Türkischer Präsident Erdogan | Bildquelle: REUTERS

Erdogan trifft Trump Bemühte Partnerschaft

Stand: 16.05.2017 01:39 Uhr

Sie gelten als meinungsstark und nicht gerade konfliktscheu: US-Präsident Trump und sein türkischer Amtskollege Erdogan. Schon deshalb dürfte ihr erstes Treffen in Washington spannend werden. Zudem belasten einige Themen das Verhältnis der beiden NATO-Partner.

Von Rolf Büllmann, ARD-Studio Washington

Die Vorzeichen sind nicht gut für das Treffen zwischen Erdogan und Trump. Denn die Beziehungen sind kompliziert zwischen den USA und der Türkei, um es mal vorsichtig zu sagen. Die "Washington Post" schreibt sogar: Washington und Ankara seien auf Kollisionskurs. Vor allem wegen eines umstrittenen Beschlusses, den die US-Regierung erst vor Kurzem getroffen hat: die Kurden im Kampf gegen den IS mit schweren Waffen auszustatten. Ein deutliches Signal des Weißen Hauses: Unter Trump hat der Kampf gegen die Terrormiliz IS - in diesem Fall im syrischen Rakka - Vorrang vor diplomatischen Feinheiten, wie der Rücksichtsnahme darauf, dass die Regierung in Ankara die Kurden als Terroristen sieht.

"Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Türkei und die USA das klären können, wenn man entsprechend in Betracht zieht, dass wir gerade in Rakka gegen dieses selbsternannte Kalifat unseres Gegners vorrücken", sagt US-Verteidigungsminister Jim Mattis bei einer improvisierten Pressekonferenz im Flugzeug. Und Außenminister Rex Tillerson betont: "Damit das ganz klar ist: Es passt kein Blatt zwischen die Türkei und die USA bei unserer Entschlossenheit, den IS zu besiegen."

Streit programmiert?

Das mag sogar stimmen, doch das heißt eben nicht, dass man sich nicht trotzdem über den Weg zu diesem Ziel streiten kann. Und eine Bewaffnung der Kurden lehnt die Türkei nun einmal rundherum ab. Diese Entscheidung müsse schnellstmöglich revidiert werden, ließ Erdogan mitteilen. Das heißt: Im Oval Office werden heute die als durchaus meinungsstark und nicht gerade konfliktscheu bekannten Anführer zweier Länder aufeinandertreffen, die in dieser Frage einander diametral gegenüberstehende Positionen haben.

Und damit nicht genug. Erdogan - da sind sich Beobachter sicher - wird auch den schwelenden Konflikt über Fethullah Gülen ansprechen: jenes regierungskritischen Geistlichen, den Erdogan beschuldigt hinter dem Putschversuch im Juli letzten Jahres in der Türkei zu stecken. Gülen lebt in Pennsylvania, und die USA machen keinerlei Anstalten, ihn auszuweisen, wie es sich die türkische Regierung wünschen würde.

Fethullah Gülen in seinem Haus in den USA
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Fethullah Gülen lebt in den USA.

NATO-Alliierter und Freund

Angesichts derartiger Konflikte könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Türkei und die USA mehr trennt als verbindet. Doch dem ist nicht so: Die Türkei sei nicht nur ein NATO-Alliierter sondern auch ein Freund der USA in einer turbulenten Weltregion, sagt Außenminister Tillerson.

Es ist im amerikanisch-türkischen Verhältnis eben nicht anders als in anderen Beziehungen auf internationaler Ebene: Auch wenn man sich in manchen Punkten streiten mag, so braucht man sich doch in anderen Punkten.

Erdogan bei Trump: Zwei Alphatiere auf Kollisionskurs
Rolf Büllmann, ARD Washington
16.05.2017 00:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2017 um 04:43 Uhr.

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