Laurent Fabius | Bildquelle: dpa

Frankreichs Außenminister tritt zurück Ein Abschied mit Aufstieg

Stand: 10.02.2016 16:52 Uhr

Der Nächste bitte: Nach Justizministerin Taubira will nun auch Frankreichs Außenminister Fabius aus dem Kabinett ausscheiden. Aber anders als bei Taubira kam diese Entscheidung nicht wirklich überraschend. Fabius will in den Verfassungsrat wechseln.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Laurent Fabius lächelte, dieses listig-verschmitzte Fabius-Lächeln, als er am Morgen den Elysée-Palast nach der Kabinettssitzung verließ. Als ihm Journalisten zuriefen, ob das etwa seine letzte Sitzung gewesen sei, sagte er ein einziges Wort: "Oui".

Damit machte der Außenminister publik, was die Spatzen in Paris bereits von den Dächern pfiffen: Den 69-Jährigen zieht es weg vom Quai d’Orsay, wie der Amtssitz des Außenministers genannt wird. Wenig später wurde bekannt, dass Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande Fabius für das Amt des Präsidenten des Verfassungrats vorschlagen wird. Ein Amt, mit dem Fabius sehr zufrieden wäre.

Gute Figur bei der Klimakonferenz

Aber auch am Quai d’Orsay hatte er sich immer wohlgefühlt: "Ich habe das Haus sehr gemocht, ich denke, wir haben gut gearbeitet, und können stolz auf uns sein, beim UN-Klimagipfel haben wir der Welt einen großen Dienst erwiesen." Eigentlich hatten viele Beobachter bereits nach der Klimakonferenz mit einem Rücktritt von Fabius gerechnet, denn dort hatte der Außenminister eine sehr gute Figur abgegeben und hätte quasi auf dem Höhepunkt seines Schaffens abtreten können.

Enger Draht mit Hollande

Mit Fabius verliert vor allem Staatspräsident Hollande einen langjährigen Weggefährten - mit dem er jedoch beileibe nicht immer einer Meinung war. Fabius aber gab sich heute versöhnlich. "Wir haben auf internationalem Gebiet immer sehr eng zusammengearbeitet, das ist auch einer der Gründe, warum Frankreich in der Außenpolitik so stark ist. Wir hatten einen engen Draht, und Hollandes Entscheidungen waren hervorragend und mutig" - und mit Fabius abgestimmt. Etwa, als es darum ging, die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien anzugreifen oder um den französischen Militäreinsatz in Mali. Krisen hatte Fabius nun wahrlich genug zu meistern, das müssen jetzt andere übernehmen.

Nachfolgekandidaten: Jean-Marc Ayrault und Ségolène Royale

Frank-Walter Steinmeier und Laurent Fabius bei den Iran-Verhandlungen am 10. Juli | Bildquelle: AFP
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Frank-Walter Steinmeier und Laurent Fabius bei den Iran-Verhandlungen am 10. Juli (Archiv)

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier wird sich an einen neuen Kollegen, eine neue Kollegin gewöhnen müssen, mit dem oder der er die vielfältigen Krisenherde der Welt analysieren kann. Offenbar plant Staatspräsident Hollande Anfang nächster Woche eine umfassende Kabinettsumbildung, um die Lücke Fabius zu schließen. Der hatte schon zu Jahresbeginn mit Journalisten gescherzt: "Sie haben mich gefragt, wer mir nachfolgt, nun, das könnte viele interessieren".

Im Gespräch sind viele Namen: der ehemalige Premier und sehr gute Deutschen-Kenner Jean-Marc Ayrault etwa oder die aktuelle Umweltministerin Ségolène Royale. Die hat den Vorteil, dass sie Hollande sehr gut kennt, die beiden haben vier gemeinsame Kinder. Allerdings ist sie nicht gerade für diplomatisches Feingefühl bekannt.

Wie Hollande das Kabinett aufstellt und damit ausrichtet, ist auch entscheidend für das Jahr 2017 - dann sind Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Eines wird Hollande sicher nicht tun: sich einen ausgewiesenen Kritiker in das Kabinett holen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Februar 2016 um 12:00 Uhr.

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