Nicolas Sarkozy bei einer Wahlkampfveranstaltung der konservativen UMP. | Bildquelle: AFP

Départementswahlen in Frankreich Sarkozy - der lachende Dritte

Stand: 23.03.2015 08:33 Uhr

Frankreichs linke Regierung und die rechtsextreme Opposition lieferten sich heftige Duelle, doch die Wähler tendierten in die Mitte: Die UMP von Ex-Präsident Sarkozy hat die Regionalwahlen gewonnen. Dennoch: Auch Le Pens Front National legte zu.

Von Andreas Teska, ARD-Hörfunkstudio Paris

Das Schöne am französischen Wahlrecht ist, dass jeder einigermaßen geschickte Politiker sich eine Art Wahlsieg zurechtlegen kann. Das war am Wahlabend einmal wieder zu bewundern.

Als erster feierte sich der Premierminister: Manuel Valls hielt sich nicht lange mit dem bescheidenen Ergebnis seiner Sozialisten auf, das er als achtbar bezeichnete. Viel wichtiger sei etwas ganz anderes: "Heute ist die extreme Rechte, auch wenn sie zu viele Stimmen bekommen hat, nicht die stärkste politische Kraft in Frankreich. Dazu beglückwünsche ich mich, denn dafür habe ich mich persönlich eingesetzt", so Valls.

In der Tat erwiesen sich die Prognosen als falsch. Der Front National hat eindeutig das Ziel verfehlt, wie bei der Europawahl stärkste Partei zu werden. Das aber hinderte Marine le Pen keineswegs daran, das Ergebnis ihrer rechtsextremen Partei als sensationellen Erfolg zu verkaufen. Schließlich hatte der Front National bisher gerade mal einen einzigen Abgeordneten in den Departements, jetzt könnten es dutzende werden.

Le Pen fordert Valls Rücktritt

Kurzerhand forderte Le Pen den Premierminister zum Rücktritt auf. "Als Chef des Wahlkampfs und sogar Anführer eines Clans muss Valls jetzt auf die Botschaft der Wahlurnen hören und den Anstand aufbringen, seinen Rücktritt einzureichen", sagte Le Pen.

Lachender Dritter beim Duell zwischen linker Regierung und rechtsextremer Radikalopposition ist das bürgerliche Lager. Die meisten Stimmen im ersten Wahlgang holte die UMP von Nicolas Sarkozy.

Dass der 2017 erneut für das Amt des Staatspräsidenten kandidieren will, ist ein offenes Geheimnis. Die lokalen Abstimmungen betrachtet er als wichtige Zwischenetappe auf dem Weg dorthin. Der Wechsel im Land sei nicht mehr aufzuhalten: "Wenn sich unsere Landsleute massiv von der Linken abgewendet haben, dann deshalb, weil sie das Gefühl haben, dass sie seit drei Jahren ständig belogen werden."

Sarkozy kann davon ausgehen, dass seine Partei am nächsten Sonntag zahlreiche Départements erobern wird, die bisher von den Sozialisten gehalten werden.

Valls will Front National aufhalten

Dabei zeichnen sich im Kampf gegen den Front National für den zweiten Wahlgang unterschiedliche Strategien ab. Premierminister Valls rief die Wähler dazu auf, den Front National in allen Stichwahlen aufzuhalten. Dazu sollen die Anhänger der Linken dort, wo keine Sozialisten mehr antreten, für die Kandidaten der Konservativen stimmen.

Eine umgekehrte Wahlempfehlung lehnte Sarkozy dagegen ab. Wo seine Partei in der zweiten Runde nicht mehr im Rennen sei, sollten ihre Wähler weder für den Front National stimmen noch für die Sozialisten. Damit stellte Sarkozy erneut die linke Regierung von Staatspräsident François Hollande auf eine Stufe mit den Rechtsextremisten.

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