Ein Trump-Anhänger feiert den Wahlsieg. | Bildquelle: AP

Europas Rechte feiert Trumps Triumph "Neue Epoche der Weltgeschichte"

Stand: 09.11.2016 09:43 Uhr

Bislang waren die USA in Europa insbesondere bei den Rechten höchst unbeliebt. Das dürfte sich nach dem Triumph für Trump nun ändern. Viele Rechtsaußen feiern dessen Sieg bereits als Beginn eines neuen Zeitalters.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Ihre Rhetorik und Politikkonzepte gleichen sich: für eine erzkonservative Rebellion des einfachen Volkes unter der Führung eines starken Mannes gegen das Establishment, gegen Minderheitenrechte, für einen starken Staat bei der inneren Sicherheit und für einen radikalen Wirtschaftskurs. Die Forderungen von Donald Trump korrespondieren mit denen vieler Rechtspopulisten in Europa. Dementsprechend fallen nach Trumps Triumph die Reaktionen aus.

Marine Le Pen vom Front National in Frankreich gratulierte bereits: "Herzlichen Glückwunsch an den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und dem freien amerikanischen Volk!", twitterte sie. Dies klingt, als sei das amerikanische Volk bislang unfrei gewesen.

Marine Le Pen @MLP_officiel
Félicitations au nouveau président des Etats-Unis Donald Trump et au peuple américain, libre ! MLP

Le Pen hatte sich im Wahlkampf klar hinter Trump gestellt. "Was Frankreichs Interessen angeht, gilt: 'Alles außer Hillary Clinton'", sagte Le Pen in einem Interview mit CNN. Zudem seien sie und Trump beide keine politischen Insider und erhielten "keine Befehle von Finanzinstitutionen", so Le Pen im verschwörungstheoretischen Duktus.

Farage bot bereits seine Dienste an

Nigel Farage von der EU-kritischen Ukip hatte sich ebenso bereits für Trump stark gemacht - und sich sogar bereits als EU-Botschafter einer republikanischen Regierung in Washington ins Gespräch gebracht. Auch Farage ist in Feierlaune. Offenbar werde es in diesem Jahr zwei große politische Revolutionen geben: den Brexit und den Wahlsieg von Trump, schrieb er auf Twitter. Der Wahlsieg des Milliardärs wäre allerdings noch bedeutender als der Brexit.

Nigel Farage unterstützte Trump im Wahlkampf. | Bildquelle: AFP
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Nigel Farage unterstützte Trump im Wahlkampf.

Als erster führender Politiker eines EU-Staats hatte im Juli der ungarische Regierungschef Viktor Orban die Kandidatur von Trump unterstützt. Dessen Vorschläge zum Kampf gegen den Terrorismus machten ihn zu einer "besseren Alternative" für die EU, sagte Orban, der auf ähnliche Politikkonzepte wie Trump hofft, dabei aber zuletzt zweimal gescheitert ist.

Die Rechtspopulisten in Österreich gratulierten dem neuen US-Präsidenten ebenfalls. Der Chef der FPÖ, Heinz-Christian Strache, schrieb auf Facebook: "Die politische Linke und das abgehobene sowie verfilzte Establishment wird Zug um Zug vom Wähler abgestraft und aus diversen Entscheidungsfunktionen herausgewählt". Das sei gut so. Strache sieht auch "Mainstreammedien", die seit Wochen Stimmung gegen Trump gemacht hätten, wieder einmal vom Wähler blamiert.

Goethe-Zitat zur US-Wahl

In Deutschland zitierte der AfD-Politiker Marcus Pretzell auf Twitter Goethe, um ein neues Zeitalter einzuläuten: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen."

Marcus Pretzell @MarcusPretzell
"Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus,
und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen." Goethe
#Trump

 Der AfD-Funktionär Alexander Gauland hatte sich zuvor etwas zurückhaltender zu Trump geäußert. Dieser sei zu unberechenbar, sagte Gauland der "Frankfurter Rundschau". Allerdings habe Trump einige Forderungen aufgestellt, die in der AfD Sympathien auslösten, so Gauland. Konkret nannte er: "die Grenze nach Mexiko schließen, Einwanderung von Muslimen stoppen, das Verhältnis zu Russland verbessern." Clintons Positionen seien "dagegen der Mainstream, der in der AfD nicht goutiert wird".

Mehr Sympathien für die USA?

AfD-Funktionärin Beatrix von Storch schrieb auf Facebook, für sie sei Trumps Wahlsieg keine Überraschung, sondern "ein Signal dafür, dass die Bürger in der westlichen Welt einen klaren Politikwechsel wollen". Sowohl in den USA als auch in Deutschland wünschten sich "die Bürger sichere Grenzen, weniger Globalismus und eine Politik, die sich mit gesundem Menschenverstand mehr auf die Vorgänge im eigenen Land konzentriert", so von Storch. Trumps Wahlsieg sei daher "historisch" - und die USA unter Trump dürften bei den Rechten nun deutlich an Sympathien gewinnen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. November 2016 in der Sondersendung ab 09:00 Uhr.

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