Ein Facebook-Account | Bildquelle: dpa

Datenskandal Wie alles begann

Stand: 21.03.2018 03:44 Uhr

Private Daten für politische Zwecke missbraucht - dieser Skandal zeigt, wie viel bei sozialen Netzwerken im Argen liegt. Hier die wichtigsten Fakten dazu, wie alles begann.

Von Katharina Wilhelm und Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Der Skandal um die Daten beginnt mit einem Namen: Aleksandr Kogan. Der im Silicon Valley lebende russisch-amerikanische Neurowissenschaftler wandte sich vor fünf Jahren an Facebook. Seine Idee: Infos über Facebook-Nutzer mit Hilfe einer App zu sammeln - für wissenschaftliche Zwecke.

"Thisisyourdigitallife" hieß die App. Es war eine Art Psychotest. Die Nutzer der App gaben Kogan ihr Okay, auf Informationen wie Wohnort und verteilte Likes zuzugreifen.

Das Problem dabei war, dass die App nicht nur Zugriff auf die Daten der etwa 270.000 angefragten Nutzer hatte, sondern auch auf deren Freunde und die Freunde der Freunde. Rund 50 bis 60 Millionen Facebook-Profile sollen so abgeschöpft worden sein.

Kogan verkaufte diese Daten an die Datenanalysefirma Cambridge Analytica weiter. Deren Geschäftsmodell ist die Analyse von Verhaltensmustern zur Erstellung psychologischer Profile.

Wichtigster Kunde der Firma war die Partei von Donald Trump, die Republikaner. Mit Hilfe der 50 Millionen Facebook-Daten konnten die Wähler in den USA im Wahlkampf 2016 personalisiert angesprochen werden, weil man deren Sorgen, Nöte und Haltung kannte. Pikant ist, dass einer der Investoren der Firma der Milliardär und Trump-Freund Robert Mercer ist.

Was wusste Facebook wann?

Bei Facebook in Menlo Park im Silicon Valley gibt man sich kleinlaut. Wie üblich wurde erstmal eine externe Firma beauftragt, die Vorwürfe zu untersuchen. Das Unternehmen soll, so legen Recherchen nahe, schon 2015 von der Datenschieberei gewusst haben.

Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos, der sich wohl für einen transparenten Umgang ausgesprochen hatte, wurde innerhalb des Unternehmens versetzt.

Verbindungen nach Russland

Der Skandal wirft mehrere Fragen auf: Wieso schafft es Facebook nicht, die Daten seiner Nutzer besser zu schützen? Konnte mit Hilfe der ausgelesenen Daten der US-Wahlkampf, möglicherweise auch das Brexit-Votum beeinflusst werden?

Eine weitere Frage lässt sich nicht schnell oder einfach beantworten: Aleksandr Kogan, der Mann, der den Psychotest entwickelt und die Daten verkauft hatte, soll Geld aus der russischen Stadt St. Petersburg für seine Forschung erhalten haben. Außerdem soll es wohl Verbindungen zwischen Cambridge Analytica und dem zweitgrößten russischen Öl-Konzern Lukoil geben.

Facebook-Datenskandal: Die wichtigsten Fakten und Hintergründe
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles/Marcus Schuler, ARD Los Angeles, zzt. Silicon Valley
21.03.2018 06:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. März 2018 um 04:55 Uhr.

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