Der türkische Präsident Erdogan vor der AKP-Fraktion in Ankara | Bildquelle: AFP

Nach Kritik aus Berlin Erdogan attackiert Gabriel scharf

Stand: 19.08.2017 19:12 Uhr

"Beachten Sie Ihre Grenzen!" - der türkische Präsident Erdogan hat mit heftiger Rhetorik auf Kritik aus Berlin reagiert. Sein Zorn richtete sich besonders gegen Außenminister Gabriel. Hintergrund ist Erdogans umstrittener Aufruf an Deutsch-Türken, weder CDU, SPD noch Grüne zu wählen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Bundesaußenminister Sigmar Gabriel in einer scharfen persönlichen Attacke vor weiterer Kritik an der Türkei gewarnt. "Er kennt keine Grenzen", kritisierte Erdogan in einer im Fernsehen übertragenen Rede. An Gabriel gerichtet fügte Erdogan hinzu: "Wer sind Sie, dass Sie mit dem Präsidenten der Türkei reden? Beachten Sie Ihre Grenzen!"

Auch kritisierte Erdogan, Gabriel versuche, "uns eine Lektion zu erteilen". Wiederum an den Bundesaußenminister gerichtet fügte er hinzu: "Wie lange sind Sie eigentlich in der Politik? Wie alt sind Sie?"

Mit seiner Kritik reagierte Erdogan offenbar darauf, dass sich Gabriel - wie andere deutsche Politiker auch - jede Einmischung des türkischen Präsidenten in den deutschen Wahlkampf verbeten hatte. Erdogan hatte türkischstämmige Wähler in Deutschland zuvor aufgefordert, bei der Bundestagswahl im September nicht CDU, SPD oder Grüne zu wählen.

"Sehr arrogante Reaktion aus Deutschland"

Vor Erdogans heutiger Ansprache hatte schon Vize-Ministerpräsident Bekir Bozdag Kritik geübt. Er bezog sich ebenfalls auf die deutsche Kritik an Erdogans Boykottaufruf. Dieses Statement sei "sehr offen und klar" gewesen und habe sich ausschließlich an die türkischstämmigen Wähler gerichtet. In Deutschland sei darauf "sehr respektlos" und "sehr arrogant" reagiert worden.

Erdogan hatte seine Wahlempfehlung gegen die CDU, die SPD und die Grünen am Freitag damit begründet, dass sie "alle Feinde der Türkei" seien. Die Bundesregierung verbat sich daraufhin jegliche Einmischung in den deutschen Wahlkampf. "Wir erwarten von ausländischen Regierungen, sich nicht in unsere inneren Angelegenheiten einzumischen", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Gabriel warf Erdogan einen "einmaligen Eingriff in die Souveränität unseres Landes" vor.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz kritisierte, Erdogan habe "jedes Maß verloren". Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir sagte, seine Partei werde "dafür arbeiten, dass der Einfluss von Erdogan auf Deutsch-Türken in unserem Land gestoppt wird".

Weiter Kritik an Haltung zum türkischen Referendum

Vize-Ministerpräsident Bozdag, der zugleich Regierungssprecher ist, kam noch einmal auf den Disput um das türkische Referendum vom 16. April zurück, das mit einer knappen Mehrheit für die Einführung eines Präsidialsystems und größere Vollmachten für Erdogan ausgegangen war. Damals sei es "sehr klar" gewesen, dass die Bundesregierung sich gegen die Annahme der Reform ausgesprochen habe, sagte Bozdag.

Er wiederholte auch die Kritik Erdogans, dass Deutschland die PKK und die Anhänger der Gülen-Bewegung unterstütze, die von Ankara für den Putschversuch vor einem Jahr verantwortlich gemacht wird.

Präsident Erdogan ätzt gegen Außenminister Gabriel
Reinhard Baumgarten, ARD Istanbul
19.08.2017 22:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. August 2017 um 20:00 Uhr.

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