Flüchtlinge am Eurotunnel bei Calais | Bildquelle: AFP

Flüchtlinge am Eurotunnel Frankreichs Antwort: Mehr Kontrollen

Stand: 29.07.2015 17:31 Uhr

Tausende Flüchtlinge versuchen jede Nacht, von der französischen Seite aus durch den Eurotunnel zu kommen. Die Betreiberfirma räumt ein, dass ihre Sicherheitskräfte das nicht immer verhindern können - und verweist auf die französische Regierung. Die will zumindest mehr Polizisten schicken.

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Hörfunkstudio Paris

Sie kommen aus dem Sudan, aus Eritrea, Äthiopien oder Syrien und tragen alle die eine Hoffnung in sich: dass es ihnen drüben jenseits des Ärmelkanals besser geht als in ihrer Heimat. Und dafür sind die Flüchtlinge, die in Calais ihr Zwischenlanger aufgeschlagen haben, bereit ihr Leben aus Spiel zu setzen: "Einer der Polizisten hat zu mir gesagt, sie sind einem gefährlichen Bereich. Und vielleicht werden sie hier sterben", berichtet ein syrischer Flüchtling. "Also habe ich ihm gesagt, ich werde sowieso sterben, wenn ich in meinem Land bleibe."

Das Nadelöhr Eurotunnel
tagesthemen 22:15 Uhr, 29.07.2015, Ellis Fröder, ARD Paris

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Hafenzugang verstärkt - mehr Betrieb am Tunnel

Die Versuche der Migranten, durch den Eurotunnel per LkW oder Zug nach England zu gelangen, sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen - vor allem weil der Zugang zum Hafen bei Calais im Juni noch stärker gesichert wurde. Allein in den vergangenen zwei Nächten sollen mehr als 3000 Flüchtlinge versucht haben, in den Tunnel einzudringen.

Oft sind es die gleichen Personen, die es mehrmals hintereinander probieren - und scheitern, wie in der Nacht der junge Sudanese. Zwischen 25 und 30 Jahre war er alt. Er wollte auf einen Zug klettern, vom dem er hoffte, dass er ihn auf die andere Seite des Kanals bringen würde. Dabei wurde er von einem LKW überrollt.

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Flüchtlinge vor dem Eurotunnel bei Calais

Migranten am Eurotunnel Calais

Flüchtlinge in der Nacht bei Calais auf dem Weg Richtung Eurotunnel auf der Suche nach einer Gelegenheit, Großbritannien zu erreichen. | Bildquelle: AP

Sisyphusarbeit der Sicherheitskräfte

Die Polizisten, die vor Ort im Einsatz seien, könnten der wachsenden Zahl der Migranten nicht mehr Herr werden, klagt Gilles Debove, Sprecher einer Polizeigewerkschaft: "Zusammen mit den Sicherheitsleuten von Eurotunnel verbringen wir unsere Zeit damit, die Migranten vom Gelände zu befördern. Wir fangen sie ab und drängen sie hinaus, fangen sie wieder ab und drängen sie wieder hinaus."

Die Betreiberfirma des Ärmelkanaltunnels hat die Überwachungsmaßnahmen seit Anfang des Jahres noch einmal hochgefahren. Sie kontrolliert verstärkt mit Patrouillen und Infrarotkameras. Auf diese Weise hätten die Wachleute seit Januar 37.000 Versuche, in den Tunnel zu gelangen, abgewehrt.

Doch auch Großbritannien und Frankreich müssten mehr tun, verlangt Eurotunnel-Chef Jacques Gounon: "Es ist offensichtlich, dass angesichts der Tausenden von Migranten die Anzahl der Ordnungskräfte lächerlich gering ist." Dieses Problem müsse den Regierenden bewusst sein.

Mehr Polizisten auf französischer Seite

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve kündigte heute Verstärkung für die französische Polizei vor Ort an. Zwei mobile Einheiten mit insgesamt 120 zusätzlichen Sicherheitskräften sollen helfen, die Grenzen zu sichern - vor allem die Zugänge zum Eurotunnel. Der französische Staat habe nicht aufgehört, seine Verantwortung in Calais wahrzunehmen - "ob es nun darum geht, die öffentliche Ordnung zu wahren, die illegalen Einwanderungswege zu kappen, Ausländer, die illegal hier sind, wegzubringen oder darum, humanitäre Lösungen für die Migranten und Asylbewerber zu finden", sagte Cazeneuve. Doch auch die Tunnelbetreibergesellschaft müsse sich noch mehr um die Sicherheit am Tunnel kümmern.

Während sich die Frankreich und der Eurotunnelbetreiber über Zuständigkeiten streiten, leben die derzeit mehr als 3000 in Calais gestrandeten Flüchtlinge weiter in ihren selbst errichteten Camps. Sie warten auf ihre Chance, den Kanal zu überqueren, um auf der anderen Seite ein besseres Leben zu beginnen.

Flüchtlingsdrama am Eurotunnel
K. Gallmeyer, ARD Paris
30.07.2015 08:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juli 2015 um 17:00 Uhr.

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