Fragen und Antworten

Drei Männer mit Gepäckwagen - zwei davon mit je einem Handschuh (markiert) | Bildquelle: AFP

Die Lage im Überblick Was bisher bekannt ist

Stand: 22.03.2016 21:44 Uhr

Brüssel ist zum Ziel einer Anschlagsserie geworden. Was ist bislang über die Explosionen am Brüsseler Flughafen und in einer Metrostation bekannt? Wie viele Opfer gibt es? Gibt es Hinweise auf die Täter - und wie reagieren die Behörden? Die wichtigsten Informationen im Überblick.

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Was ist am Brüsseler Flughafen und in der Metro passiert?

Die Anschlagsserie begann am Morgen im Brüsseler Flughafen Zaventem. Gegen 8:00 Uhr kam es dort zu zwei Explosionen in der Abflughalle. Wahrscheinlich sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft - diese Vermutung äußerte am späten Nachmittag Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw. Die Nachrichtenagentur AFP zitierte am Abend den Bürgermeister der Gemeinde Zaventem mit den Worten, die Bomben hätten sich in den Taschen der Attentäter befunden. Nach unbestätigten Berichten gab es vor der Explosion Schüsse in der Halle und Rufe in arabischer Sprache. Offenbar fanden Ermittler später einen dritten Sprengsatz, der aber entschärft werden konnte.

Gut eine Stunde später dann die nächste Explosion. Nun trifft es die U-Bahn-Station Maalbeek, die unweit der wichtigsten EU-Institutionen liegt. Offenbar detonierte der Sprengsatz innerhalb des mittleren Wagens.

Die Anschläge von Brüssel
tagesschau 20:00 Uhr, 22.03.2016, Christian Feld, ARD Brüssel

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Wie viele Opfer gibt es?

Die meisten Menschen sterben beim Anschlag auf die Metro. Hier kommen nach Angaben des Bürgermeisters der belgischen Hauptstadt, Yvan Mayeur, mindestens 20 Menschen ums Leben. 106 Personen werden demnach verletzt, davon 17 schwer. Am Flughafen kommen mindestens zehn Menschen ums Leben - hier schwanken die Angaben aber noch. In einigen Berichten ist von elf, in anderen von 14 Toten die Rede. Auch am Flughafen werden Dutzende Menschen verletzt.

Wie gewaltig die Kraft der Sprengsätze ist zeigen Bilder aus dem Inneren des Flughafens. Viele Opfer hatten Gliedmaßen verloren und lagen in Blutlachen. Die Explosionen rissen Betonplatten aus den Decken und zerstörten Teile der Glasfront der Halle.

Ob auch Deutsche unter den Opfern sind, ist noch nicht bekannt. Hierzu gebe es bislang keine Informationen, erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf einer Pressekonferenz am Mittag. Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein.

Welche Hinweise gibt es auf die Täter?

Nach den Anschlägen sucht die belgische Polizei nach einem Verdächtigen. Sie veröffentlichte ein von einer Überwachungskamera aufgenommenes Bild, das drei Männer in der Abflughalle des Flughafens mit Gepäckwagen zeigt. In den Taschen hätten sich die Sprengsätze befunden, zitiert die Nachrichtenagentur AFP Francis Vermeiren, den Bürgermeister der Gemeinde Zaventem. Sie seien mit einem Taxi zum Flughafen gekommen. Über ihre Identität ist bislang nichts bekannt. Zwei der Männer seien "vermutlich" bei den Selbstmordattentaten ums Leben gekommen, sagte Staatsanwalt Leeuw. Der der dritte Mann, der auf dem Bild eine helle Jacke sowie einen Hut trägt, ist vermutlich auf der Flucht. Nach dem Mann werde aktiv gefahndet. Nach Ansicht von Vermeiren habe ihn Panik ergriffen, als sein Sprengsatz nicht explodierte. Im Laufe des Tages wurden in Brüssel Razzien durchgeführt. Dabei sollen im Stadtteil Schaebeek Chemikalien und ein Sprengsatz gefunden worden sein.

Am Nachmittag bekannte sich die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" zu den Anschlägen. "Soldaten des Kalifats" hätten mit den Anschlägen auf den Brüsseler Flughafen Zaventem und eine U-Bahnstation "den Kreuzfahrerstaat Belgien" angegriffen, hieß es in einer im Internet veröffentlichten Erklärung des IS. Zuvor hatte bereits die IS-nahe Nachrichtenagentur Aamak berichtet, IS-Kämpfer hätten die Taten mit Sprengstoffgürteln und anderen Sprengsätzen begangen.

