Ein Plakat mit dem Hongkonger Buchhändler Gui Minhai (Januar 2016) | Bildquelle: AP

Spannungen zwischen Regierungen Schwedischer Regimekritiker in China festgenommen

Stand: 23.01.2018 11:04 Uhr

Die Festnahme eines Buchhändlers in China sorgt für zwischenstaatliche Verstimmungen: Der Schwede war in Begleitung von schwedischen Diplomaten. Und er ist kein Unbekannter.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Es brodelt derzeit in den Beziehungen zwischen China und Schweden. Der Grund ist eine Festnahme: Vor den Augen schwedischer Diplomaten wurde in China ein schwedischer Staatsbürger in Gewahrsam genommen. Der Festgenommene ist der regimekritische Buchhändler Gui Minhai, der in Hongkong lebt und vor zwei Jahren schon einmal von chinesischen Polizisten festgesetzt wurde.

Er war mit dem Zug aus dem Süden Chinas nach Peking unterwegs, wo er in der schwedischen Botschaft medizinisch untersucht werden sollte. Nach Angaben seiner Tochter betraten an einem Bahnhof kurz vor Peking mehrere Zivilpolizisten den Zug und nahmen Gui mit - ohne Haftbefehl, wie sie im schwedischen Rundfunk sagte.

Das Bemerkenswerte an dem Fall: Gui wurde während der Fahrt von zwei schwedischen Diplomaten begleitet. Doch sie konnten die Festnahme nicht verhindern. Wohin Gui gebracht wurde, was ihm vorgeworfen wird und wie es ihm geht, ist unklar.

Schweden bestellt Botschafter ein

Gui ist schwedischer Staatsbürger und arbeitete in den vergangenen Jahren als Buchhändler in Hongkong - spezialisiert auf regimekritische Werke. Das Außenministerium in Stockholm bestellte aus Protest gegen den Vorfall den chineischen Botschafter ein. Die Hongkonger Sektion des Schriftsteller-Verbands PEN verurteilte den Vorfall und warf Chinas Behörden vor, internationales Recht zu brechen. Das chinesische Außenministerium erklärte, man wisse nichts von dem Vorfall.

Aktivisten in Hongkong halten Plakate verschwundener Buchhändler hoch (Januar 2016) | Bildquelle: AFP
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Ende 2015 waren fünf Hongkonger Buchhändler unter dubiosen Umständen verschwunden.

Gui ist einer von fünf Buchhändlern, die in Hongkong chinakritische Bücher herausgegeben hatten und Ende 2015 unter dubiosen Umständen verschwunden waren. Die Fälle sorgten damals für weltweites Aufsehen. Sie gelten als Beleg dafür, dass China sich mehr und mehr in die Angelegenheiten der autonom regierten ehemaligen Kolonie Hongkong einmischt. Seit der Übergabe der Stadt an China gilt in Hongkong eigentlich das Prinzip "Ein Land, zwei Systeme".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Januar 2018 um 10:00 Uhr.

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