Eine Frau aus El Salvador weint, weil sie in den USA ihren Schutzstatus verlieren wird. | Bildquelle: AP

Salvadorianer in den USA Neues Ziel Kanada?

Stand: 10.01.2018 05:42 Uhr

Ihre Zukunft in den USA ist ungewiss: Der Schutzstatus Zehntausender Salvadorianer endet im September 2019. So hat es die US-Regierung beschlossen. In Kanada rechnet man nun damit, das neue Anlaufziel dieser Menschen zu sein.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Einen "Test für das Einwanderungssystem", so nennt es der kanadische Sender CBC. Die Zeitung "The Star" aus Toronto spricht von der womöglich "nächsten Welle von Asylbewerbern".

Es geht um Menschen aus El Salvador, die nach verheerenden Erdbeben in ihrer Heimat in die USA gekommen waren. Noch genießen sie dort einen besonderen Schutzstatus. Doch der soll im September kommenden Jahres enden, wie die Regierung von Präsident Trump jetzt angekündigt hat. Kanada rechnet damit, die nächste Fluchtstation zu sein. Grenzschützer Jean-Pierre Fortin entwirft ein Bild von bis zu 600 Menschen pro Tag an der US-kanadischen Grenze.

Gerüchte reichten aus

Der Präsident der kanadischen Gewerkschaft für Einwanderungs- und Zollbeamte erinnert an vergangenes Jahr. Damals waren es Haitianer, die aus den USA nach Kanada kamen - es hatten allein Gerüchte ausgereicht, ihr Schutzstatus könnte enden. Hunderte kamen pro Tag. Selbst das Olympiastadion in Montreal diente als Notunterkunft, so berichtete der Sender CTV Mitte vergangenen Jahres.

Die Opposition machte Premier Justin Trudeau persönlich verantwortlich. Er habe falsche Hoffnungen genährt, sagte Michelle Rempel von der Konservativen Partei schon damals. Trudeau steht als Anti-Trump für eine Kultur der Vielfalt und des Willkommens. Er twitterte mit dem Hashtag "Welcome to Canada", während sein südlicher Nachbar einen Einreisebann verhängte.

Ralph Goodale, Kanadas Minister für öffentliche Sicherheit, warnt nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres nun vor überzogenen Erwartungen. "Eine illegale Einreise nach Kanada ist keine Freikarte für unser Land. Es gibt einen strengen rechtlichen Ablauf, der hier greift", sagte Goodale.

USA gilt als sicheres Drittland

Kanada hat ein Einwanderungsabkommen mit den USA. Die gelten danach als sicheres Drittland. Flüchtlinge von dort können direkt zurück gesandt werden - ein Verfahren, das allerdings nicht greift, wenn jemand jenseits von Grenzkontrollen bereits ins Land gekommen ist.

Von den bislang eingereisten Haitianern seien lediglich acht Prozent als Asylbewerber anerkannt worden, hat die kanadische Regierung jetzt erklärt. Gewerkschaftsvertreter Jean-Pierre Fortin erwartet, dass die Arbeit an der Grenze nach der Entscheidung von Trump auf eine echte Bewährungsprobe gestellt werden könnte: "Wie will man - zumal im Winter - vorbereitet sein auf eine Krise dieses Ausmaßes?"

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Januar 2018 um 05:44 Uhr.

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