Weibo-Logo | Bildquelle: AP

Zensur homosexueller Inhalte Weibo beugt sich dem Druck

Stand: 16.04.2018 12:08 Uhr

Homosexuelle kämpfen in China noch immer um Anerkennung. Als das Netzwerk Weibo jüngst ankündigte, homosexuelle Inhalte zu löschen, brach ein Sturm der Empörung los. Nun hat Weibo die Pläne zurückgenommen.

Chinas Kurznachrichtendienst Weibo lässt homosexuelle Inhalte nun doch wieder zu. Die Online-Plattform teilte mit, dass seine angekündigte Säuberungskampagne "nicht mehr auf homosexuelle Inhalte abzielt".

Die Ankündigung von Weibo hatte heftige Empörung ausgelöst. User hatten sich millionenfach unter dem Hashtag "Ichbinschwul" Luft gemacht, bevor dieser am Wochenende von der Zensur geblockt wurde.

Kritik sogar vom Parteiorgan

Der 340 Millionen Nutzer zählende Kurznachrichtendienst hatte angekündigt, dass Comics, Spiele, Texte und Videos über drei Monate auf Pornografie, blutige Gewalt und Homosexualität überwacht und gegebenenfalls zensiert würden.

Selbst das kommunistische Parteiorgan "Volkszeitung" hatte den Schritt kritisiert und deutlich gemacht, dass die Plattform zu weit gegangen sei. Das Blatt forderte Toleranz gegenüber Homosexualität, die so "normal" wie Bisexualität sei. Homosexualität sei auch "definitiv keine Krankheit", schrieb die "Volkszeitung" in einem Hinweis auf die lange verbreitete und einst selbst in einigen Lehrbüchern geteilte Vorstellung, dass es eine Geisteskrankheit sei.

Homosexualität seit 1997 straffrei

In China ist Homosexualität seit 1997 straffrei. Gleichwohl sehen sich Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle (LGBT) immer noch mit einem Tabu belegt. Nach einer Studie des Pew-Instituts glaubten 2013 nur 21 Prozent der Chinesen, dass die Gesellschaft Homosexualität akzeptiert. Bei sogenannten "Umwandlungstherapien" werden in chinesischen Krankenhäusern "Patienten" laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) unbekannte Medikamente verabreicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. April 2018 um 11:00 Uhr.

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