Proteste vor dem Weißen Haus gegen rechte Gewalt | Bildquelle: AFP

Gewalt in Charlottesville Trump lässt andere sprechen

Stand: 14.08.2017 07:18 Uhr

"Wenn man Menschen angreift, um Angst zu verbreiten, dann ist das Terrorismus" - Trumps Nationaler Sicherheitsberater hat klare Worte für die Gewalt in Charlottesville gefunden, ebenso Vizepräsident Pence. Anders der US-Präsident: Kritik an seiner Aussage scheint an ihm abzuperlen.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Den ganzen Tag über herrschte angespannte Ruhe in Charlottesville. Der Gouverneur von Virginia hatte den Ausnahmezustand verhängt und die Ultrarechten kategorisch aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Viele reisten tatsächlich ab.

Nicht so der Organisator des Aufmarschs, der rechte Blogger Jason Kessler. Am Sonntagnachmittag versuchte er, auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz der Polizei die Schuld an der Gewalt zu geben: "Was gestern passierte, war Resultat der Polizei von Charlottesville, die sich geweigert hat, ihren Job zu tun." Weiter kam der Anführer der Ultrarechten nicht. Gegendemonstranten und wütende Bürger entrissen ihm das Mikrofon. Die Polizei musste ihn zu seinem eigenen Schutz abführen.

Charlottesville nach tödlicher rechtsextremer Gewalt unter Schock
tagesschau 17:00 Uhr, 14.08.2017, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Chuck Gardner, der sein Leben lang in der sonst so idyllischen Universitätsstadt verbracht hat, war den Tränen nahe: "Dass diese Hetzer in meine Stadt gekommen sind, das hat mir das Herz gebrochen."

Viele Bürger brachten Blumen an jenen Ort, an dem am Samstag die 32-jährige Heather Heyer gestorben war, nachdem ein 20-Jähriger aus Ohio mit seinem Auto offensichtlich absichtlich in eine Menge friedlicher Gegendemonstranten gerast war. Das FBI ermittelt gegen ihn wegen Hassverbrechens. Sein ehemaliger Lehrer sagte im Sender ABC: "Er war überzeugt, dass Weiße überlegen sind, und er fand die Ansichten von Adolf Hitler richtig."

Proteste gegen rechte Gewalt in New York | Bildquelle: dpa
galerie

Nicht nur in Charlottesville, auch wie hier in New York gingen Menschen gegen Rassismus und Rechtsextremismus auf die Straße.

"Sagen Sie, dass dieser weiße Rassismus böse ist!"

Unterdessen wurde mit Spannung erwartet, ob sich US-Präsident Trump erneut zu Wort meldet. Seine erste Reaktion war auch in seiner eigenen Partei auf heftige Kritik gestoßen. Trump hatte nur pauschal Gewalt "auf allen Seiten" verurteilt, eine klare Distanzierung von den Ultrarechten jedoch vermieden. Noch sei es nicht zu spät, diesen Fehler zu korrigieren, appellierte der republikanische Senator Cory Gardner an Trump: "Sagen Sie, dass dieser weiße Rassismus und Nationalismus böse ist! Unser Land und die Welt muss dies hören. Das muss aus dem Oval Office kommen. Und zwar noch heute."

Ivanka Trump @IvankaTrump
1:2 There should be no place in society for racism, white supremacy and neo-nazis.

Gardner und viele seiner Landsleute warteten jedoch vergeblich. Der Präsident schwieg. Das Weiße Haus verbreitete lediglich eine schriftliche Stellungnahme. Trumps Erklärung vom Samstag habe weiße Rassisten, Ku-Klux-Klan-Mitglieder, Neonazis und alle Extremistengruppen mit eingeschlossen. Auch Vizepräsident Mike Pence meldete sich zu Wort. "Wir haben keine Toleranz für Hass und Gewalt von Vertretern der Weißen Vorherrschaft, von Neonazis oder dem Ku-Klux-Klan", sagte Pence bei einem Besuch in Kolumbien. Diese "gefährlichen Randgruppen" hätten keinen Platz im Amerika.

Kritiker wiesen darauf hin, dass Trump sofort nach jeder islamistischen Terrorattacke in Europa twittert. Diesmal aber twitterte nur seine Tochter Ivanka: "In der Gesellschaft sollte kein Platz für Rassismus, weiße Vormachtstellung und Neonazis sein", schrieb sie.

McMaster spricht von Terrorismus

Klartext sprach auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster: "Wenn man Menschen angreift, um Angst zu verbreiten, dann ist das Terrorismus." Auf allen Nachrichtenkanälen wurde spekuliert, warum Trump zum wiederholten Mal zögert, sich deutlich von Ultrarechten zu distanzieren. Weil er selbst rechten Verschwörungstheorien zuneige, meinten manche Experten. Andere erklärten, ohne die Mobilisierung der rechten Wählergruppen wäre er nicht Präsident geworden.

All dies könne Trumps Verhalten nicht entschuldigen, meinte Harvard-Professor David Gergen auf CNN. Der frühere Berater der Präsidenten Ronald Reagan und Bill Clinton empfahl Trump, zumindest müsse er die Angehörigen der Opfer von Charlottesville anrufen. Er fürchte jedoch, nach diesem Wochenende sei Amerika gespaltener denn je: "Die Gefühle sind noch giftiger, die Gräben noch tiefer geworden. Wir sind weit weit von dem Land entfernt, das wir sein wollen. Wir sind nicht vereint, sondern zerrissen."

Rechte Gewalt in Charlottesville
Martin Ganslmeier, ARD Washington
14.08.2017 07:53 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 13. August 2017 um 23:15 Uhr. Zudem berichtete über dieses Thema Deutschlandfunk am 14. August 2017 um 05:20 Uhr.

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