Razzia in Molenbeek | Bildquelle: AP

Anti-Terror-Razzia in Brüssel Tatverdächtiger weiter auf der Flucht

Stand: 16.11.2015 15:48 Uhr

Per internationalem Haftbefehl sucht die Polizei einen 26-Jährigen, der an den Anschlägen in Paris beteiligt gewesen sein soll. Am Morgen vermuteten ihn die Ermittler in einem Haus in Brüssel. Inzwischen ist der mehrstündige Einsatz beendet - ohne Erfolg.

Die Suche nach Salah Abdeslam
tagesschau 17:00 Uhr, 16.11.2015, Christian Feld, ARD Brüssel

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Der gesuchte mutmaßliche Attentäter von Paris, Salah Abdeslam, ist nach wie vor auf freiem Fuß. Ein mehrstündiger Anti-Terror-Einsatz in Brüssel blieb ohne Erfolg. "Das Ergebnis ist negativ", sagte ein Sprecher der belgischen Generalstaatsanwaltschaft. Bei dem Einsatz wurde nach offiziellen Angaben auch sonst niemand festgenommen.

Die Ermittler vermuteten den 26-Jährigen Abdeslam in einem Haus im Stadtteil Molenbeek. Drei Spezialeinheiten waren am späten Vormittag vor dem Zielobjekt angerückt und nach Augenzeugenberichten über das Dach in das Gebäude eingedrungen. Während des Einsatzes gab es zwei kleine Explosionen. Die erste war etwa zwei Stunden nach Beginn der Polizeiaktion zu hören, die zweite rund eine Stunde später.

Fahndungsfoto von Salah Abdeslam | Bildquelle: AP
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Abdeslam wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Gesuchter soll das Fluchtauto gemietet haben

Der per internationalem Haftbefehl gesuchte Salah Abdeslam wird als "gefährlich" beschrieben. Der junge Mann hatte einen belgischen VW-Polo gemietet, mit dem die Attentäter zur Pariser Konzerthalle Bataclan gefahren waren. Dort erschossen die Täter mindestens 89 Menschen.

Nach einem Bericht der Zeitung "Le Monde" wäre Salah Abdeslam den Ermittlern am Samstag bereits fast ins Netz gegangen. Die Zeitung berichtete auf ihrer Webseite, der Verdächtige sei am Samstag im nordfranzösischen Cambrai im Zuge der verschärften Grenzkontrollen überprüft worden. Im Auto hätten sich noch zwei weitere Passagiere befunden. Die Beamten hätten eingeräumt, dass zu diesem Zeitpunkt bereits seit Stunden klar gewesen sei, dass er der Mieter des verdächtigen VW Polo war.

Drei Brüder unter Verdacht

Salah ist auch der Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris, Brahim Abdeslam, der sich in einem Café in die Luft sprengte. Ein dritter Abdeslam-Bruder, Mohamed Abdeslam, wurde derweil von der belgischen Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt. Er werde nicht länger verdächtigt, an den Attentaten beteiligt gewesen zu sein, sagte seine Anwältin der Nachrichtenagentur Belga. Ihr Mandant habe ein Alibi für Freitagabend und könne deshalb nachweisbar nicht an den Anschlägen in Paris beteiligt gewesen sein. Mohamed Abdeslam war am Samstag in Belgien festgenommen worden.

Insgesamt wurden fünf der am Wochenende in Belgien festgenommenen sieben Verdächtigen wieder auf freien Fuß gesetzt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Gegen die beiden anderen Verdächtigen wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Den beiden werde ein "Terroranschlag und die Teilnahme an den Aktivitäten einer Terrorgruppe" vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft in Brüssel in einer Erklärung mit.

Der Großteil der sieben Verdächtigen war in Molenbeek festgenommen worden. Molenbeek gilt als Problemviertel, wo die Arbeitslosigkeit und die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund gleichermaßen hoch sind. Besonders viele Molenbeeker sind Muslime, und unter diesen findet sich auch eine radikale Minderheit. In dieser kleinen Minderheit gebe es "Leute, die auf europäischer Ebene bekannt sind" und andere Extremisten anzögen, analysiert der Terrorismus-Experte Claude Moniquet. Innenminister Jan Jambon kündigte an, in Molenbeek "aufzuräumen". Noch in dieser Woche will das Kabinett einen "Aktionsplan" für das Viertel präsentieren.

Razzia in Molenbeek | Bildquelle: REUTERS
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Maskierte und schwer bewaffnete Einheiten durchsuchten den Stadteil Molenbeek.

Drahtzieher aus Belgien?

Belgien ist mit seinen elf Millionen Einwohnern eines der kleineren EU-Länder. Bezogen auf die Bevölkerung hat es aber den größten Anteil radikaler Islamisten, die nach Irak und Syrien in den sogenannten Heiligen Krieg ziehen. Fast 500 "belgische Islamisten" sind vom Geheimdienst identifiziert worden. Immer wieder wurden in der Vergangenheit Anti-Terror-Gesetze verschärft und terroristische Netzwerke ausgehoben. Trotzdem gilt Belgien als vergleichsweise sicher für Islamisten.

Aus Ermittlerkreisen heißt es, aus Belgien komme auch der Drahtzieher der Taten. Sie machen mit Abdelhamid A. einen Mann verantwortlich, der auch mit geplanten, aber vereitelten Anschlägen auf einen Zug und eine Kirche in Frankreich in diesem Jahr in Verbindung gebracht wird. Ein offizielles Statement zu A. gibt es bislang nicht.

Über die sieben getöteten Angreifer werden derweil immer mehr Details bekannt. Gegen einen weiteren Attentäter aus dem Rockclub "Bataclan", den in Paris geborenen Samy Amimour, wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Oktober 2012 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Einer der Attentäter stammte womöglich aus Syrien und reiste über Griechenland ein. In mehreren Städten Frankreichs gab es Durchsuchungen. Fünf Personen wurden festgenommen.

Christian Feld, ARD Brüssel, zu den Ermittlungen in Belgien
tagesschau 15:00 Uhr, 16.11.2015

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