In einem Versuchs-Weinberg der Hochschule Geisenheim University ist am 06.08.2015 in Geisenheim (Hessen) unter einem Co2-Ausstoß-Gerät ein Messgerät zwischen den Reben aufgebaut. | Bildquelle: dpa

Treibhausgase Messen mit vielerlei Maß

Stand: 07.12.2015 14:26 Uhr

Treibhausgase sind die Währung, mit der beim Klimagipfel in Paris gehandelt wird. Doch wie wird der Ausstoß überhaupt gemessen? Lassen sich die Zahlen international vergleichen?

Von Anna Herbst, WDR.

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Der nationale Ausstoß von Treibhausgasen wird nicht gemessen, sondern berechnet. Denn wenn Kohlendioxid, Methan oder Lachgas erst einmal in der Atmosphäre sind, lässt sich nicht mehr feststellen, welche Nation wie viel von den Treibhausgasen verursacht hat.

Aber eine solche Berechnung ist ein kompliziertes Unterfangen. Wie viel heizen deutsche Haushalte? Welche Menge an Rohstoffen brauchen unsere Kraftwerke? Wie viel Müll wird produziert und wie wird er entsorgt? Wie viel CO2 speichern unsere Wälder? Und welche Brennstoffe werden im Straßen- und Flugverkehr und in der Schifffahrt verbraucht?

Emissionen werden an der Quelle gemessen

All diese Faktoren spielen bei der Berechnung des Ausstoßes von Treibhausgasen eine Rolle. Denn die Statistik erfasst die Treibhausgase am Ort ihrer Entstehung, erklärt das zuständige Umweltbundesamt auf seiner Webseite. Es müssen also möglichst alle Emissionsquellen in Deutschland aufgelistet werden. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich die riesigen Datenmengen vorzustellen, die das Umweltbundesamt dafür sammeln und auswerten muss. Der Bericht zum jährlichen Ausstoß von Treibhausgasen umfasst dann schon mal 300 bis 400 Seiten.

"Auch wenn die Berechnung immer nur eine Annäherung sein kann, ist die Methodik dazu in Deutschland sehr gut", sagt Jan Burck von der Umweltorganisation Germanwatch. International sieht das jedoch anders aus. Zwar hat der Weltklimarat IPCC einheitliche Standards für die Berechnung von Emissionen bestimmt, doch längst nicht alle Staaten halten sich daran.

Keine vergleichbaren Standards

"Nur für die 42 Staaten, die im Anhang 1 der Klimarahmenkonvention von 1992 stehen, also die damaligen Industriestaaten, sind die Standards verbindlich", sagt Burck. Die Hälfte der G20-Staaten gehört nicht dazu. Doch gerade diese Industrie- und Schwellenländer verursachen große Mengen an Treibhausgasen. Länder wie Indonesien, Argentinien oder Saudi-Arabien berechnen den nationalen Ausstoß jeweils auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichen zeitlichen Abständen.

China ist eines der Länder, das am meisten CO2 ausstößt. Eine Folge: Smog-Alarm vor einer Woche. | Bildquelle: dpa
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China ist eines der Länder, das am meisten CO2 ausstößt.

So hat China seine Berechnung beispielsweise erst kürzlich korrigiert. Wie die "New York Times" dem Jahrbuch der chinesischen Statistikbehörde entnimmt, seien die Emissionen um ein Sechstel höher als bisher angenommen.

Entwicklungsländern fehlen die Mittel

Solche Ungenauigkeiten ließen sich jedoch nicht immer auf den Unwillen der jeweiligen Staaten zurückführen, sondern seien auch der Komplexität der Berechnungen geschuldet, sagt Jan Burck von Germanwatch. "Gerade den Entwicklungsländern fehlen häufig schlicht die Mittel, die aufwendigen Erfassungen und Berechnungen durchzuführen."

Ein neuer Fond will deshalb jetzt Umweltbehörden, Universitäten und Statistikämter in den entsprechenden Ländern finanziell unterstützen, damit die Staaten ihre Berichterstattung über den Klimaschutz verbessern können. Das Bundesumweltministerium wird sich mit sieben Millionen US-Dollar an dem Fond beteiligen, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. "Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, allerdings muss sich Deutschland hier auch dauerhaft verpflichten, die notwendige Unterstützung zu leisten", sagt Burck. Denn um jegliche Klimaschutzziele, die in Paris vereinbart werden, zu überprüfen und zu vergleichen, müsse die Berechnung von Treibhausgasen in den nächsten Jahren dringend vereinheitlicht werden.

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