Francois Fillon, konservativer Präsdidentschaftskandidat | Bildquelle: AFP

Verfahren wegen Veruntreuung Fillon gibt sich locker - noch

Stand: 14.03.2017 18:00 Uhr

Der konservative Präsidentschaftskandidaten Fillon scherzt, trotz des nun eingeleiteten Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der Veruntreuung. Doch seine Glaubwürdigkeit als harter Sanierer schwindet.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Offenbar war ihm tatsächlich noch zum Lachen zumute: Als François Fillon am Nachmittag einigen Jägern einen Wahlkampfbesuch abstattete, begrüßte er sie mit einem kleinen Scherz auf den Lippen: "In diesem Präsidentschaftswahlkampf, in dem die Kugeln gefährlich tief fliegen, kann ich ihnen schmunzelnd anvertrauen, dass ich froh bin, hier an der Seite echter Jäger zu sein."

Was zu diesem Zeitpunkt weder die Jäger noch sonst irgendjemand wussten: Es war für Fillon nicht der erste Termin des Tages, der mit Jagd - oder besser Verfolgung - zu tun hatte. Wie sein Anwalt Antonin Lévy später bestätigte, war sein Mandant am Vormittag von Untersuchungsrichtern vernommen worden. Die Anhörung war ursprünglich erst für morgen geplant.

Veruntreuung und Unterschlagung

Und diese Anhörung brachte noch weitere Unannehmlichkeiten mit sich. Denn eben jene Untersuchungsrichter teilten Fillon mit, dass sie ein offizielles Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet haben, mit schweren Vorwürfen: Veruntreuung öffentlicher Mittel, Unterschlagung von Firmenvermögen, Verstöße gegen die Offenlegungspflichten von Politikern.

Das sogenannte Penelopegate, die seit Wochen schwelende Affäre um Scheinbeschäftigung seiner Frau und zwei seiner Kinder, finanzielle Verstrickungen in Geschäfte mit einem befreundeten Unternehmer: All das scheint sich bei den Richtern nun zu einem begründeten Verdacht verdichtet zu haben.

Fillon selbst hatte noch gar nicht reagiert, da sprangen ihm treue Anhänger wie der republikanische Abgeordnete Daniel Fasquelle bereits zur Seite: "Ich habe Vertrauen in die Justiz meines Landes. Ich habe auch Vertrauen zu François Fillon. Dieses Ermittlungsverfahren war ja zu erwarten. François Fillon hat wie jeder andere das Recht auf die Unschuldsvermutung."

Das Problem für Fillon ist allerdings weniger eines der Unschuldsvermutung als vielmehr eines der Glaubwürdigkeit. Denn zum einen hatte er vor einigen Wochen noch vollmundig erklärt: "Es gibt nur eine Sache, die mich von meiner Kandidatur abhalten kann: Wenn es ein Ermittlungsverfahren gegen mich gibt." Eine Ansage, die er kürzlich zum Schrecken selbst vieler Parteigenossen einfach zurückgenommen hat.

Fillons Wirtschaftsprogramm wird unglaubwürdig

Zum anderen wird es für den selbsterklärten harten Sanierer immer schwieriger, vor den Wählern glaubwürdig sein Wirtschaftsprogramm zu vertreten, zum Beispiel mit einer 39- statt einer 35-Stunden-Woche ohne echten Ausgleich.

Eine Krankenschwester sagte dazu: "Ich verdiene 1680 Euro im Monat, knapp über dem Mindestlohn. Wenn sie uns sagen, wir sollen 39 Stunden arbeiten, dann ist das reine Verarschung. Soll er doch seine Frau und seine Kinder anstellen, 39 Stunden für 1500 Euro. Da will ich aber sehen, was Penelope, seine Frau, machen würde."

Bei solchen Stellungnahmen dürfte den vielen internen Kritikern in der eigenen Partei deutlich weniger zum Lachen zumute sein, als ihrem Kandidaten beim Jägerbesuch.

Ermittlungsverfahren gegen Francois Fillon eröffnet
M. Wagner, ARD Paris
14.03.2017 18:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. März 2017 um 17:38 Uhr.

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