Kiosk-Besitzer Maria José und Augustín | Bildquelle: dpa

"El Gordo" Arbeiterviertel zieht das große Los

Stand: 22.12.2016 18:10 Uhr

In Spanien ist die traditionelle Weihnachtslotterie zu Ende gegangen. Bei der Ziehung im Opernhaus von Madrid wurden über zwei Milliarden Euro ausgeschüttet. Im nur wenige Kilometer entfernt liegenden Arbeiterviertel Acacias kennt die Freude keine Grenzen.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Um 11.57 Uhr ist es soweit: Der Hauptgewinn, der "Gordo", ist gezogen. Maria José und Augustín stockt der Atem. Die beiden betreiben eine Lottoannahmestelle in Acacias, einem Arbeiterviertel in Madrid. Die Nummer 66513 ist in ihrem Kiosk über den Tisch gegangen. "Das ist ein tolles Gefühl, so viele Menschen glücklich zu machen. So viele Familien, so viele Häuser! Viele hier können das Geld gut gebrauchen. Wir sind sehr glücklich", sagt Augustín.

Die Kioskbesitzer haben viel Grund, glücklich zu sein. Zum einen haben sie sich selbst auch ein Los zur Seite gelegt - die Haushaltskasse ist jetzt um 320.000 Euro reicher. Zum anderen werden sie ihren Kiosk künftig mit einem Schild schmücken können, auf dem steht, dass hier der "Gordo" gezogen wurde. Das wird für einen Kundenandrang sorgen. Schon heute gibt es vor ihrem Laden kaum noch einen freien Meter. Fernsehteams sind ebenso gekommen wie Gewinner, die mit Sekt anstoßen.

"El Gordo": Weihnachtslotterie in Spanien
tagesschau 17:00 Uhr, 22.12.2016

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Bestätigung kam übers Handy

Auch Vicente ist hierher geeilt. "Ich bin überwältigt. Mein Chef wird mich umbringen, weil ich eigentlich hätte arbeiten müssen, aber ich habe jetzt mal eine Pause eingelegt", sagte Vincente, der bei einem Gasversorgungs-Unternehmen angestellt ist. "Ich wohne zur Miete, lebe getrennt und habe ein Kind, das eine Behinderung hat. Für uns wird das Leben jetzt einfacher. Ich will mir jetzt kein neues Haus kaufen. Ich will nur, dass es meiner Familie in Zukunft an nichts fehlt."

Vicente kann sein Glück noch nicht fassen. Auch Elena muss sich immer wieder die Tränen aus den Augen wischen, auch sie besitzt eines der Zehntellose. "Ich habe gerade mit meinem Mann telefoniert, als die Kinder die Nummer sangen", erzählt Elena. "Ich habe gesagt: 'Ich glaube, ich habe die Nummer!' Ich habe nachgeschaut - und dann kam die Bestätigung übers Handy."

Elena braucht das Geld dringend. Bis vor zwei Jahren betrieb sie eine Konditorei, die sie schließen musste. Seitdem ist sie arbeitslos. "Ich will jetzt meine Hypothek abbezahlen und einfach nur leben. Wir haben schlimme Zeiten durchgemacht. Wir haben uns das verdient."

"Das fühlt sich ganz komisch an"

400.000 Euro sind beim "Gordo" normalerweise das höchste der Gefühle. So viel ist ein sogenanntes "Decimo" wert, ein Zehntellos. Davon müssen die Gewinner noch einmal 20 Prozent Steuern berappen - bleiben 320.000 Euro. Kaum jemand kauft sich ein ganzes Los, denn das kostet immerhin 200 Euro. Ein "Decimo" nur 20 Euro.

Matias hat alles auf eine Karte gesetzt und gleich drei "Decimos" mit der Siegernummer gekauft. 42 Jahre lang hat er in einem Fischrestaurant als Keller gearbeitet. Seit heute ist er um 960.000 Euro reicher. "Das fühlt sich ganz komisch an. Ich habe das wahrscheinlich erst in ein paar Stunden verdaut", sagt Matias. "Ich weiß noch nicht, was ich mit dem Geld machen werde. Ich gehe jetzt erst einmal nach Hause, hole meine Frau und meine Tochter ab und dann besuchen wir meine andere Tochter. Und dann sehen wir weiter."

El Gordo - Der Gewinn geht nach Madrid
Marc Dugge, ARD Madrid
22.12.2016 16:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Dezember 2016 um 17:00 Uhr.

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