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Fünf von sieben Attentätern identifiziert Eine Spur führt nach Syrien, eine nach Belgien

Stand: 16.11.2015 12:31 Uhr

Am dritten Tag nach den Anschlägen in Paris sind zwei weitere Attentäter identifiziert. Der eine könnte aus Syrien stammen, der andere war bereits vor drei Jahren im Visier der Ermittler. Auch gibt es Berichte über den mutmaßlichen Drahtzieher. In Belgien läuft eine groß angelegte Razzia.

Einer der Attentäter von Paris stammte nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler womöglich aus Syrien. Die Fingerabdrücke eines der Selbstmordattentäter stimmen nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft mit denen überein, die bei einem Mann registriert wurden, der im Oktober mit syrischem Pass als Flüchtling nach Griechenland eingereist war.

Bei dem mutmaßlichen Syrer handelt es um einen der Selbstmordattentäter vom Stade de France, in dessen Nähe ein syrischer Pass auf den Namen Ahmad al-Mohammad gefunden worden war. Der Inhaber des Passes wurde 1990 im syrischen Idlib geboren. Er war im Oktober als Flüchtling in Griechenland registriert worden. Die Echtheit des Passes müsse aber noch bestätigt werden, betonte die Pariser Staatsanwaltschaft. Auch wenn offen ist, ob der Pass von dem Attentäter gestohlen, gekauft oder gefälscht wurde, stimmen die Fingerabdrücke des Mannes mit jenen überein, die bei der Registrierung des Flüchtlings in Griechenland aufgenommen wurden. Der Attentäter ist daher offenbar über Griechenland eingereist.

Abdelhamid Abaaoud soll einer der Drahtzieher sein
tagesschau 15:00 Uhr, 16.11.2015, Ingrid Bertram, WDR

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28-Jähriger aus Drancy verübte Attentat auf Konzerthalle

Identifiziert wurde zudem ein weiterer Selbstmordattentäter, gegen den 2012 in Frankreich ein Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet worden war. Laut der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem anderen Attentäter um einen 28-Jährigen aus Drancy bei Paris namens Samy Amimour, der an dem Angriff auf die Konzerthalle Bataclan beteiligt war.

Er wurde demnach am 15. Oktober 1987 in Paris geboren und war im Oktober 2012 Ziel von Ermittlungen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, weil er in den Jemen ausreisen wollte. Er stand unter richterlicher Überwachung, doch entzog er sich im Herbst 2013 der Überwachung, woraufhin ein internationaler Haftbefehl gegen ihn ausgestellt wurde. Damit wurden nunmehr fünf der sieben getöteten Attentäter identifiziert.

Drahtzieher in Belgien?

Fahndungsfoto von Salah Abdeslam | Bildquelle: AP
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Die französische Polizei schrieb den 26-jährigen Salah Abdeslam zur Fahndung aus.

Zudem erhärtet sich offenbar die Spur nach Belgien. Aus Ermittlerkreisen heißt es, von dort komme der Drahtzieher der Taten. Sie machen mit Abdelhamid A. einen Mann verantwortlich, der auch mit geplanten, aber vereitelten Anschlägen auf einen Zug und eine Kirche in Frankreich in diesem Jahr in Verbindung gebracht wird. Ein offizielles Statement zu A. gibt es bislang nicht.

Derzeit läuft eine großangelegte Anti-Terror-Razzia im Brüsseler Problemstadtteil Molenbeek. Mindestens eine Person wurde offenbar festgenommen. Dabei soll es sich aber nicht - wie zunächst gemeldet - um den international gesuchten mutmaßlichen Attentäter Abdeslam Salah handeln.

Razzia im belgischen Molenbeek
Andreas Meyer-Feist, HR Brüssel
16.11.2015 13:53 Uhr

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Razzien im ganzen Land

Bei Durchsuchungen in mehreren Städten in Frankreich wurden in der vergangenen Nacht fünf Personen festgenommen. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen wurden mehrere Waffen und Geld beschlagnahmt. Bei einem Verdächtigen seien eine Panzerfaust, Splitterschutzwesten, mehrere Pistolen und ein Sturmgewehr gefunden worden.

Den Angaben zufolge richteten sich die Durchsuchungen gegen Verdächtige an der Grenze von Kriminalität und politischem Extremismus. Sie seien nicht direkt verbunden mit den Ermittlungen zu den Hintermännern und Komplizen der Attentäter von Paris.

Razzien gab es demnach im Großraum Paris, in Bobigny, Toulouse und Grenoble. Insgesamt habe es mehr als 150 Durchsuchungen in Frankreich gegeben, sagte Ministerpräsident Manuel Valls im Radiosender RTL. In Toulouse wurden in der Nacht bei Durchsuchungen drei Verdächtige festgenommen. Die Razzien fanden in dem Viertel statt, in dem der islamistische Attentäter Mohammed Merah lebte, der im März in Toulouse und Montauban drei Soldaten und einen Lehrer und drei Schüler einer jüdischen Schule ermordet hatte.

Präsident François Hollande hatte am Freitagabend nach den islamistischen Anschlägen mit 129 Toten den Ausnahmezustand verhängt. Er erlaubt insbesondere Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss.

Razzien in Frankreich | Bildquelle: AP
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Festnahme während der Razzien in Toulouse

"Anschläge auch in anderen Ländern geplant"

Valls äußerte sich auch zu den Ermittlungen nach den Terroranschlägen von Paris und warnte davor, dass der selbst ernannte "Islamische Staat" (IS) auch Attacken in anderen europäischen Ländern vorbereite. "Wir wissen, dass Operationen vorbereitet werden, nicht nur in Frankreich, sondern gegen andere europäische Länder", sagte er. "Wir werden noch lange mit dieser Bedrohung leben."

Die Pariser Anschläge seien in Syrien vorbereitet worden, ergänzte der Premier. Die Attentate "wurden von Syrien aus organisiert, erdacht und geplant". Der IS hatte sich zu der Anschlagsserie bekannt. Frankreich könne erneut von Anschlägen heimgesucht werden - "in den kommenden Tagen, in den kommenden Wochen", warnte Valls. Als weitere Reaktion kündigte er an, Moscheen und radikale Vereinigungen zu schließen, in denen gegen die Werte der Republik verstoßen werde. "Wir handeln an allen Fronten mit der größten Entschlossenheit", sagte Valls.

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