Die "Eagles of Death Metal" vor dem Anschlag im Bataclan | Bildquelle: AFP

Erstes Interview von "Eagles of Death Metal" "Viele haben sich schützend vor andere gestellt"

Stand: 24.11.2015 10:09 Uhr

Die Band spielte sieben Songs, dann begannen die Terroristen in der Pariser Konzerthalle Bataclan zu schießen - 89 Menschen wurden getötet. "Eagles of Death Metal" haben dem Online-Magazin "Vice" zum ersten Mal nach den Anschlägen ein Interview gegeben: schockiert und zutiefst bewegt.

Von Kerstin Zilm, ARD-Studio Los Angeles

Sichtlich erschüttert, blass und mit Tränen in den Augen erzählt Jesse Hughes, Frontman von "Eagles of Death Metal" im Fernsehinterview, vom Abend des 13. Novembers in der Konzerthalle Bataclan: "Mehrere Leute haben sich in unserer Umkleidekabine versteckt und irgendwie sind die Killer reingekommen. Sie haben alle umgebracht bis auf einen Jungen, der sich unter meiner Lederjacke versteckt hat."

Erst zwei Wochen vorher hatte die Europa-Tournee der Band mit einem Höhepunkt begonnen. Mit der britischen Popgruppe "Duran Duran" spielten "Eagles of Death Metal" in Dublin einen ihrer größten Hits: "Save A Prayer".

Die Band postete anschließend ein Foto vom Konzert mit Hughes auf der Bühne und Fans im Hintergrund auf Facebook. Die Unterschrift: "Von dieser Aussicht kriegen wir nie genug!" Schlagzeuger Julian Dorio ergänzte später ein Foto von sich selbst auf dem Fahrrad neben der Kathedrale von Notre Dame. Sein Kommentar: "Paris mit dem Fahrrad zu entdecken, ist mit nichts zu vergleichen."

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Anschläge auf Stadion, Konzerthalle und Cafés

Menschen hinter einer Glasscheibe blicken in ein Fussballstadion.

Die Anschlagsserie von Paris beginnt am Freitagabend gegen 21.15 Uhr. Am Fußballstadion Stade de Paris, wo zu diesem Zeitpunkt die deutsche Nationalmannschaft gegen Frankreich spielt, detonieren mehrere Sprengsätze. | Bildquelle: dpa

Inspiriert von AC/DC

Rockige Tanznummern und bluesige Hymnen zum Mitsingen sind das Markenzeichen der Band. Inspiriert sind sie von AC/DC und den Rolling Stones. Ihr Name ist nur ein Witz. Hughes und Mitgründer Joshua Homme kennen sich, seit sie als Teenager in Palm Desert zusammen zur Schule gingen.

"Sie wollen nur Freude bringen"

20 Jahre später überlegten sie bei einer Jam Session in der kalifornischen Wüste nahe dem Joshua Tree Park: Wie könnte sich eine Metal Version der Eagles anhören? So kam es zum Namen! Robyn Celia, Besitzerin eines Musikclubs in der Wüste, in der Eagles of Death Metal seit über zehn Jahren regelmäßig auftreten, sagt: "Sie nehmen sich selbst nicht zu ernst und wollen anderen nur Freude bringen. Es gibt keine bodenständigere Gruppe von Jungs als sie. Sie wissen, was für ein Geschenk es ist, von dem, was sie lieben, leben zu können."

Nach sieben Songs begannen sie zu schießen

In der Wüste sind die Bandmitglieder Teil einer Künstlergemeinde - Maler, Bildhauer, Poeten und Musiker. Innerhalb von Stunden nach dem Anschlag tauschten deren Mitglieder Informationen aus, versuchten herauszufinden, was geschehen war. Sie trauern um Nick Alexander aus London, der für das Management der Tour angestellt war.

Das Bataclan nach dem Überfall der Terroristen: Die Ankündigung des Eagles-of-Death-Metal-Konzerts ist noch zu sehen. | Bildquelle: AFP
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Das Bataclan zehn Tage nach der Terorattacke: Die Ankündigung des Eagles-of-Death-Metal-Konzerts ist noch zu sehen.

Sie erfuhren, dass die Band sieben Songs ihres Programms gespielt hatte, als die Terroristen zu schießen begannen. Sie hörten, dass sich alle Musiker in Sicherheit bringen konnten. Sie machen sich trotzdem weiter große Sorgen um die Männer, die für alle einfach nur enge Freunde sind. Clubbesitzerin Robyn Celia sagte: "Sie sind wie die größten Kinder, mit ihren Autos und Motorrädern und ihrer Musik. Sie kochen gerne für andere, laden alle ein zu ihrem Studio auf der Ranch, sind wirklich tolle Typen."

Zutiefst beeindruckt von Freundschaft und Mitgefühl

Alle wissen, dass die Band für immer durch das Erlebnis verändert sein wird, nicht aber die Freundschaften, die sie verbinden. Nicht Terror und Gewalt sondern Freundschaft und Mitgefühl sind es auch, die "Eagles for Death Metal"-Sänger Jesse Hughes am Abend in Paris am meisten beeindruckten: "So viele haben sich schützend vor andere gestellt. Ein wichtiger Grund, warum so viele gestorben sind, ist, dass so viele ihre Freunde nicht verlassen wollten."

Eagles of Death Metal
K. Zilm, ARD Los Angeles
24.11.2015 09:46 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 24. November 2015 um 08:25 Uhr im Deutschlandfunk.

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