François Fillon | Bildquelle: REUTERS

Scheinbeschäftigungsaffäre Fillon sagt Pardon

Stand: 06.02.2017 21:16 Uhr

Der konservative Präsidentschaftskandidat Fillon hat bei den Franzosen um Entschuldigung gebeten: Die Beschäftigung seiner Frau und Kinder als Assistenten sei ein "Fehler" gewesen - und dennoch legal, wie er betonte. An seiner Kandidatur will Fillon festhalten.

Der konservative französische Präsidentschaftskandidat François Fillon hat in der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau einen "Fehler" eingeräumt. Den Vorwurf eines Gesetzesverstoßes wies er aber erneut zurück.

Die Beschäftigung seiner Frau Penelope als parlamentarische Mitarbeiterin sei "legal und transparent" gewesen, sagte Fillon. Ihre Bezahlung sei "vollkommen gerechtfertigt" gewesen. Grundsätzlich sei die Beschäftigung von Familienmitgliedern als parlamentarische Mitarbeiter legal, werde heute aber von den Franzosen mit "Misstrauen" beäugt, erklärte Fillon weiter. "Was früher akzeptabel war, (...) ist es heute nicht mehr."

Er bedaure deswegen, in der Vergangenheit seine Ehefrau und zwei seiner Kinder als Assistenten beschäftigt zu haben: "Es war ein Fehler, ich bedaure es zutiefst, und ich entschuldige mich bei den Franzosen".

Aus einer Aufstellung, die er im Internet veröffentlichte, geht hervor, dass seine Frau in mehr als 15 Jahren als parlamentarische Mitarbeiterin gut 680.000 Euro netto erhalten hatte. Demnach war Penelope Fillon zwischen 1986 und 2013 insgesamt 185 Monate für ihren Mann und dessen zeitweiligen Nachfolger in der Nationalversammlung angestellt und bekam durchschnittlich 3677 Euro netto pro Monat.

"Mediale Lynchjustiz"

Fillon steht seit Tagen massiv unter Druck: Die Zeitung "Le Canard Enchaîné" hatte - noch vor der Veröffentlichung von Fillons Aufstellung im Internet - berichtet, seine Frau habe innerhalb von 15 Jahren sogar mehr als 830.000 Euro aus Steuermitteln erhalten, ohne dafür wirklich gearbeitet zu haben. Die Finanzstaatsanwaltschaft leitete deswegen vorläufige Ermittlungen ein.

In Umfragen ist Fillon wegen der Enthüllungen abgestürzt und würde es nach jetzigem Stand nicht in die Stichwahl am 7. Mai schaffen. Bis dahin hatten Umfragen eine Stichwahl zwischen ihm und Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National vorhergesagt.

Bei den Konservativen wächst deswegen der Druck auf Fillon, seine Kandidatur niederzulegen. Davon will der frühere Premierminister aber nichts wissen: "Nichts wird mich dazu bringen, meine Meinung zu ändern", sagte der konservative Politiker. Er werde bei der Präsidentschaftswahl antreten, um zu gewinnen. Fillon bezeichnete die Vorwürfe erneut als Kampagne gegen sich und sprach von "politischem Mord". Den Medien warf er eine "mediale Lynchjustiz" vor.

Francois Fillon: "Ich habe nichts zuverstecken, ich trete an"
M. Wagner, ARD Paris
06.02.2017 18:51 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Februar 2017 um 18:00 Uhr.

Darstellung: