Frankreich-Wahl Die Sozialisten im Chaos

Stand: 30.03.2017 17:27 Uhr

Wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich scheinen die Sozialisten sich die Chance auf die entscheidende Stichwahl zu verbauen. Grabenkämpfe zwischen Benoît Hamon und Jean-Luc Mélenchon spalten die Linke.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris.

Die auflagenstärkste französische Zeitung, "Le Parisien", brachte es schonungslos auf den Punkt. "Mitten im Chaos" hieß es da auf der Titelseite. Gemeint war Frankreichs sozialistische Partei. Die Grabenkämpfe, in die sich die Linke mitten im heißesten Präsidentschaftswahlkampf verstrickt, erleben täglich neue Höhepunkte.

Angebot von Hamon - Absage von Mélenchon

Zuletzt hatte Benoît Hamon wieder einmal die Hand ausgestreckt. Der sozialistische Kandidat, der sich in einer internen Vorwahl des linken Lagers durchgesetzt hatte, bekräftigte, man solle doch über eine gemeinsame Kandidatur nachdenken, natürlich mit ihm als Spitzenkandidaten. Das vermeintliche Angebot galt Jean-Luc Mélenchon, Kandidat der extrem linken Bewegung "La France Insoumise", "das Frankreich der Aufsässigen", der sich seinerzeit eben jener Vorwahl verweigert hatte.

Benoit Hamon | Bildquelle: AFP
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Benoît Hamon, der offizielle Kandidat der Sozialisten, liegt zurzeit in Umfragen fünf Prozentpunkte hinter Jean-Luc Mélenchon.

Jean-Luc Mélenchon | Bildquelle: AFP
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Jean-Luc Mélenchon, der Kandidat der extremen Linken "La France Insoumise", hat eine gemeinsame Kandidatur abgelehnt.

Seitdem hat die Linke zwei Kandidaten mit zumindest ähnlichen Positionen. Doch wieder einmal lehnte Mélenchon dankend ab. Gestärkt von den Umfragen, die ihm einen immer größeren Vorsprung bescheinigen, rief der extrem linke Kandidat in Le Havre seinen Anhängern zu: "Ich hänge nur von Euch ab, Euch habe ich es versprochen, ich verhandle nichts, mit niemandem!"

Zur gleichen Zeit stand auch Hamon auf der Bühne. Seinerseits in Lille. "Ich bedaure, dass Jean-Luc heute Abend geantwortet hat, dass er nicht verhandeln will", verkündete er seinen Anhängern.

Valls will Macron unterstützen

Zuvor hatte Manuel Valls, neulich noch sozialistischer Premierminister, bekannt, er werde nicht Hamon, sondern Emmanuel Macron wählen, den unabhängigen Kandidaten der Mitte. Ein Affront, denn durch seine Teilnahme an der Linken Vorwahl hatte Valls sich eigentlich verpflichtet, deren Sieger, also Hamon, im Wahlkampf zu unterstützen. Postwendend hagelte es aus Hamons Umfeld wüste Beschimpfungen für Valls. "Was sich ähnelt, das kommt zusammen. Das passiert, wenn das gegebene Wort nichts zählt, wenn man eher auf die Macht, als die eigenen Werte schaut. Man ist Sozialist nicht durch eine Erklärung, sondern weil man unsere Werte verteidigt", gifteten seine Unterstützer.

Tatsächlich ist das nur ein weiteres Zeichen dafür, dass die Sozialisten ihre Felle immer weiter davon schwimmen sehen. Denn Hamon, der Sozialist, liegt in Umfragen mittlerweile fünf Punkte hinter dem Kandidat der extremen Linken, Mélenchon. Zum Spitzenreiter Macron macht der Abstand ganze 15 Prozentpunkte aus.

Politiker-Egos verhindern Wahlerfolg?

Das Tragische aus Sicht von Frankreichs Linken ist dabei, dass die beiden Streithähne, Hamon und Mélenchon, sich in vielen Positionen sehr nahe kommen. Das leugnen sie auch gar nicht. Gemeinsam kämen sie aktuell auf 25 Prozent, hätten also sogar Chancen auf die Stichwahl. Hätten. Denn de facto wird eine Annäherung vor allem aufgrund des Egos der beiden immer unwahrscheinlicher. Und damit auch die Chance auf eine linke Regierung. Der sozialistischen Partei droht in der Tat Chaos.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. März 2017 um 09:10 Uhr.

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