Silhouette eines Mannes vor einem leuchtenden Display mit binären Zahlen

Erfinder der "Großen Firewall" Spott über Chinas großen Zensurmeister

Stand: 11.05.2016 08:38 Uhr

Er gilt als Vater der "Großen Firewall", dem gnadenlosen System der chinesischen Internetzensur: Fang Binxing. Doch er macht sich regelmäßig zum Gespött. Und manchmal wird er sogar mit Schuhen beworfen.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Die Situation an der Universität in Harbin im Nordosten Chinas war peinlich bis absurd: Fang Binxing will während einer Präsentation eine südkoreanische Internetseite öffnen. Das aber geht nicht, weil sie von der chinesischen Zensur blockiert ist. Der VPN-Tunnel, mit dem er die Zensur umgehen will, funktioniert nicht. Fang muss Teile seines Vortrags weglassen.

Digitaler Alltag in China, möchte man meinen. Nur dass Fang als die personifizierte Zensur gilt. Er ist der Vater der "Großen Firewall". So nennt man das System der Internetzensur in China.

"Das Internet hat quasi zwei Internets. Eines ist das Internet - das andere ist Chinanet", sagt der bekannte, kritische Blogger und Journalist Michael Anti. Das "Chinanet" meint das gefilterte, zensierte und manipulierte Netz, das die Kommunistische Partei produziert. Viele Angebote im Internet werden komplett blockiert - wie Facebook, Google oder Twitter. Andere werden selektiv verlangsamt, stetig werden Inhalte aus dem Internet gelöscht.

Vom eigenen Werk ausgebremst

Und weil Fang, der Vater der Großen Firewall, von seinem eigenen Werk ausgebremst wurde, machte er sich zum Gespött der chinesischen Internetnutzer.

"Es ist halt schwer, die Große Firewall der Zensur zu überspringen", schreibt ein chinesischer Blogger hämisch im sozialen Netzwerk WeChat. Und ein anderer meint: "Fang Binxing fühlt sich so toll, dass er sich nicht mal vorbereitet hat. Wie dumm von ihm, damit hat er sich zum Volldeppen gemacht."

Fang ist Häme und Hass gewohnt. Er bringe das Opfer für sein Land, sagte er einmal. Seine Botschaft in einer Rede an Studenten: durchhalten, was immer auch komme - "Du bist wie ein hoch leuchtender Stern. Und Du solltest Dich nicht von Deinem Weg abbringen lassen, nur weil Dir Steine entgegen fliegen. Lass‘ Dich nicht von anderen irritieren und irritiere keine anderen. Das ist eine starke Eigenschaft."

Ziel für Eier, Schuhe und Beschimpfungen

Fang hat das System der Internetzensur in China mit erschaffen. Und hat sich damit Feinde gemacht: 2011 bewarf ihn ein Student während einer Rede an der Universität in Wuhan erst mit Eiern und dann mit Schuhen. Die Eier gingen daneben, der Schuh traf.

Als Fang vor einigen Jahren sein erstes Konto im sozialen Netzwerk Weibo eröffnete, dauerte es drei Stunden: Dann wurde das Konto nach wüsten Beschimpfungen anderer Nutzer erst mal wieder geschlossen. Nach einem Neujahrsgruß im Internet erntete er tausendfach Hasstiraden. Die Botschaft war immer die gleiche: "Fahr' zur Hölle, Fang!".

Gelächter über Chinas großen Zensurmeister
A. Dorloff, ARD Peking
11.05.2016 08:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Mai 2016 um 10:12 Uhr

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