Der türkische Präsident Erdogan | Bildquelle: dpa

Erdogan kritisiert Auftrittsverbot "Deutschland begeht Selbstmord"

Stand: 05.07.2017 16:58 Uhr

Unmittelbar vor dem G20-Gipfel hat der türkische Präsident Erdogan den Ton gegenüber der Bundesregierung verschärft. In einem Interview kritisiert er den Umgang mit dem Fall Yücel und das Auftrittsverbot. "Deutschland begeht Selbstmord", so der Präsident.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Bundesregierung wenige Tage vor dem G20-Gipfel in Hamburg scharf angegriffen. "Deutschland begeht Selbstmord. Das ist politischer Selbstmord", sagte er in einem in Teilen vorab veröffentlichten Gespräch mit der "Zeit". Er kritisierte, am Rande des Gipfels nicht vor Landsleuten auftreten zu dürfen. "Deutschland muss diesen Fehler korrigieren", forderte er.

In dem Interview warf er der Bundesregierung auch Terrorunterstützung vor. Er bezog sich dabei auf die Ablehnung türkischer Forderungen, Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen auszuliefern: "Ich habe sie von Frau Merkel gefordert, warum werden sie uns nicht zurückgegeben?" Solange dies nicht geschehe, werde die Türkei Deutschland als ein Land ansehen, das Terroristen schütze.

"Wir brauchen einander"

Deniz Yücel
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Seit mehr als 140 Tagen in der Türkei inhaftiert: der deutsch-türkische Journalisten Deniz Yücel.

Im Fall des seit mehr als 140 Tagen in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel erklärte Erdogan, er könne nicht verstehen, dass man sich so sehr für eine Person einsetze. "Dass Frau Merkel überhaupt die Rettung eines Terrorverdächtigen auf die Tagesordnung bringt, war für mich auch sehr, sehr sonderbar." Yücel habe Terroristen interviewt und damit Beihilfe zu deren Propaganda geleistet. Das werde auch "von den Anklageorganen überall auf der Welt" so bewertet.

Gleichzeitig betonte der Präsident die Bedeutung der türkisch-deutschen Beziehungen angesichts der gemeinsamen Mitgliedschaft in der NATO, der Handelsbeziehungen und der drei Millionen Türken, die in Deutschland leben: "Wir brauchen einander", sagte er. "Wir müssen das bewahren." Zu seinen persönlichen Beziehungen zu Kanzlerin Angela Merkel sagte er: "Ich habe kein Problem mit der Kanzlerin." Gleichwohl merkte er an, dass die Beziehungen in der Regierungszeit von SPD-Kanzler Gerhard Schröder "sehr anders" gewesen seien. Er vermisse diese Zeit. "Ich hoffe, dass wir wieder dahin kommen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juli 2017 um 17:00 Uhr.

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