlager wird. Schließlich biete "das finnische Know-how" die Möglichkeit, auch in anderen Ländern die Endlagerung zu entwickeln.

Schweden könnte interessiert sein. In der Nähe der Atomanlagen Forsmark an der Ostseeküste ist ein ähnliches Projekt wie in Finnland geplant. Eine endgültige Entscheidung soll im nächsten Jahr fallen.

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