NDR-Satire erregt türkische Regierung "Erdowie, Erdowo, Erdogan" hat Folgen

Stand: 29.03.2016 09:46 Uhr

Zur Pressefreiheit und zur Satire hat die türkische Regierung ein eher gespaltenes Verhältnis. Nun wurde der deutsche Botschafter ins Außenministerium zitiert - wegen eines Musikclips der Sendung extra 3 im Ersten, der sich über Präsident Erdogan lustig macht.

Das türkische Außenministerium hat den deutschen Botschafter wegen eines satirischen TV-Beitrags einbestellt. Der Diplomat musste sich nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios bereits am vergangenen Dienstag in einem längeren Gespräch rechtfertigen.

Dabei ging es um eine knapp zweiminütige Satire aus der Sendung extra 3 über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. In dem Beitrag heißt es unter anderem: "Er lebt auf großem Fuß, der Protz vom Bosporus". Auch wurden die jüngsten Angriffe auf die Pressefreiheit in der Türkei in dem Beitrag thematisiert. So hieß es: "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast."

Das Auswärtige Amt hat sich zu dem Vorgang bislang nicht offiziell geäußert. Die Sendung läuft regelmäßig im NDR-Fernsehen und einmal im Monat im Ersten.

Sevim Dagdelen @SevimDagdelen
Dieses grandiose Video von @extra3 ärgerte #Erdogan so sehr, dass der dt. Botschafter in Ankara einbestellt wurde �� https://t.co/6OGJmOim7O

extra3-Clip zum "Boss vom Bosporus"
tagesthemen 23:15, 28.03.2016

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EU beklagt zunehmenden Druck auf Medien

Kritiker im In- und Ausland werfen Erdogan und der Regierung in Ankara vor, mit immer drastischeren Mitteln gegen kritische Journalisten und Medien vorzugehen. Auch die EU beklagt einen zunehmenden Druck auf die Medien in dem Beitrittsbewerberland. Die türkische Regierung weist die Vorwürfe zurück. Zudem brachte Erdogan zuletzt neben Journalisten und Bloggern auch vermehrt einfache Bürger, darunter auch Jugendliche, wegen "Präsidentenbeleidigung" vor Gericht.

Zuletzt wurden in Istanbul der Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet" und der Leiter des Hauptstadt-Büros der Zeitung vor Gericht gestellt. Ihnen wird unter anderem Spionage und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Hintergrund der Anklage ist ein Bericht des Blattes über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an Extremisten in Syrien aus dem vergangenen Jahr.

Mehrere diplomatische Vertreter, darunter der deutsche Botschafter Martin Erdmann und der britische Generalkonsul, hatten am Freitag den Beginn des Prozesses beobachtet. Sie waren daraufhin von Erdogan scharf kritisiert worden.

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