Ein Mann kauft Getränke in einem Laden an der Straße | Bildquelle: Steffen Wurzel

Bargeldlos in China Den Kaffee per App bezahlen

Stand: 04.09.2017 08:43 Uhr

In kaum einem Land der Welt hängen die Menschen so sehr am Bargeld wie in Deutschland. Doch in vielen Ländern ist das anders. China zum Beispiel. Dort wollen erste Läden gar kein Cash mehr, bezahlt wird per App.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Der hippe Kaffeeladen neben einem Shanghaier Büro-Hochhaus ist eigentlich gar kein Laden, sondern eher eine kleine Bude: zur Straße hin eine matt-schwarze Holzwand mit einem rechteckigen, breiten Loch drin. Aus diesem Loch reicht Song Wujie seinen Kunden frischen Kaffee heraus. Die umgerechnet zwei Euro bezahlen die Leute per Smartphone-App. "Wir nehmen kein Bargeld" steht über dem kleinen Loch an der Wand.

"Wenn wir Bargeld annehmen würden, bräuchten wir hier zusätzlich jemanden an der Kasse. Das ist zu kompliziert. Wir machen, was einfach ist und schnell geht", sagt Verkäufer Song. Statt einer Kasse braucht er nur ein kleines quadratisches Plastikschild, um zu kassieren. Auf diesem Schild ist ein so genannter QR-Code angebracht, also ein quadratischer Barcode mit kleinen schwarz-weißen Kästchen. Den scannen die Kunden mit ihrer Bezahl-App und fertig.

"Kein langes Schlangestehen"

Das Geld für den Kaffee landet direkt auf dem Account von Song Wujies Chef, Zhang Yu. "Viele Leute haben ja eh keine Münzen und Scheine mehr dabei. Bargeld ist weder bequem noch sicher. Bei uns müssen die Leute nicht lange in der Schlange stehen, auch wenn es voll wird", erklärt dieser.

Bargeldloser Trend hin oder her: Immer noch sind alle Geschäfte in China gesetzlich verpflichtet, Cash anzunehmen, das gilt auch für den Laden von Zhang Yu. Falls also doch ein Kunde kommen sollte, der keine Bezahl-App auf dem Handy hat, müssen seine Verkäufer das Geld annehmen und dann vom privaten Telefon aus bezahlen. Aber das kommt nur selten vor und wenn, dann bei europäischen Touristen.

"Chinesen sind offener gegenüber neuen Entwicklungen",  sagt der Shanghaier Unternehmensberater Liu Tuo. "Das unterscheidet Chinesen von den Menschen in den meisten Industrienationen. In China ist alles in Bewegung, ständig ändert sich alles. Und wir interessieren uns hier mehr für neue und innovative Dinge."

Ein Mann kauft Getränke in einem Laden an der Straße | Bildquelle: Steffen Wurzel
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Den Kaffee per App bezahlen: In diesem Laden in Shanghai geht das.

Datenschutz und Datensicherheit sind kein Thema

Der chinesische Bezahl-App-Markt wird beherrscht von den beiden heimischen Internet-Konzernen Alibaba und Tencent. Dass die und indirekt auch der Staat direkten Einblick haben, wer was wann mit ihren Apps kauft, interessiert in China niemanden. Datenschutz und Datensicherheit sind kein Thema.

Im Gegenteil: Es ist das Bargeld, das hier als besonders unsicher gilt. Denn Falschgeld ist ein weit verbreitetes Phänomen. So sagt diese Kundin, die vor dem kleinen Kaffee-Loch in der schwarzen Holzwand steht: "In Supermärkten und anderen großen Geschäften hat es angefangen. Nach und nach haben sich nun alle Geschäfte überall dem mobilen Bezahlen geöffnet. Vor allem junge Leute legen ihre Smartphones schon gar nicht mehr aus der Hand. Mobiles Bezahlen ist bequem und auch sicherer als Cash."

China: Bevölkerungsreichste Nation wandelt sich zu bargeldloser Gesellschaft
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
04.09.2017 08:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Juli 2017 um 10:41 Uhr in der Wirtschaft.

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