Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny | Bildquelle: dpa

Proteste gegen Korruption in Russland Demos erlaubt, aber ...

Stand: 12.06.2017 12:16 Uhr

Der Kremlkritiker Nawalny hat zu Protesten gegen Korruption in ganz Russland aufgerufen. Im März waren bei einer ähnlichen Kundgebung Tausende Menschen festgenommen worden. Diesmal sind die Demos genehmigt, aber die Behörden legen Steine in den Weg.

Von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau

Heute ist Feiertag - der sogenannte "Tag Russlands" - und für heute hat Kremlkritiker Alexej Nawalny im ganzen Land zu Kundgebungen aufgerufen. Die meisten sind genehmigt worden. Im Osten des Landes - in Wladiwostok oder Barnaul, wo der Mittag schon rum ist, sind Hunderte Demonstranten zusammengekommen.

Der Koordinator der Demo in Chabarowsk, Alexej Worsin, berichtet: "Wir waren insgesamt ungefähr 2000. Wir versuchten, alle Altersgruppen ans Mikro zu bringen. Es traten sowohl Rentnerinnen mit 80 Jahren auf, als auch junge Leute, sogar Schüler. Alle sprachen über die Fragen, die uns am Herzen liegen: über die örtlichen Probleme, aber auch über die Korruption und ihre Wirkung hier im fernen Osten."

Tausende Festnahmen im März

Bei der Kundgebung im März wurden Tausende Menschen festgenommen, vor allem in Moskau. Die Behörden hatten sie dort nicht genehmigt. Auch Initiator Nawalny saß etwa zwei Wochen in Haft. Diesmal sind beide Seiten vorbereitet: Die Demo in Moskau ist erlaubt - allerdings nur entlang einer Straße in einem Moskauer Büro-Viertel.

Aktivist Nawalny will aber ins Zentrum. Vom Pushkin Platz - wie das letzte Mal - bis zum Kreml spazieren. Das haben die Behörden nicht genehmigt. Und sie legen indirekt noch andere Steine in den Weg, erklärt der Aktivist: bei der Bühnentechnik für Reden und Filme: "Wir haben alle Event-Veranstalter angesprochen, auch die, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten. Wir haben ihnen Geld über dem üblichen Marktpreis geboten. Aber alle, die zunächst einverstanden waren, riefen nach einer Zeit an und sagten ab. Sie berichteten: Wir sind unter Druck, uns wurde direkt gesagt, dass wenn wir bei der Antikorruptions-Demo mitmachen, können wir in Moskau überhaupt nicht mehr arbeiten."

Indizien gegen Premierminister Medwedjew

Nawalny möchte für die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr kandidieren und tritt offen gegen den Kreml auf. Vor allem mit einem Video auf seinem Blog im Internet. Das haben mittlerweile mehr als 20 Millionen Menschen geklickt. Darin trägt der Regierungskritiker Indizien dafür zusammen, dass sich Premierminister Medwedjew mit Bestechungsgeldern Villen und Weinberge gekauft haben soll.

Aus diesem Vorwurf zog die russische Führung aber keine Konsequenzen. Deshalb ruft Nawalny zu Protesten gegen Korruption auf. Die jungen Menschen, die im März dabei waren, wurden hinterher von ihren Lehrern und Professoren befragt, erklärt die Politologin Jekaterina Schulman. Die Ermittlungsbehörden untersuchten ihre Teilnahme.

Song gegen Demo-Teilnahme

Und im Internet tauchte ein Song auf, der Jugendliche deutlich davor warnt, zu Protesten zu gehen. In einem strengen grauen Kostüm, mit strenger Brille und Zeigestock vor einer Tafel, singt eine attraktive blonde Frau von einem "Kleinen". Ein Schüler, der dafür, dass er auf die Straße geht und protestiert, Geld bekommen habe. Die Sängerin wirft ihm vor, eine bezahlte Marionette und ein Looser zu sein. Wer Veränderungen wolle, solle bei sich selbst anfangen.

Proteste in Russland: Nawalny ruft gegen Korruption auf
S. Stöhr, ARD Moskau
12.06.2017 11:19 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Juni 2017 um 08:24 Uhr

Korrespondentin

Darstellung: