Der ausgetrocknete Lake McClure in Kalifornien | Bildquelle: AFP

Anhaltende Dürre in Kalifornien Wasser sparen - aber wie?

Stand: 11.04.2015 08:46 Uhr

Wegen der anhaltenden Dürre müssen die Kalifornier ihren Wasserverbrauch reduzieren. Die Frage ist nur: Wie? Aufklärungskampagnen helfen nur bedingt. Denn 80 Prozent des Wassers fließt in die Landwirtschaft - die aber ist von Einsparungen ausgenommen.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Jerry Brown ist ein nüchterner Mann. Mit seinen 76 Jahren und in der mittlerweile vierten Amtszeit als kalifornischer Gouverneur hat er schon einige Erfahrung mit Krisensituationen gemacht. Doch diese Woche wählte er in Bezug auf die Dürre drastische Worte: "Der Klimawandel ist kein Scherz", sagte er im Interview mit dem Fernsehsender ABC. "Wir haben hier damit zu kämpfen, und die Lage ist verdammt ernst."

Noch verdurstet in Kalifornien niemand - aber in Gegenden wie Porterville im Central Valley sind bereits einige hundert Haushalte von Wasserlieferungen in Kanistern abhängig. Ihre privaten Brunnen sind seit Monaten ausgetrocknet.

Vorgabe: 25 Prozent Einsparungen

Nun hat der Gouverneur den fast 39 Millionen Bürgerinnen und Bürgern im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA drastisches Wassersparen verordnet: Sie müssen ihren Verbrauch um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr reduzieren. Zum ersten Mal nicht als Wunsch oder Empfehlung, sondern verpflichtend. Denn die Kalifornier sind keine Meister im Wassersparen. Zeitgesteuerte Bewässerungsanlagen sind typisch für die Region, der grüne Rasen vorm Haus bürgerliches Statussymbol - dabei liegt zum Beispiel Los Angeles auf demselben Breitengrad wie Tunis in Nordafrika. Rasen hat hier eigentlich nichts zu suchen.

Luftbilder von Sierra Nevada | Bildquelle: dpa
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Die Luftbilder zeigen die Schneedecke auf der Sierra Nevada 2013 (links) und 2014 - bis heute ist sie nicht wieder angewachsen. Der Schnee im Gebirge ist normalerweise der Wasservorrat für den kommenden Sommer. Diesen Vorrat gibt es diesmal nicht.

Während der durchschnittliche Deutsche um die 120 Liter Wasser am Tag verbraucht, sind es in Kalifornien mehr als 450 Liter pro Kopf und Tag. "Wir müssen das Problem der Dürre gemeinsam lösen", sagt Eric Garcetti, Bürgermeister von Los Angeles. Die Stadt schreibt schon seit Jahren vor, an welchen Wochentagen die Bürger ihren Garten wässern dürfen. "Die Regierung muss ihren Teil beitragen, aber vor allem die vier Millionen Einwohner dieser Stadt. Sie können ihren Rasen abschaffen, den Pool gegen das Verdunsten abdecken oder gemeinsam mit einem Freund duschen." Er könne nicht glauben, dass das mit dem Duschen wirklich in seinem Redemanuskript stehe, schiebt Garcetti nach.

Rasen grün ansprühen statt wässern

Die Stadt Los Angeles zahlt ihren Bürgern bares Geld, wenn sie ihren Rasen vertrocknen lassen. Oder sie wählen die Hollywood-Lösung und rufen Profis wie die Firma LawnPaint. Inhaberin Kerri McCoy rückt mit ihrem Truck an und besprüht den braunen Rasen einfach mit grüner Farbe. Sie habe eine geheime Zutat, die den Rasen ganz natürlich aussehen lasse, sagt McCoy. Ihre Farbe sei auf pflanzlicher Basis und ungiftig. Etwas mehr als 200 Euro kostet das Sprühfärben von 1.000 Quadratmetern Rasen - und soll drei Monate halten.

Landwirtschaft ausgenommen

Kritik gibt es dafür, dass die Landwirtschaft von den Sparvorgaben nahezu ausgenommen ist. Kalifornien ist so etwas wie der amerikanische Obst- und Gemüsekorb - hier wachsen zum Beispiel 90 Prozent des Brokkolis und Blumenkohls der gesamten USA - und vier von fünf Mandeln in aller Welt stammen aus Kalifornien. Dafür benötigt aber alleine die Mandelproduktion so viel Wasser wie alle Einwohner von San Francisco und Los Angeles zusammengenommen. Die Landwirtschaft verbraucht 80 Prozent des kalifornischen Wassers - stellt aber nur 2 Prozent der Wirtschaftsleistung - auf den Feldern arbeiten viele Tagelöhner aus Mexiko zu minimalen Löhnen.

Gouverneur Brown verteidigt die Landwirte: "Natürlich könnten wir ihnen das Wasser abdrehen und die Lebensmittel dann von anderswo importieren - aber das würde Hunderttausende Feldarbeiter von hier vertreiben." Wer als Tourist nach Kalifornien reist, sieht die Dürre an bewusst vertrockneten öffentlichen Rasenflächen, an den großen Hinweistafeln, die überall zum Wassersparen mahnen. Restaurants stellen den Gästen künftig nicht mehr ungefragt randvolle Wassergläser auf den Tisch. Wer durstig ist, kann danach fragen und bekommt das Wasser wie früher kostenlos. Die neue Regel soll vermeiden, dass jeden Tag zahllose Liter Wasser einfach ungenutzt in den Ausguss wandern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10 April 2015 um 20:00 Uhr.

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