Terrorismusexperten beschäftigen sich zudem seit dem Morgen mit der Frage, ob die Explosionen in einem Zusammenhang mit der Festnahme des mutmaßlichen Terroristen Salah Abdeslam stehen. Er war am vergangenen Freitag im Brüsseler Stadtteil Molenbeek nach monatelanger Fahndung festgesetzt worden. Andere Islamisten, die wie Abdeslam an der Planung der Anschläge von Paris vom vergangenen November beteiligt gewesen sein sollen, sind offenbar weiter auf der Flucht. Nähere Hinweise auf einen direkten Zusammenhang gibt es offiziell bislang aber nicht. Staatsanwalt Leeuw sagte, eine formale Verbindung könne derzeit nicht hergestellt werden.

Drei Männer mit Gepäckwagen - zwei davon mit je einem Handschuh (markiert) | Bildquelle: AFP
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Dieses Bild veröffentlichte die belgische Polizei - es soll es die Attentäter vom Flughafen zeigen.

Was geschah nach den Anschlägen?

Die belgische Regierung hob die Terrorwarnung auf die höchste Stufe vier. Alle Bürger Brüssels wurden zunächst aufgefordert, in ihren Häusern und Wohnungen zu bleiben. Diese Empfehlung hob das nationale Krisenzentrum am Nachmittag wieder auf.

Der Flugverkehr von und nach Brüssel wurde eingestellt, viele Flugzeuge mussten auf andere Flughäfen des Landes oder in die Nachbarstaaten umgeleitet werden. Der Brüsseler Flughafen soll bis Mittwochmittag 12:00 Uhr geschlossen bleiben. Der Nah- und Fernverkehr in und um Brüssel wurde eingestellt Alle U-Bahn-Stationen wurden geschlossen. Auch der Zugverkehr zwischen den Niederlanden und Brüssel ruhte - das betraf unter anderem den Eurostar und Thalys-Züge. Die Deutsche Bahn stoppte ebenfalls den Fernverkehr nach Brüssel. Der Zugverkehr auf der der Strecke Frankfurt am Main - Brüssel soll aber am Mittwoch mit Betriebsbeginn wieder aufgenommen werden, auch der Thalys soll mit wenigen Ausnahmen wieder fahren.

In Brüssel kam das öffentliche Leben zum Erliegen. Das EU-Viertel im Zentrum der Stadt wurde abgeriegelt, viele öffentliche Gebäude wurden evakuiert. Erst am Nachmittag konnten die Verkehrsbetriebe wieder die Arbeit aufnehmen. Einige Bahnhöfe im Zentrum bleiben aber weiterhin geschlossen - betroffen sind die Bahnhöfe Schuman, Luxembourg und Aéroport.

Luftbild: Anschlag in Brüssel, Quelle: Bing
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Die U-Bahnstation Maalbeek befindet sich in unmittlebarer Nähe bedeutender EU-Institutionen.

Waren auch die belgischen Atomkraftwerke gefährdet?

Für Aufregung sorgten am Mittag Berichte, das bei Lüttich gelegene AKW Tihange sei "evakuiert" worden. Die Betreiberfirma dementierte aber diese Darstellung. Vielmehr sei das für den Betrieb der Anlagen nicht unbedingt notwendige Personal aufgefordert worden, das Gelände zu verlassen. Eine Kernmannschaft sei weiterhin im Werk und überwache den Betrieb. Dies gelte auch für das zweite belgische Atomkraftwerk Doel, das bei Antwerpen liegt. Dieses Vorgehen ist Teil der Sicherheitsmaßnahmen, die bei Auslösen der höchsten Terrorstufe in Kraft treten

Wie reagieren andere Länder auf die Ereignisse in Brüssel?

Europaweit wurden die Scherheitsmaßnahmen an Flughäfen, Bahnhöfen und Grenzen verschärft. Die Bundespolizei führte verstärkte Kontrollen auch an der Grenze zu Belgien durch. Vor allem in Paris, wo bei islamistischen Anschlägen im November 130 Menschen getötet worden waren, wurde die Polizeipräsenz noch einmal ausgeweitet. Zusätzliche Polizeipatrouillen kamen auch in London an Flughäfen und strategisch wichtigen Orten zum Einsatz. Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen wurden auch in den Niederlanden, Dänemark, Spanien, Italien und Portugal sowie in Tschechien, Bulgarien und Russland ergriffen.

Weltweit brachten Politiker ihre Anteilnahme zum Ausdruck. Kanzlerin Angela Merkel sagte Belgien volle Solidarität und Unterstützung bei der Suche nach den islamistischen Attentätern von Brüssel zu. Ähnlich äußerte sich US-Präsident Barack Obama.

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