Hinweis auf eine Doping-Kontrollstelle in Sotschi (Archiv) | Bildquelle: dpa

"New York Times"-Bericht Russland gibt systematisches Doping zu

Stand: 28.12.2016 12:07 Uhr

Die Chefin der russischen Anti-Doping-Agentur hat erstmals systematisches Doping eingeräumt. Es war eine "institutionelle Verschwörung", sagte Anzeliowitsch der "New York Times". Der Kreml kündigte an, zu prüfen, ob Anzeliowitsch korrekt zitiert worden sei.

Die russische Anti-Doping-Agentur Rusada hat laut "New York Times" erstmals die Vertuschung systematischen Dopings im Gastgeberland der Olympischen Winterspiele 2014 zugegeben. "Es war eine institutionelle Verschwörung", sagte die Rusada-Chefin Anna Anzeliowitsch der US-Zeitung. Sie sei schockiert gewesen von den Enthüllungen dazu, die Regierung sei jedoch nicht involviert gewesen.

Laut "New York Times" wurden mehrere Offizielle ausführlich interviewt.

Kreml will Aussagen prüfen

In einer ersten Stellungnahme erklärte der Kreml, er wolle prüfen, ob Anzeliowitsch in dem Artikel korrekt zitiert worden sei. Die russische Regierung werde untersuchen, ob die Chefin der Anti-Doping-Agentur diese Worte tatsächlich benutzt und in welchem Kontext sie diese gesagt habe, so Kreml-Sprecher Dimitri Peskov. Erst dann wolle man sich zu der Angelegenheit selbst äußern.

WADA deckte Doping-Skandal auf

Der Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard McLaren, hatte Russland in seinen beiden 2016 vorgelegten Berichten Staatsdoping vorgeworfen und von einer "institutionellen Verschwörung" über mehrere Jahre und sportliche Großereignisse hinweg gesprochen. Es seien Beweise für die Vertuschung von Doping-Fällen bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gefunden worden. Das russische Sportministerium habe die Manipulationen "geleitet, kontrolliert und überwacht", sagte McLaren. Auch der russische Inlandsgeheimdienst FSB und das Trainingszentrum der russischen Top-Athleten seien an den massiven Betrügereien beteiligt gewesen.

McLarens zweiter Report hatte die Vorwürfe gegen Russland diesen Monat nochmals erhärtet. Moskau habe über alle Behörden und Institutionen hinweg den Sportbetrug unterstützt und gefördert.

"Vize-Premier Mutko muss zurücktreten"

ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt bezeichnete das Eingeständnis als einen kleinen Meilenstein. Russland hätte die Flucht nach vorn angetreten. Es handele sich aber eindeutig um staatliches Doping. Jetzt müsse der Vize-Ministerpräsident und ehemalige Sportminister Russlands, Witali Mutko, zurücktreten.

Doping-Experte Hajo Seppelt, WDR, mit einer Einschätzung
Morgenmagazin, 28.12.2016

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Russland hatte die Vorwürfe bislang stets zurückgewiesen. "In Russland hat es nie ein staatliches Dopingsystem oder Doping-Unterstützung gegeben, das ist einfach unmöglich", sagte der russische Präsident Wladimir Putin zuletzt.

"Wir haben eine Menge Fehler gemacht"

Putin hatte im Juli die Gründung einer neuen Anti-Doping-Kommission in Russland angeordnet. Deren Chef Witali Smirnow sagte nun der "New York Times": "Aus meiner Sicht, als früherer Sportminister und Präsident des Olympischen Komitees, haben wir eine Menge Fehler gemacht." Man müsse die Gründe dafür finden, warum junge Sportler Doping-Mittel nähmen und sich für diesen Weg entscheiden würden.

Das Internationale Olympische Komitee leitete kurz vor Weihnachten ein Disziplinarverfahren gegen 28 russische Teilnehmer der Spiele in Sotschi wegen Dopingverdachts ein. Der Ski-Weltverband und der Biathlon-Weltverband sperrten daraufhin einige russische Athleten vorläufig.

Zudem werden  die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften 2017 nicht wie geplant in Sotschi stattfinden. Der Weltverband IBSF entzog Russland nach der Veröffentlichung des zweiten Teils des McLaren-Reports die WM.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Dezember 2016 um 01:15 Uhr.

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