Symbolbild zur Cyberattacken | Bildquelle: dpa

Internet in China Mehr Kontrolle, mehr Spionage?

Stand: 26.10.2016 15:07 Uhr

Chinas Staatschef Xi Jinping wirbt seit vergangenem Jahr kräftig für das Konzept der "Cyber-Souveränität". Nach Ansichten von Experten könnte es die Online-Spionage erleichtern. Auch deutsche Unternehmen sind betroffen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Cyber-Sicherheit und China: Zwei Dinge, über die jeder deutsche Manager, den man zwischen Shanghai, Shenzhen, Chendgu oder Peking trifft, Geschichten erzählen kann. Wenn das Mikrofon ausgeschaltet  ist.

Georg Stieler arbeitet als Unternehmensberater in Shanghai. Er hilft deutschen Firmen, die auf dem chinesischen Markt aktiv werden oder wachsen wollen. Beim Thema Cyber-Sicherheit und elektronische Industrie-Spionage sei die deutsche Wirtschaft oft nicht auf dem aktuellen Wissensstand, kritisiert er. Gefahren würden häufig ausgeblendet. Ganz ähnlich sei das bei der deutschen Politik.

"Da herrscht möglicherweise eine gewisse Naivität", sagt Stieler. "Als ich im Sommer mit jemandem aus dem Bundeskanzleramt darüber gesprochen habe, war das chinesische Konzept der 'Cyber Sovereignty', das von der Pekinger Staatsspitze häufig bemüht wird, nicht bekannt. Das ist natürlich erschütternd."

Alle Online-Daten sollen in China bleiben

Hinter dem Begriff "Cyber Sovereignty" steckt der Gedanke, dass das Internet eben nicht ein Werkzeug ist, das alle Nutzer auf der ganzen Welt auf die gleiche Art und Weise benutzen. Nach dem Konzept stellt vielmehr jedes Land eigene Regeln für die Nutzung des Internets auf. Chinas Staatschef Xi Jinping wirbt seit vergangenem Jahr kräftig für das Konzept der Cyber-Souveränität. Seitdem ist klar, wo die Online-Pläne des bevölkerungsreichsten Landes der Welt hingehen: mehr Abschottung, mehr Kontrolle. Alle Online-Daten sollen in China bleiben.

Für ausländische Firmen stelle das eine Gefahr dar, sagt Georg Stieler. "Das Problem dabei ist die anhängige chinesische Gesetzgebung. Dass ausländische Unternehmen in China gezwungen werden sollen, ihre Quellcodes offenzulegen, dass sie in ihre Bauteile chinesische Komponenten einbauen sollen oder dass in China erhobene Daten nur in China gespeichert werden dürfen", so Stieler.

Werden die Gesetze in Peking wie geplant verabschiedet, kann das für ausländische Unternehmen zweierlei bedeuten: Erstens könnten sie nicht mehr frei darüber entscheiden, wo und wie sie in China gewonnene Daten für ihre Geschäfte nutzen. Das würde sie gegenüber chinesischen Anbietern benachteiligen. Zweitens: Die ausländischen Firmen hätten keine Kontrolle mehr darüber, wer die Daten mitliest. Industriespionage würde dadurch erleichtert werden.

"Unternehmen kommen blauäugig nach China"

Um das zu verhindern, will die Bundesregierung gewisse Cyber-Verhaltensregeln mit der chinesischen Seite aufstellen. Die Rede ist von einem "Kontrollmechanismus". Auch wenn noch nichts Konkretes vereinbart wurde: Die Tatsache, dass das Ganze bei den deutsch-chinesischen Regierungsgesprächen im Sommer offizielles Thema war, wird von deutscher Seite schon als Erfolg gewertet.

Dass in China Wissen von deutschen Unternehmen abgeschöpft wird, ist nicht neu. Es hat auch nicht nur mit dem Thema Online-Spionage zu tun. "Sie haben hier Unternehmen, die relativ blauäugig nach China kommen und denken, dass sie ohne Schaden davonkommen und einfach ihre Strategien hier durchziehen können, wie sie es geplant haben", sagt Sabine Yang von der Außenhandelskammer. "Das ist in den meisten Fällen eher unrealistisch."

Dafür sorge schon der sogenannte Joint-Venture-Zwang, also die Tatsache, dass sich Unternehmen ab einer gewissen Größe mit chinesischen Partnern zusammentun müssen, um in China Geschäfte machen zu können. So haben zum Beispiel alle ausländischen Autokonzerne chinesische Partnerfirmen. Völlig klar, dass da Geschäftsgeheimnisse abfließen.

Digitale Spionage erschweren

Dafür brauche es nicht mal einen Internetanschluss. "In China haben sie in manchen Firmen eine hohe Fluktuation von Mitarbeitern. Wenn die kommen, schnell etwas lernen und sofort wieder gehen, dann ist auch Ihr Wissen dahin", sagt Yang.

Auch, wenn sich so etwas nicht komplett verhindern lasse - zumindest erschweren könne man diese Art der digitalen Spionage, sagt der Shanghaier Berater Stieler: "Ich kenne Unternehmen - das ist die Low-Cost-Variante -, die alle USB-Sticks verschlüsseln." Möglicherweise müsse man aber auch zu teureren Mitteln greifen. "Es gibt zum Beispiel Anbieter, die statten Unternehmen so aus, dass nur noch gewisse USB-Sticks oder gar keine mehr benutzt werden können."

Online-Souveränität und Cyber-Spionage in China
S. Wurzel, ARD Shanghai
26.10.2016 13:03 Uhr

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