Blick auf zerstörte Häuser in Moncoa Kolumbien. | Bildquelle: dpa

Schlammlawine in Kolumbien "Das ist ein solches Trauma"

Stand: 03.04.2017 03:36 Uhr

Die Lage im südkolumbianischen Mocoa ist nach wie vor katastrophal. Die Schlammlawine hat alles verwüstet. Die Menschen sind verzweifelt. Der Präsident verspricht einen Wiederaufbau. Die FARC-Rebellen boten dafür ihre Mithilfe an.

Von Anne Herrberg, ARD-Studio Südamerika

Häuser, von denen nur noch die Dächern aus dem Schlamm ragen, bei anderen wurden die Wände weggerissen, als seien sie aus Pappe. Autos, zusammengedrückt wie Blechbüchsen, Elektrizitätsmasten, umgeknickt wie Streichhölzer. Alles spülte die Lawine mit sich. Brücken, Baumstämme, riesige Gesteinsbrocken, Möbel. Die Bilder aus der kolumbianischen Stadt Mocoa zeigen Verwüstung und verzweifelte Bewohner.

"Alles war so furchtbar", berichtet Liliana Sanchez, "es kam so plötzlich, wir hörten Alarm. Dann war es, als ob sich die Erde öffnete. Wir kletterten auf die Terrasse. Alles andere wurde im Schlamm begraben: unser Haus, unsere Möbel. Alles, was wir hatten, ist weg. Aber wir haben überlebt. Ich danke Gott dafür, wir haben überlebt."

Sie Straßenverkäuferin Marta Cevallos sagt: "Auf der einen Seite danke ich Gott, dass meine Familie und ich überlebt haben. Aber zu sehen, wie meine Freunde weinen, wie andere um Hilfe schreien, zu sehen, wie sie immer und immer wieder in Bettlaken und Planen gewickelte Personen wegtragen - das ist ein solches Trauma. Mocoa ist komplett zerstört."

Mehr als 250 Tote nach Erdrutsch in Kolumbien
tagesschau 16:00 Uhr, 03.04.2017, Esther Saoub, SWR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

So viel Regen wie sonst in einem Monat

Viele hatten keine Chance. Die Schlammlawine überraschte sie im Schlaf in der Nacht auf Samstag. Mehr als 200 Menschen sind ums Leben gekommen, doch die Zahl wird fast stündlich nach oben korrigiert. Niemand weiß, wie viele sich noch unter den Trümmern befinden. Hunderte gelten als vermisst.

Präsident Juan Manuel Santos, der eine Reise nach Cuba abgesagt hatte, rief den Notstand aus und machte den Klimawandel für das Unglück verantwortlich. Es hatte so viel geregnet wie sonst in einem ganzen Monat. Mehrere Flüsse rund um die Stadt nahe der Grenze zu Ecuador im Süden Kolumbiens traten über die Ufer, ihre Fluten rissen alles mit.

Auch am Sonntag ist Santos wieder an den Ort der Katastrophe gereist: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Zugangswege freizulegen, Brücken wieder aufzubauen, damit die Hilfskräfte besser durchkommen und der Wiederaufbau so schnell wie möglich beginnen kann, damit die Energie- und Wasserversorgung wieder garantiert werden kann. Das wird Zeit in Anspruch nehmen. Aber unser Ziel ist, dass wir Mocoa als Stadt verbessern."

Soldat vor einem Haus in Mocoa | Bildquelle: AP
galerie

Etwa 1000 Soldaten sind im Einsatz, um in Mocoa zu helfen. Inzwischen boten auch die FARC-Rebellen ihre Unterstützung beim Wiederaufbau an.

Notfallstationen eingerichtet - Schwerverletzte ausgeflogen

Viele Häuser in Mocoa waren aus Holz, Lehm oder Ziegeln gebaut. Gegen die Wucht der Lawine konnten sie nicht ansatzweise standhalten. 1000 Soldaten sind inzwischen zur Unterstützung angereist.

Das örtliche Krankenhaus funktioniert wieder, kann aber die große Zahl an Verletzten nicht versorgen. Notfallstationen wurden eingerichtet, doch es fehlt an Helfern und medizinischem Personal. Per Hubschrauber sind einige Schwerverletzte inzwischen in Krankenhäuser anderer Städte ausgeflogen worden.

Dabei bleibt die Region gefährdet, denn auch für die kommenden Tage sind starke Regenfälle angekündigt.

Schlammkatastrophe: Zahl der Opfer steigt weiter
A. Herrberg, ARD Buenos Aires
03.04.2017 06:44 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. April 2017 um 22:45 Uhr.

Darstellung: