Der mexikanische Drogenboss Guzmán | Bildquelle: dpa

"El Chapo" an USA überstellt Mit freundlichen Grüßen aus Mexiko

Stand: 20.01.2017 10:41 Uhr

Kurz vor der Amtseinführung von Donald Trump hat Mexiko den Drogenbaron "El Chapo" an die USA überstellt. Dort erwartet ihn eine Anklage wegen Mordes, Entführung, Drogenschmuggel und Geldwäsche. Ist die Auslieferung ein Einstandsgeschenk für Trump?

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko

Die Auslieferung des "Chapo" kam nicht überraschend. Bemerkenswert ist jedoch der Zeitpunkt - nur einen halben Tag vor der Amtseinführung Donald Trump als US-Präsident. Schon im Mai 2016 hatte Mexiko dem Auslieferungsantrag des Nachbarn im Norden zugestimmt.

Viele Monate vergingen, weil die Justiz den Einspruch der Anwälte des Sinaloa-Kartellchefs bearbeiten musste - Zeit, in der Joaquín "El Chapo" Guzmán immer wieder Schlagzeilen machte: Weil er sich über die schlechte Behandlung im Hochsicherheitsgefängnis beschwerte, über Depressionen klagte, über fehlende Decken und schlechtes Essen.

"Mein Mann ist krank"

Seine Frau, die frühere Schönheitskönigin Emma Coronel, unterstützte ihn dabei. "Sie sagen, die bestrafen ihn nicht, aber natürlich tun sie das", beschwerte sich Coronel. Darum gehe sie an die Öffentlichkeit: "Mein Mann ist krank. Sie spielen mit seiner Gesundheit. Sie lassen ihn nicht schlafen. Die Wächter sind 24 Stunden vor seiner Zelle mit einer Gittertür, schauen rein und machen Lärm. Sie haben Hunde, die dort sogar ihr Geschäft erledigen."

Die schöne Ehefrau im Fernsehen, die Spekulationen über eine Affäre mit der Schauspielerin Kate del Castillo - Guzmán lieferte Mexiko reichlich Stoff für Filme, Serien und Bücher und für das ganz eigene musikalische Genre - den Narcocorrido, die Drogenhändler-Balladen.

El Chapo an die USA ausgeliefert
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko-Stadt
20.01.2017 09:34 Uhr

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Ein mächtiges Kartell und korrupte Behörden

Der Höhepunkt der Karriere des "Chapo" war sein zweiter Gefängnisausbruch. Durch ein Loch im Fußboden seiner Zelle und durch einen anderthalb Kilometer langen Tunnel entkam er angeblich unbemerkt. Die Flucht offenbarte, wie korrupt mexikanische Behörden einerseits und wie reich und mächtig das Sinaloa-Kartell andererseits sind.

Für die Regierung war die Blamage nicht zu steigern. Erst ein Jahr nach dem Ausbruch schnappten Sicherheitskräfte den Schwerverbrecher in einem Ort am Pazifik. Angeblich hatte der US-Schauspieler Sean Penn die Behörden unbeabsichtigt auf die Spur gebracht. Penn stand im Kontakt zu Guzmán und veröffentlichte kurz vor der Verhaftung ein Gespräch im "Rolling Stone" mit dem Kartellchef, für das er in Mexiko heftig kritisiert wurde. Mit einheimischen Journalisten wollte Guzmán nie sprechen.

"El Chapo" machte eine steile Gangsterkarriere und schmuggelte Tonnen von Drogen in die USA. Seit deren Auslieferungsbegehren blühen in Mexiko die Spekulationen darüber, dass Guzmán über Politiker auspacken könnte, die mit dem organisierten Verbrechen kooperieren. Guzmán ist nicht der erste Drogenboss, der ausgeliefert wird, aber der dickste Fisch. Ob er ein Abschiedsgeschenk für Obama oder Antrittsgeschenk für Trump ist, das wird noch diskutiert.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Januar 2017 um 11:00 Uhr.

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