Das Logo des Medienkonzerns Time Warner | Bildquelle: REUTERS

AT&T schluckt US-Medienkonzern Time Warner gehört künftig Telekom-Riesen

Stand: 24.10.2016 17:42 Uhr

Es ist ein Riese, der einen anderen Riesen übernimmt: Die US-Telefongesellschaft AT&T kauft die Medien-Gruppe Time Warner - und damit Inhalte wie CNN-Nachrichten oder Serien wie "Game of Thrones". Doch die Fusion bereitet nicht nur anderen Medienkonzernen Bauchschmerzen.

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Für den Nachrichtensender CNN war es ein Interview mit dem neuen Boss: Mit Randall Stephenson, Vorstandsvorsitzender des Mobilfunkkonzerns AT&T. Das Unternehmen kauft die Time Warner-Gruppe - und damit auch den berühmtesten Nachrichtensender der Welt.

AT&T-Chef Randall Stephenson | Bildquelle: REUTERS
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AT&T-Chef Randall Stephenson

Doch Stephenson versprach, sich nicht in das Fernsehgeschäft einzumischen: "Ich denke, der Wert ihrer Marke ist die Unabhängigkeit und dass die Zuschauer unabhängige Nachrichten sehen."

Es ist jedenfalls ein großer Schritt für CNN: von der Gründung durch Ted Turner nun in die Hände einer Telefongesellschaft. Der Nachrichtensender hatte beide Vorstandsvorsitzende von AT&T und Time Warner zum Gespräch gebeten, aber es war schnell klar, wer der neue Boss ist.

Milliarden für eigene Inhalte

Stephenson von AT&T führte das Wort. Er begründete den Zusammenschluss mit dem Verhalten seiner Kunden in der Zukunft. "Unsere Kunden wollen mehr Videos und Unterhaltung auf ihren mobilen Geräten", sagte Stephenson. AT&T stellt als Telefongesellschaft die Netze, also sozusagen die Pipeline, zur Verfügung, durch die andere ihre Inhalte zum Kunden transportieren.

Doch jetzt bekommt der Netzbetreiber durch die Übernahme, die 85 Milliarden Dollar kosten soll, eigene Inhalte: Nachrichten von CNN, die Harry Potter-Filme, Basketballspiele und die Fernsehserie "Game of Thrones" - all dies wird von Time Warner produziert.

Bieterkampf um Medienkonzerne?

Vertrieb und Inhalt aus einer Hand - das ist wie ein Modehersteller, der seine Kleider im eigenen Geschäft verkauft und nicht in einem fremden Kaufhaus. So sieht offenbar das Geschäftsmodell der Zukunft in der Unterhaltungsbranche aus. Andere Film- und Fernsehanbieter machen sich schon Gedanken, ob sie als nächstes von einer Telefongesellschaft geschluckt werden. Angeblich wurde die Übernahme von Time Warner in einer Rekordzeit von nur zwei Monaten verhandelt.

Jetzt haben aber noch die Wettbewerbshüter das Wort. Deren Prüfung kann wesentlich länger dauern, doch AT&T-Chef Stephenson, der auch die neue Firma leiten wird, hat keine Bedenken: "Als wir T-Mobile übernehmen wollten, hatten wir einen Konkurrenten im Visier. Time Warner ist aber ein Zulieferer, dessen Inhalte wir kaufen." Dennoch ist die Fusion sogar Thema im US-Wahlkampf. Sowohl der Republikaner Donald Trump als auch seine demokratische Rivalin Hillary Clinton äußerten Bedenken über den neuen Medienriesen. Eines der wenigen Themen, bei dem beide einer Meinung sind.

AT&T kauft Medienkonzern Time Warner
S. Fritz, ARD Washington
24.10.2016 17:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2016 um 18.26 Uhr.

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