Logo des NHS | Bildquelle: REUTERS

Nach Cyberangriff auf NHS Simple Attacke, gigantisches Ergebnis

Stand: 13.05.2017 18:24 Uhr

Der weltweite Hackerangriff hat vor allem den National Health Sevice in Großbritannien schwer getroffen. Seit dem Nachmittag läuft das System nun wieder weitestgehend normal. Der Grund für die Anfälligkeit bleibt aber: völlig veraltete IT-Programme.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Operationen mussten abgesagt, Arzttermine verschoben und Besuche in der Notaufnahme für echte Notfälle reserviert werden: Der staatliche britische Gesundheitsdienst NHS hatte bis zum Nachmittag in Teilen weiter mit den Folgen der Cyberattacke von gestern zu kämpfen.

Auch die Computer in der NHS-Praxis von Dr. Emma Fardon in Dundee in Schottland setzte der Virus außer Gefecht. Welche Folgen das für sie und ihre Patienten hatte, schilderte sie im BBC-Radio: "Wir haben keinen Zugang zu Patienteninformationen, wir können keine Laborergebnisse abrufen, wir können keine Rezepte ausstellen, wir können nicht auf die Patientengeschichte zugreifen - und wir können auch keine Termine für nächste Woche vereinbaren."

Die britische Innenministerin Amber Rudd sagte dem Sender allerdings, es gebe zurzeit keine Hinweise darauf, dass die Hacker auf Patientendaten der betroffenen rund 45 NHS-Einrichtungen zugreifen oder diese gar abgreifen konnten.

Rechner in Schottland und England betroffen

Lahmgelegt hat die Schadsoftware Rechner des NHS in England und Schottland. Nordirland und Wales dagegen kamen davon. Rudd nahm den Gesundheitsdienst in die Pflicht: "Ich erwarte, dass der NHS aus dem Angriff lernt und seine IT-Systeme besser schützt", so Rudd.

Das nationale Zentrum für Cyber-Sicherheit arbeitete nach eigenen Worten rund um die Uhr daran, das Computersystem des NHS wieder vollständig zum Laufen zu bringen und hat es nun weitestgehens geschafft. Das Zentrum gehört zum britischen Geheimdienst GCHQ. Dessen früherer Direktor für Cyber-Operationen, Brian Lord, sagte, das nationale Gesundheitssystem sei anfällig für solche Angriffe, weil sein IT-System veraltet sei. Überdies gebe es im staatlichen Gesundheitsdienst viele IT-Schnittstellen: zwischen Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten und der Verwaltung. Und das hat die Ausbreitung der Schadsoftware, die über einen sogenannten Erpressungstrojaner auf den Computern landete, offenbar beschleunigt.

Fast alle Rechner arbeiten mit alten Betriebssystemen

Medienberichten zufolge benutzt der NHS auf bis zu 90 Prozent seiner Rechner noch das Microsoft-Betriebssystem Windows XP, das aus dem Jahr 2001 stammt. Der verurteilte Hacker Jake Davis geht davon aus, dass der NHS nicht gezielt angegriffen, sondern nur zufällig getroffen wurde. Für ihn ist erschreckend, wie einfach die Attacke funktioniert hat.

Der Cyberangriff hat nicht nur den NHS in Großbritannien, sondern Unternehmen und staatliche Stellen in bis zu 100 Ländern getroffen - darunter auch die Deutsche Bahn, den spanischen Telekom-Konzern Telefonica sowie mehrere russische Ministerien.

Die US-Sicherheitsbehörde NSA hatte vor einigen Monaten die jetzt ausgenutzte Windows-Schwachstelle entdeckt. Die verwendete schädliche Software namens "WannaCry" attackierte offenbar Rechner, deren Schutz nicht auf dem neuesten Stand war. Wer hinter diesem Angriff steckt, ist bislang unklar.

Nach Cyberattacke auf den britischen NHS
S. Pieper, ARD London
13.05.2017 13:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Mai 2017 um 15:00 Uhr.

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