Eröffnung der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin | Bildquelle: AFP

Türkische Religionsbehörde Diyanet wettert gegen neue Berliner Moschee

Stand: 21.06.2017 12:07 Uhr

Die türkische Religionsbehörde Diyanet verurteilte die Eröffnung einer neuen liberalen Berliner Moschee und brachte das Gotteshaus mit der Gülen-Bewegung in Verbindung. Auch der ägyptischen Fatwa-Behörde ist die Moschee ein Dorn im Auge.

Die türkische Religionsbehörde Diyanet hat die neue liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin mit der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen in Verbindung gebracht. "Es ist offensichtlich, dass das ein Projekt des Religionsumbaus ist, das seit Jahren unter der Federführung von Fetö und ähnlichen unheilvollen Organisationen durchgeführt wird", teilte Diyanet demnach mit.

Die von der Türkei offiziell als Fetö bezeichnete Gülen-Bewegung wird von der Regierung in Ankara für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich gemacht und als Terrororganisation eingestuft.

Moschee weist Vorwürfe zurück

Die Berliner Frauenrechtlerin Seyran Ates, auf deren Initiative die Moschee zurückgeht, wies jede Verbindung zur Gülen-Bewegung zurück. "Wir haben mit denen Null zu tun", sagte Ates der Nachrichtenagentur dpa. "Wir sind denen viel zu progressiv, viel zu liberal."

Sie wünsche sich, "dass die Muslime gegen den islamistischen Terror einstehen und das friedliche Gesicht des Islams zeigen", sagte Ates. Sie fügte hinzu: "Wir sind jetzt für die friedliche Seite unserer Religion in Aktion getreten, weil wir es nicht mehr den Konservativen, den Orthodoxen und Radikalen überlassen dürfen."

Der Vorsitzende der Gülen-nahen Stiftung "Dialog und Bildung", Ercan Karakoyun, hatte sich zuvor bereits von der Moschee distanziert. Karakoyun sagte, er habe Morddrohungen erhalten, nachdem ihn ein türkischer Fernsehsender fälschlicherweise mit dem Projekt in Verbindung gebracht habe.

"Gläubige Brüder" sollen sich nicht provozieren lassen

Diyanet kritisierte, die Moschee würde "die Grundsätze unserer erhabenen Religion missachten". Es handele sich um Bemühungen, die Religion "zu untergraben und zu zerstören". Die Behörde rief "gläubige Brüder" auf, sich nicht provozieren zu lassen. In der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee beten Frauen und Männer nebeneinander. Das Gotteshaus steht Sunniten, Schiiten und Aleviten offen. Das erste Freitagsgebet leiteten ein Mann und eine Frau gemeinsam. Die Imamin trug kein Kopftuch.

Kritik aus Ägypten

Auch die Fatwa-Behörde in Ägypten, Dar al-Ifta, kritisierte die Moschee: "Nein zur Verletzung der religiösen Grundlagen - nein zur liberalen Moschee", hieß es in der offiziellen Erklärung auf Facebook.

Das Gebetshaus könne unmöglich als Moschee anerkannt werden, hieß es weiter. Auch die ägyptische Behörde argumentiert mit Verstößen gegen das islamische Recht: zum Beispiel indem die Musliminnen selbst darüber entscheiden, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht. "Die Behauptung, dass das Tragen des Kopftuchs Frauen diskriminiere, ist falsch. Denn Frauen müssen sich ebenso wie Männer an das islamische Recht halten. Das Bedecken bestimmter Körperteile beim Gebet ist für Musliminnen ebenso Pflicht wie für Muslime, auch wenn es bei Frauen andere Körperteile sind als bei Männern. Bei Verletzung dieser Vorschrift wird das Gebet ungültig."

"Ebenfalls Extremismus"

Besonders stößt sich Dar al-Ifta an der Tatsache, dass Frauen und Männer in der Moschee nebeneinander beten - noch dazu dicht gedrängt, wie auf Fotos zu sehen ist. "Der Islam verbietet den Körperkontakt zwischen Männern und Frauen während des Gebets. Denn das verletzt die Grundlagen des islamischen Rechts." Frauen sei es zudem nicht erlaubt, Imam zu sein, wenn auch Männer anwesend sind.

Auch findet die Religionsbehörde nicht, dass Terrorismus und Extremismus durch Bemühungen wie die neue liberale Moschee bekämpft werden könnten: "Im Gegenteil: Die Missachtung der Grundregeln einer Religion ist ebenfalls Extremismus. Es handelt sich um einen Angriff auf die Religion."

Mit Informationen von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Fatwa-Behörde verurteilt liberale Moschee Berlin als Angriff auf Islam
J. Stryjak, ARD Kairo
21.06.2017 11:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juni 2017 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.

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